Eine Frage. Drei Meinungen: Biergärten & Co: ...
Eine Frage. Drei Meinungen

Biergärten & Co: Was läuft in der Außen-Gastro?

Brit Glocke

Das Terrassengeschäft rückt nach dem Corona-Shutdown in den Fokus. Wie stellen sich Gastronomen neu auf, welche Chancen sehen sie? Stimmen aus München, Köln und Leipzig.

Peter Schmeier, Gastronomie im Muffatwerk, München: Aktionen machen zurzeit wenig Sinn

Peter Schmeier: "Wir bieten dasselbe wie immer, Speisen und Getränke in Bio-Qualität"
Gastronomie im Muffatwerk
Peter Schmeier: "Wir bieten dasselbe wie immer, Speisen und Getränke in Bio-Qualität"


"Neu aufgestellt haben wir uns insofern, dass wir nur noch knapp ein Viertel der ursprünglichen Plätze bewirtschaften können, statt 400 jetzt etwa 80. Wir rechnen deshalb mit Personalkosten von rund 50 Prozent. Wir bieten dasselbe wie immer, Speisen und Getränke in Bio-Qualität, etwa Herrmannsdorfer Bio-Bratwürste, Obazda oder Hummus, außerdem Salate, Fisch und Ökofleisch vom Lavasteingrill. Die Preise haben wir nicht erhöht. Getränke und Brotzeiten erhält der Gast im Selbstbedienungsbereich, warme Gerichte können beim Zahlen an der Kasse mitbestellt und später an der Ausgabe abgeholt werden. Werbung und Aktionen machen wenig Sinn, denn wir können zu den entscheidenden Zeiten ab 17 Uhr leider nicht so viele Gäste empfangen, wie kommen möchten. Ein grundlegendes Problem für die Außengastro und Biergärten im Besonderen ist das Hygienekonzept der Bayerischen Staatsregierung, das in entscheidenden Punkten leider unklar formuliert ist. Daraus schließen einige Wirte, dass nur mit Bedienungen gearbeitet werden darf. Andere gehen von einem klassischen Biergartenbetrieb aus. Kritisch sind auch die Öffnungszeiten in den Abendstunden. Dass in Biergärten das Virus ab 20 Uhr gefährlich ist, in geschlossenen Räumen aber scheinbar erst um 22 Uhr, ist das entscheidende Problem.“ fis

Peter Heising, Restaurant Heising & Adelmann, Köln: Frische Pflanzen und Social Media

Peter Heising: "Wer nach zwei Monaten zum ersten Mal wieder zu uns kommt, darf etwas Besonderes erwarten"
Heising & Adelmann
Peter Heising: "Wer nach zwei Monaten zum ersten Mal wieder zu uns kommt, darf etwas Besonderes erwarten"


"Bisher wurden bei uns am Wochenende um 22.30 Uhr immer die Möbel weggeräumt. Ein DJ legte auf, und 400 Gäste machten Party. Das ist jetzt nicht mehr möglich. Unser Lokal ist wieder geöffnet, nur sind die jeweils 80 Plätze drinnen und draußen auf jeweils 40 geschrumpft. Was nicht wirtschaftlich ist, aber ein klares Zeichen setzt: Wir sind für unsere Gäste da, auch unter widrigen Bedingungen. Nach so langen Jahren als Wirt habe ich auch eine soziale Verantwortung. Die Gastronomie steht für ein bestimmtes Lebensgefühl, also bin ich auch verpflichtet, das zu vermitteln. Uns hilft da unser Garten, auf den sich bei schönem Wetter der Zulauf konzentriert. Da wir die Tische nicht so dekorieren können wie sonst, haben wir den Blumenschmuck drumherum üppiger gestaltet und eine Riesenladung Bananenpflanzen gekauft. Wer nach zwei Monaten zum ersten Mal wieder zu uns kommt, darf etwas Besonderes erwarten. Auch die sozialen Medien bespielen wir stärker. Unsere Karte stellen wir immer zügig online. Die Hygiene- und Abstandsregeln halten wir natürlich penibel ein. Dennoch beobachte ich, dass die Menschen sich noch nicht so recht zu uns trauen. Die Angst vor Ansteckung sitzt in den Köpfen, ein eher psychologisches Problem. Viele Gäste sind halt eingeschüchtert. Aber das vergeht – da bin ich mir sicher.“ gol

Jens Gröger, Gosenschenke Ohne Bedenken, Leipzig: Bratwurst statt Schweinshaxe

Jens Gröger: "Die Speisekarte ist um die Hälfte reduziert, das Angebot am Außengrill aber unverändert"
Gosenschenke Ohne Bedenken
Jens Gröger: "Die Speisekarte ist um die Hälfte reduziert, das Angebot am Außengrill aber unverändert"


"Wir haben seit 15. Mai wieder geöffnet. Zu unserem neuen Hygienekonzept gehören kürzere Reinigungs- und Desinfektionsintervalle sowie Schutzmasken fürs Personal. Die Zahl der Plätze ist auf rund ein Drittel reduziert: Im Biergarten und auf der Terrasse sind es nun 200 statt 600. Die Tische sind alle blank – weder Besteck noch Platzsets liegen mehr darauf. Von den zwei Eingängen halten wir nur noch einen offen, um die Gäste gezielt führen zu können. Bei Andrang, wie wir ihn erstmals wieder an Himmelfahrt verzeichnen konnten, steht dort ein Mitarbeiter und passt auf, dass keine größeren Gruppen an den Tischen Platz nehmen. In Sachsen sind maximal sechs Personen aus höchstens zwei Haushalten erlaubt. Die Speisekarte ist um die Hälfte reduziert, das Angebot am Außengrill aber unverändert. In den ersten Tagen zeigte sich, dass die Gäste noch recht verhalten bestellen, lieber Bratwurst statt Schweinshaxe. Unser Jahreskalender ist bis Ende August außer Kraft gesetzt. Im Sommer gibt es normalerweise große Biergartenfeste mit Livemusik und bis zu 1000 Personen – würden wir die Zahl der Gäste beschränken, wäre die Stimmung dahin. Von den festangestellten Mitarbeitern wurde niemand entlassen. Langsam hole ich alle aus der Kurzarbeit zurück. Sie sind hochmotiviert!“ pew

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