Coronakrise: Frankfurter Weihnachtsmarkt setz...
Coronakrise

Frankfurter Weihnachtsmarkt setzt Zeichen

Jochen Zimmer
Der Zugang zu Verzehrbereichen ist auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt reglementiert.
Der Zugang zu Verzehrbereichen ist auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt reglementiert.

Anders als in Regionen mit Corona-Inzidenzwerten über 1000 wie in Bayern und Sachsen wurden in vielen Städten die Weihnachtsmärkte (noch) nicht abgesagt. Schließlich gelten sie als wichtiger Faktor für die lokale Wirtschaft. Das Beispiel Frankfurt zeigt, mit welchen Maßnahmen die Durchführung auch unter Coronabedingungen gewährleistet werden kann.

Abstand ist im zweiten Coronawinter auch an der frischen Luft das Gebot der Stunde. Deshalb wurde bei der Planung des Frankfurter Weihnachstmarkts die Zahl der Stände von 215 auf 170 reduziert und gleichzeitig die von den Standbetreibern bespielte Fläche ausgeweitet. Dies soll Gedränge und Nadelöhre vermeiden. Es gibt zwei eingezäunte Bereiche, über die nur nach der 2G-Regel Zugang möglich ist, auf den sonstigen Flächen gibt es separate Essensbereiche. Auf dem gesamten Areal zwischen Mainkai und Zeil gilt Maskenpflicht - außer beim Verzehr von Speisen und Getränken.

So ist etwa erstmals der Roßmarkt mit einem eingezäunten 2G-Bereich Teil des Marktes. Die ringförmig entlang des Außenzaunes aufgebauten Essens- und Getränkestände lassen reichlich Platz in der Mitte für Besucher. In den ersten Tagen nach der Eröffnung am 22. November ist von Gedränge nichts zu sehen - im Gegenteil. "Die Besucher müssen den ungewohnten Standort erst noch kennenlernen", sagt Nina Malaviya, Leiterin der Stabsstelle Recht der Frankfurter Tourismus+Congress GmbH, und will mit zusätzlichen Hinweisschildern vor Ort und mit PR-Maßnahmen die Frequenz erhöhen.

Zur Belebung der Innenstadt

Die Veranstaltungsleiterin des Frankfurter Weihnachtsmarkts ist sich jedoch bewusst, dass der Weihnachtsmarkt 2021 keineswegs an das Rekordjahr 2019 anknüpfen kann, aber das sei auch gar nicht das Ziel. "Der Weihnachtsmarkt soll in diesem Jahr gar kein Magnet für die Massen sein, aber er bleibt ein wichtiger Faktor für die Belebung der Innenstadt, also auch für Handel und Gastronomie", betont Malaviya. "Uns geht es in erster Linie um die Region und um die Partner wie Schausteller und Standbetreiber, die nach den coronabedingten Marktausfällen vielfach mit dem Rücken zur Wand stehen, sowie um Besucher aus der Region, die in diesen schwierigen Zeiten auch etwas Lebensfreude brauchen."

Vor Corona betrug laut Malaviya der Anteil ausländischer Touristen etwa 15 bis 20 Prozent, jetzt seien es nicht mehr als 5 Prozent. Der Anteil der Tagestouristen habe sich von 40 auf 20 Prozent halbiert. Genaue Besucher und Umsatzzahlen zum Frankfurter Weihnachtsmarkt liegen nicht vor, doch die Tourismus+Congress GmbH geht von einem Umsatzvolumen in der Größenordnung von etwa 30 Mio. Euro sowie von rund 3 Mio. Besuchern vor Corona aus, die im Durchschnitt 12 Euro ausgeben.

Enorme wirtschaftliche Bedeutung

Bundesweit gehen laut Albert Ritter, Präsident des Schaustellerbundes rund 160 Mio. Menschen auf Weihnachtsmärkte und sorgen für einen Umsatz von knapp 2,9 Mrd. Euro. Lorenz Kalb, der Vorsitzende des Süddeutschen Schaustellerverbandes, verweist im Spiegel auf die enorme wirtschaftliche Bedeutung der Märkte und kritisiert den Aktionismus der Politik: "Ganze Städte hängen von solchen Entscheidungen ab, Bäcker, Metzger, Taxifahrer, Hoteliers." Die großen, professionell veranstalteten Weihnachtsmärkte seien sicher.


Aus diesem Grund sieht sich auch Malaviya in der "Pflicht, den Weihnachtsmarkt durchzuführen", auch wenn sie sich bewusst ist, dass es unterschiedliche Ansichten dazu gebe und man es in diesem Jahr eigentlich "nicht richtig machen könne". Doch man habe in enger Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt ein detailliertes Hygienekonzept verarbeitet, auf das man vertraue und das nach den Eindrücken der ersten Tage funktioniere. Die Besucher zeigten sich bislang sehr diszipliniert. Vor diesem Hintergrund hofft sie - wie in anderen Städten mit noch weniger dramatischen Inzidenzwerten als in den Hotspots, in denen Märkte stattfinden - dass der Weihnachtsmarkt bis zum geplanten Ende am 22. Dezember offen bleiben und in diesen schwierigen Zeiten für Momente von Lebensfreude sorgen kann.

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