Branchenpolitik: 10 Jahre Rauchverbot in Baye...
Branchenpolitik

10 Jahre Rauchverbot in Bayern

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Immer noch umstritten: Das Rauchverbot in der Gastronomie in Bayern
Immer noch umstritten: Das Rauchverbot in der Gastronomie in Bayern

Am 1. August jährt sich das Rauchverbot in Bayern. Der Verein zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur fordert eine Überprüfung der im bundesweiten Vergleich besonders strikten Regelungen.

MÜNCHEN. Das Fazit des Vereins zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur (VEBWK) zum Rauchverbot in Bayern fällt negativ aus. „In 13 von 16 deutschen Bundesländern sind damals wesentlich liberalere Regelungen entschieden worden“, sagt VEBWK-Geschäftsführerin Ursula Zimmermann, „auch in Bayern hätte man das Gesetz durchaus großzügiger auslegen können, ohne den Nichtraucherschutz zu vernachlässigen, wie zahlreiche Bundesländer in Deutschland zeigen.“

Zugegebenermaßen sei das Rauchverbot in der Speisengastronomie längst kein Thema mehr. Sehr wohl litten allerdings noch heute die Betreiber der getränkeorientierten Gastronomie unter der strengen Regelung in Bayern. „Wer während der Kartenrunde oder beim gemeinsamen Fußballevent in der Kneipe für jede Zigarette vor die Tür gehen muss, überlegt es sich beim nächsten Mal zweimal, ob er sich mit seinen Freunden nicht in einer privaten Räumlichkeit trifft und gleichzeitig weniger Geld für Getränke ausgibt“, gibt der Vereinsvorsitzende Franz Bergmüller zu bedenken. Durch das absolute Rauchverbot gehe die Gemütlichkeit in Bars und Kneipen verloren. „Das bekommen die Betreiber über den Umsatz bis heute deutlich zu spüren.“

Rückgang der Raucher in der Bevölkerung beruht laut Verein auf anderen Gründen

„Die bayerischen Politiker verweisen beim Thema Rauchverbot gern auf den damaligen Volksentscheid“, so Zimmermann, „Fakt ist jedoch, dass damals lediglich 37,5 Prozent der Stimmberechtigten in Bayern ihr Votum abgaben. 61 Prozent der Wähler, demnach also nur etwa 2,1 Millionen Bürger, stimmten für den Gesetzesentwurf.“

Der Verein verweist auf seiner Meinung nach fehlende positive Auswirkungen der Regelungen auf die Gesundheit der bayerischen Bevölkerung. „Die Tabakindustrie hat seit 2010 nur marginale Einbußen zu verbuchen“, weiß die Geschäftsführerin, „der Konsum hat sich lediglich in private Räume verlagert.“ Die Raucherquote der Jugendlichen sei zwar von damals 28 Prozent auf heute 7 Prozent stark gesunken, dies lasse sich jedoch vor allem durch die wichtige Aufklärungsarbeit und die Nichtverfügbarkeit von Tabakwaren für Minderjährige erklären. Auch die Raucherquote der Erwachsenen ging seit 2010 weiter zurück. Dies sei jedoch ein Trend, der bereits seit den 1980er-Jahren erkennbar und durch das Rauchverbot nicht gesteigert worden sei.

Umsatzenbußen und Verlust von Stammgästen

„Stattdessen sehen wir deutlichen negative Auswirkungen auf die getränkeorientierten Lokale“, so Zimmermann, „Umsatzeinbußen und Verlust von Stammkunden machen sich hier deutlich bemerkbar.“ Für den VEBWK-Vorsitzenden ist das totale Rauchverbot in Bayern bis heute ein schwerer Eingriff in die Eigentumsrechte der Wirte. „Die Föderalismusreform ermöglicht beispielsweise auch Hotels das Einrichten von Raucherräumen“, so Bergmüller, „dies ist auch für die Gastronomie sinnvoll und wünschenswert. Als Nebeneffekt wird damit auch der gestiegene Lärmpegel vor Lokalen wieder verringert.“

Nach 10 Jahren totalem Rauchverbot in Bayern fordert der VEBWK jetzt eine Evaluierung der Regelung. „Das Bundesverfassungsgericht hat dem Gesetzgeber diese Möglichkeit gegeben“, so Zimmermann, „10 Jahre Praxistest sollten genügen, um die Schwachstellen zu erkennen und das Gesetz in Bayern zu novellieren. Was spricht gegen das Erlauben von Raucherkneipen? Jeder mündige Bürger sollte das Recht haben, zu entscheiden, ob er eine solche Lokalität oder lieber ein rauchfreies Lokal betritt.“ red/beh

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