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Branchenpolitik

Fachkräftemangel: Branche sucht gemeinsamen Nenner

Ein 10-Punkte-Plan zur Bekämpfung des Fachkräftemangels im Gastgewerbe bringt Politik, DEHOGA und Gewerkschaft NGG an einen Tisch.

STUTTGART/BERLIN. Auf der Suche nach Lösungen beim Fachkräftemangel im Gastgewerbe zeichnet sich eine gewisse Annäherung zwischen den unterschiedlichen Gruppen der Branche ab. Das wurde beim exklusiven Interview der AHGZ Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung (dfv Mediengruppe) mit DEHOGA-Präsident Guido Zöllick, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Gewerkschaft NGG, Guido Zeitler, und der saarländischen Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) deutlich.

„Wir sind uns vor allem auch darin einig, dass niemand die positive Entwicklung im Bereich des Tourismus stoppen will“, betonte Ministerin Rehlinger. „Auch bei der Bedeutung der Ausbildung stimmen wir überein.“ Ausgangspunkt der Diskussion war ein 10-Punkte-Plan zur Bekämpfung des Fachkräftemangels im Gastgewerbe, den die Wirtschaftsministerkonferenz 2017 in Auftrag gegeben hat und der inzwischen vorliegt. „Die Hauptaussage ist, dass wir dem Fachkräftemangel nur in einer gemeinsamen Kraftanstrengung entgegentreten können“, fasste Rehlinger zusammen.

Azubis sollen entlastet werden

Übereinstimmungen gab es u.a. darin, dass der Fachkräftemangel unbestritten ist und alle eine Entlastung von Azubis für Wohnungen und anderen Sachleistungen, die Arbeitgeber zur Verfügung stellen, wünschenswert finden. „Da steht bald eine Abstimmung im Bundesrat an. Ich habe große Sympathien dafür“, erklärte Rehlinger. Sie kündigte auch an, dass ein Fachkräfteeinwanderungsgesetz kommen werde. „Jetzt geht es darum, die Zuwanderung so zu steuern, wie es für die Wirtschaft passend und zuträglich ist in Abgrenzung zum Asylrecht.“

Streitpunkt bleiben die Arbeitszeiten

Beim Thema Imagekampagne für die Branche gab es differenzierte Ansichten, die nicht unüberbrückbar scheinen. Unterschiedliche Standpunkte waren beim Thema Flexibilisierung der Arbeitszeit zu verzeichnen. Die Wirtschaftsministerkonferenz regt eine Tariföffnungsklausel an, um die EU-Arbeitszeitrichtlinie und Arbeitsschutzinteressen auf einen Nenner zu bringen. Zöllick: „Ich bin der festen Überzeugung, dass Experimentierräume der völlig falsche Weg sind…. Unsere Betriebe brauchen eine Flexibilisierung im Sinne der EU-Arbeitszeitrichtlinie. Der Bürger ist mündig geworden, man kann ihm die Essenszeiten nicht vorschreiben und unsere Betriebe leben von diesem Service. Aber es kommt auch den Beschäftigten entgegen, wenn sie mehr Spielraum haben. Es geht nicht um eine Erhöhung der Gesamt-Arbeitszeit.“

Zeitler sieht bereits genug Flexibiliät im geltenden Recht und hält dagegen: „In den Tarifverträgen gibt es schon ausreichend Regelungen, die Flexibilisierung ermöglichen könnten. Sie werden aber zu wenig genutzt. Die Spielregeln reichen also aus: Entscheidend ist die richtige Planung von Arbeitszeiten.“

Rehlinger hat sogar Bedenken, dass flexiblere Arbeitszeiten den Fachkräftemangel verstärken:  „Ich habe Verständnis, dass die Branche eine Notwendigkeit der Flexibilisierung sieht. Wir diskutieren aber unter dem Stichwort, dass wir die Branche attraktiver machen wollen. Da ist das nicht unbedingt ein gutes Signal.“

Das ganze Interview gibt es in der aktuellen AHGZ.

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