Gastbeitrag: Den Generationswechsel gestalten
Gastbeitrag

Den Generationswechsel gestalten

Unternehmen
Bettina von Massenbach: „Eine langfristige Planung von bis zu zehn Jahren ist empfehlenswert“
Bettina von Massenbach: „Eine langfristige Planung von bis zu zehn Jahren ist empfehlenswert“

Von Bettina von Massenbach, Beraterin (Oyster Hospitality Management; FCSI), München.

Lebenszeit, Energie und schlaflose Nächte hat ein Unternehmer in sein eigenes Baby investiert. Dann schleicht sich der Moment an, in dem über die Nachfolge nachgedacht wird. Die Gestaltung des Generationswechsels ist ein wesentlicher Faktor in der Geschichte eines Unternehmens. Mit der Übergabe sind Chancen und Risiken gleichermaßen verbunden.

Um Nachfolgebereitschaft und Qualifikation des Nachfolgers abzuklären, ist eine langfristige Planung von bis zu zehn Jahren empfehlenswert. Ziel sollte es sein, dass die Senioren Gewissheit darüber bekommen, ihren Betrieb in guten Händen zu wissen, um sich auf ihren wohlverdienten Lebensabend freuen zu dürfen. Im Gegenzug ist es für die Nachfolger wichtig, neue Wege mit zeitgemäßer Handschrift entwickeln zu dürfen. Eine gemeinsame Vision entspricht einer Grundsteinlegung.

Entscheidende Weichen werden bei wirtschaftlichen und juristischen Fragen gestellt: Bleibt das Unternehmen in der Familie? Was ist testamentarisch geregelt? Frühzeitig Kompetenzen wie Steuerberater, Anwälte, Betriebsberater und Mediatoren an einen Tisch zu holen, bringt Sicherheit.

Besonders für Familien kann der Generationswechsel zur Belastungsprobe werden: emotionale Bindungen, Charakterähnlichkeiten und Vertrautheit führen schnell zu einer schwindenden Toleranzgrenze. Ein internes Familiengesetz, in dem Spielregeln, Leitbild bis hin zum Konfliktmanagement abgebildet werden, dienen als verbindliche Basis zur internen Kommunikation. Wichtig ist eine klare Trennung zwischen Privat- und Unternehmenssphäre. Der Spannungsbogen zwischen Toleranz gegenüber vermeintlichen Fehlentscheidungen und dem Bewusstsein, dass ein Lebenswerk nur auf der Basis von Veränderungen fortgeführt werden kann – hier liegt die eigentliche Herausforderung.

Wie kann das gelingen? Mit Meilensteinen, die einen möglichst detaillierten Fahrplan ergeben sollten. Regelmäßige Zwischenstopps an einem Jour fixe einlegen und gemeinsam überprüfen, ob man sich noch auf demselben Weg zum Ziel befindet. Während des laufenden Betriebs ist dies keine leichte Aufgabe, da sich das Operative schnell in den Vordergrund drängt. In diesem Prozess lernt man sich oft neu kennen. Stärken und Potenziale, Verhaltensmuster und persönliche Lebensziele – bislang unausgesprochen – werden sichtbar.

Ehrlichkeit sowie Transparenz entscheiden die erfolgreiche Stabsübergabe. Sollte es unterschiedliche Auffassungen über den Wert eines Betriebs geben, dann kann ein Gutachter den Ist-Zustand mit allen betriebsrelevanten Kennzahlen ermitteln. Ab wann werden Vollmachten für Betriebskonten oder Kreditverpflichtungen erteilt? Zu welchem Zeitpunkt werden Geschäftspartner, Mitarbeiter und Gäste informiert? Wie lässt sich eine ausreichende Altersvorsorge aus dem Betrieb für die scheidenden Senioren finanzieren? Fragen über Fragen.

Beim Generationswechsel zeigt sich der wahre Erfolg eines Unternehmers. Wie schafft man es, gemeinsame Stärken zu entwickeln und die Bereitschaft voneinander lernen zu wollen, ohne dabei die vertrauenswürdige familiäre Basis in Frage zu stellen? Neben einem übergreifenden Wertekodex hilft die Gründung eines Beirats, der das Ziel verfolgt, die Kontrolle des Übernehmers im Sinne der vereinbarten Unternehmensziele kontinuierlich zu überprüfen und als Ratgeber zur Seite zu stehen.

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