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Liquidität

Begriffserklärung "Liquidität":

die Fähigkeit eines Unternehmens, mit vorhandenen Vermögensbestandteilen allen Zahlungsverpflichtungen jederzeit fristgerecht nachkommen zu können. Man unterscheidet die strukturelle bzw. strategische Liquidität, die sich aus dem Nettoumlaufvermögen sowie aus den freien Kreditlimiten ableitet, sowie die dynamische Liquidität, die mit dem Zahlungsbereitschaftsplan zur kurzfristigen Steuerung der Geldbestände herangezogen wird. Das Nettoumlaufvermögen als Differenz zwischen dem Umlaufvermö-gen und dem kurzfristigen Fremdkapital stellt die finanzielle Manövriermasse des Unternehmens dar. Hinsichtlich des Liquiditätsbegriffs werden verschiedene Grade bzw. Ordnungen verwendet, die sich auf den Zeitraum beziehen, in welchem die Verpflichtungen fällig werden. Beispielsweise unterscheidet man zwischen kurzfristigen , mittelfristigen und langfristigen Verpflichtungen . Die Abgrenzung ist allerdings fließend und nicht festgeschrieben, sodass die geeigneten Ordnungen für den jeweiligen Zweck selbst definiert werden können. Die mittel- und langfristige Liquidität haben bis 2001 nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Durch das "Basel-II-Abkommen hat sich dies grundlegend geändert. Seitdem müssen bei einer Kreditvergabe seitens der Banken nun auch die langfristigen Geschäftsprognosen berücksichtigt werden. Zu geringe Liquidität ist neben einer zu kleinen Eigenkapitaldecke bzw. Überschuldung die häufigste Ursache für Insolvenz. Mangelnde Liquidität tritt häufig überraschend ein, wenn nur eine unzureichende Liquiditätsplanung durchgeführt wurde. Zu hohe Liquidität bedingt hingegen Rentabilitätseinbußen. Wenn überschüssige Gelder nicht oder nur schlecht investiert werden, verzichtet das Unternehmen auf die übliche Verzinsung bzw. verliert durch Inflation einen Teil seines Vermögens. Mithilfe der Liquiditätsgradewird ein Unternehmen hinsichtlich seiner Fähigkeit untersucht, alle Zahlungsverpflichtungen fristgerecht erfüllen zu können. Wie auch bei der Anlagedeckung werden hier Positionen der Vermögensseite mit Positionen der Kapitalseite verglichen . Die Liquiditätskennzahlen werden aus der Bilanz abgeleitet. Es werden drei Liquiditätsgrade unterschieden:

Liquiditätsgrad = flüssige Mittel / kurzfristige Verbindlichkeiten Dieser hat in der Praxis nur eine sehr geringe Aussagekraft, weil sinnvolle Vergleichswerte fehlen. Er sollte laut Lehrmeinung über 20 % liegen, wird jedoch heute als relativ uninteressant angesehen, da der Bargeldbestand mit den innerhalb von 30 Tagen zu begleichenden Verbindlichkeiten verglichen wird. Es ist meistens sinnvoller, Kontokorrentkredite zu nutzen, als ständig hohe Liquiditätsreserven vorzuhalten.

Liquiditätsgrad = / kurzfristige Verbindlichkeiten

Dieser sollte zwischen 100 und 120% liegen. Es sollte stets etwas mehr Geld zur Verfügung stehen, als gezahlt werden muss. Die eigenen Forderungen müssen zwar berücksichtigt werden, gelten aber als ungesichert, da wahrscheinlich nicht alle Forderungen fristgerecht erfüllt werden.

Liquiditätsgrad = / kurzfristige Verbindlichkeiten

Dieser sollte mindestens 120%, im Idealfall sogar mehr als 200 % betragen, weil durch den langfristigen Planungszeitraum von fünf oder mehr Jahren eine Unsicherheit, etwa hinsichtlich der eigenen Forderungen, zu berücksichtigen ist. Ist die Liquidität dritten Grades kleiner als 100%, muss das Unternehmen sehr wahrscheinlich Insolvenz anmelden.

Liquidität

Zur Steuerung der Liquiditäteines Unternehmens werden stochastische Modelle eingesetzt. Man bezeichnet diese Verfahren als Cash-Management-Systeme. Dabei muss berücksichtigt werden, dass der Zeitpunkt des Abrufs nicht ausbezahlter Kreditlinien unsicher ist. Außerdem ergeben sich häufig auch Prolongationen, d. h. Verlängerungen von Krediten, z.B. von Kontokorrentkrediten oder Kreditlinien.