Handelsgastronomie: Frau Renate steht Pate
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Frau Renate steht Pate

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Frau Renate: Flexibles Konzept für den Lebensmitteleinzelhandel
Frau Renate: Flexibles Konzept für den Lebensmitteleinzelhandel

Das Nahrungsmittelunternehmen Dr. Oetker hat ein Gastronomiekonzept auf Franchisebasis entwickelt. Der Startschuss fiel in Koblenz. Verschiedene Formate von XS bis XXL liegen fertig in der Schublade.

BIELEFELD/KOBLENZ. Frau Renate, die Werbe-Ikone aus den 1950er- und 1960er-Jahren, ist Namensgeberin des neuen gastronomische Konzepts, das der Dr. Oetker-Konzern für den Lebensmitteleinzelhandel entwickelt hat.

Am Pilotstandort im Koblenzer Edeka-Markt Goerzen können die Kunden seit Mitte Juni vor Ort zubereitete Gerichte wie Pizza, Stullen, Bowls, glutenfreie Waffeln und Pudding bestellen. Goerzen erwartet, dass 70 bis 80 Kunden täglich das Angebot nutzen werden. Hans-Wilhelm Beckmann, Geschäftsleitung Dr. Oetker Deutschland, wünscht sich einen Abstrahleffekt auf die Dr. Oetker-Produkte im Regal, betont aber den Mehrwert für den Händler: „Natürlich bezieht das Konzept das Markenverständnis und das Produktportfolio von Dr. Oetker ein, es ist aber nicht als Selbstzweck zu verstehen. Vielmehr ist es Hilfestellung für den Handel und Verkaufsunterstützung zugleich.“

30 Quadratmeter und 20 Sitzplätze

Der Edeka-Markt von Dirk Goerzen verfügt über rund 2200 Quadratmeter Verkaufsfläche und wird wöchentlich von rund 15.000 Kunden besucht. 80 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Der Frau Renate-Store nimmt im hinteren Marktbereich eine Fläche von 30 Quadratmetern mit rund 20 Sitzplätzen ein. Heimat und Nostalgie, modern interpretiert, so lassen sich Ambiente und Angebot auf den Punkt bringen. „Rund 80 Prozent der verwendeten Zutaten stammen aus dem Dr. Oetker-Sortiment im Laden, ergänzt durch Frischeprodukte“, erklärt Alexandros Soukas, der das Konzept gemeinsam mit Natalie Tutatcikova entwickelt hat.

Die handwerkliche Veredelung spiele eine wichtige Rolle. Auf ausliegenden Rezeptkarten erfahren die Kunden, wie sie die Gerichte mit Dr.Oetker-Produkten aus dem Laden selbst zubereiten können. Die Marke Dr. Oetker tritt dabei kaum in Erscheinung, wird aber auch nicht versteckt: „Wir sind diesbezüglich völlig transparent“, hebt Soukas hervor.

Kulinarisch geht es vielseitig zur Sache. Das Angebot reicht vom Frühstück mit Müsli und Porridge über den leichten Lunch und Snacks am Nachmittag bis zum Abendessen für die ganze Familie. Das mit maximal fünf Positionen pro Kategorie straffe Sortiment gibt es zu Preisen um 6,90 Euro zum Verzehr vor Ort und auch zum Mitnehmen. „Wir möchten Angebote für jedes Preis- und jedes Zeitbudget machen“, erklärt Soukas.

Märkte sollen attraktiver werden

Als Industriepartner habe Dr. Oetker normalerweise nur über das Regal Kontakt zu den Kunden. „Mit Frau Renate können wir sie ganz anders und auch besser kennenlernen und verstehen und gleichzeitig unsere Produkte völlig neu inszenieren – ein Dreiklang, von dem sowohl wir als Produzent als auch der Händler und der Kunde profitieren.“ Händlern böten gastronomische Angebote die Möglichkeit, sich vom Online-Kanal abzuheben und die Attraktivität ihres Marktes zu steigern. Viele unterschätzten das Thema allerdings: „Es hört sich relativ einfach an, Gastronomie im Supermarkt zu machen, aber das ist es nicht. Wir haben die Komplexität reduziert, jeder Mitarbeiter kann in wenigen Stunden über das Systemhandbuch geschult und bei Frau Renate eingesetzt werden“, sagt Soukas.

Frau Renates Zielgruppe sind erklärtermaßen Frauen: „Sie stellen nach wie vor die große Mehrheit der Kunden im Laden“, sagt Soukas. Der feminin gehaltene Ladenbau spielt mit Zitaten aus den Wirtschaftswunderjahren, in denen Dr. Oetker vor allem Frauen den Küchenalltag mit seinen Produkten erleichterte. „Wir wollen jedoch keinesfalls ein veraltetes Frauenbild transportierten“, unterstreicht Hans-Wilhelm Beckmann. „Schließlich war Frau Renate schon in den 1950er-Jahren berufstätig und deshalb ein Vorbild für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Damit passt sie als echte Powerfrau wunderbar in die heutige Zeit.“

Geringer Waren- und Personaleinsatz

Sechs Monate lang wollen Dr. Oetker und Dirk Goerzen nun Frau Renate gründlich testen, anschließend soll die Marke möglichst bald per Franchising in weiteren Märkten ausgerollt werden. Verschiedene Formate von XS bis XXL liegen fertig in der Schublade. Das Konzept kann auf wenigen Quadratmetern in die Fleischtheke integriert oder auf einer Fläche von 300 Quadratmetern ausgerollt werden. Die Partnerschaft mit dem Handel wirkt sich laut Soukas positiv auf die Kostenstruktur aus. „Dadurch, dass ein Großteil der Ware aus dem Markt kommt, liegt der Wareneinsatz bei nur 25 Prozent, auch der Personaleinsatz lässt sich sehr flexibel mit dem Handelsbetrieb steuern.“

Drei neue Vollzeitmitarbeiter hat Dirk Goerzen für das gastronomische Angebot eingestellt. Dem selbständigen Kaufmann ist es wichtig, neue Anreize zu schaffen, seine Kunden zu binden und ihnen immer wieder etwas Besonderes zu bieten. „Edeka steht für frische, hochwertige Lebensmittel. Da passt Frau Renate richtig gut hinein!“

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