Coronakrise: Meistervereinigung Gastronom: "W...
Coronakrise

Meistervereinigung Gastronom: "Wir fordern gerechte Perspektiven"

Vereinigung
Kämpferisch: Uwe Staiger
Kämpferisch: Uwe Staiger

In einem offenen Brief an Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder formuliert der Präsident der Vereinigung, Uwe Staiger, seine Kritik an der bisherigen Politik. Er vermisst Augenmaß, Gerechtigkeit und Differenzierung.

Klartext in Sachen Coronakrise von Uwe Steiger, Präsident der Meistervereinigung Gastronom, in einem offenen Brief an die Politik. "Zuletzt ist immer deutlicher geworden, dass einzelne Gesellschafts- und Branchengruppen mit höchst unterschiedlichem Maß behandelt und damit eingeschränkt wurden. Mit den fortlaufenden medizinischen Erkenntnissen sind viele der von der Politik als ursprünglich herausgestellten Pandemietreiber rückblickend nicht als die alleinigen und hauptsächlichen Infektionsherde identifiziert worden."

Staiger nimmt Anstoß an der ihm zufolge ungerechten Behandlung einzelner Branchen. "Die Tatsache, dass für manche strikte Einschränkungen verordnet wurden um damit anderen ein fast normales "weiter so" zu  ermöglichen, ist in einer Demokratie sehr schwer vermittelbar und für unser Land höchst unsozial, vor allem aber für die Betroffenen eine sehr große Zumutung."

Unverständlich findet er, dass viele Unternehmen - etwa im Einzelhandel - ihre Läden schließen müssen, aber gleichzeitig der als systemrelevante geltende Großhandel, die Lebensmitteldiscounter oder auch Drogeriemärkte weiterhin öffnen dürfen - und folglich massiv profitieren. Staiger: "Da werden Parallelen zum ersten Lockdown ersichtlich, als gerade die Kundenströme der von Ihnen geschlossenen Gastronomie den Lebensmitteldiscountern Umsatzzuwächse in ungeahnter Höhe ermöglichten."

Staiger fordert eine Differenzierung - auch steuerlich: "Besteuern sie diese Wirtschaftszweige gerade auf die so erzielten Mehreinnahmen mit einer zusätzlichen Abgabe und setzen diese Beträge für einen Solidaritätsfond ein, damit daraus eine zielgerichtete, direkte Hilfe der direkt Betroffenen erfolgen kann."

Gleichzeitig fordert er eine Öffnungsperspektive. "Unsere Unternehmen haben vor Corona noch nie am Subventionstropf gehangen und sind erst durch Ihre beschlossenen Corona-Maßnahmen unverschuldet dort hineingeschlittert. Deshalb – geben sie uns eine faire Chance unsere schon im Frühjahr entwickelten und mit viel Geld realisierten Hygienekonzepte ebenso wieder umsetzen zu dürfen." Dies sei auch im Sinne der 2,4 Millionen Gastro-Beschäftigten und im Sinne der Zukunft des gesamten Gastgewerbes.

Langfristig müsse es das Ziel sein, Wege zu entwickeln, mit Krankheiten wie Corona umzugehen, ohne in politisch verordnete Schockstarre zu verfallen. Man stehe nun an einem Punkt, an dem der Gesundheitsschutz stärker mit den Folgeschäden des Lockdowns abgewogen werden müsse. Staiger zitierte in diesem Zusammenhang den NRW-Landeschef Armin Laschet: "Wir können unser ganzes Leben nicht nur an den Inzidenzwerten abmessen."


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