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Gastbeitrag

JRE-Präsident Alexander Huber: "Gestärkt aus der Krise kommen"

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Alexander Huber: "Ich selbst empfinde eine wahnsinnig große Vorfreude darauf, unser Restaurant und unser Gasthaus wieder öffnen zu dürfen"
Alexander Huber: "Ich selbst empfinde eine wahnsinnig große Vorfreude darauf, unser Restaurant und unser Gasthaus wieder öffnen zu dürfen"

Welche Perspektive hat die Gastronomie in Deutschland? Wie steht es um die Zukunftschancen? Darüber macht sich Alexander Huber Gedanken, Präsident der Jeunes Restaurateurs (JRE) in Deutschland.

Vierhundert Coronafälle meldete das RKI vor genau einem Jahr am 5. März 2020. Die ersten Menschen gaben sich nicht mehr die Hand, vorsichtshalber blieben einige Schulen geschlossen – von einem Lockdown war die deutsche Wirtschaft, die Bevölkerung und vor allem auch die Gastronomie gedanklich weit entfernt. Wer hätte sich zu diesem Zeitpunkt vorstellen können, dass wenige Tage später Geschäfte, Gastronomie und Gotteshäuser schließen werden?


Und dass wir uns ein Jahr später immer noch im Griff der Pandemie befinden, dass Hotels, Restaurants und Gaststätten von November bis April keine Gäste mehr empfangen dürfen? Wer hätte gedacht, dass die Produktion von Außer-Haus-Gerichten, die immer wieder neue Zusammenstellung von Take-away-Boxen auch das Leben der Spitzengastronomie in Deutschland bestimmen würde? Um ehrlich zu sein – keiner von uns.

Ohne Gastronomie geht es nicht

Bereits bei der ersten Schließung haben wir uns intensive Gedanken über den Restart gemacht, über Hygienemaßnahmen und über neue Angebote für unsere Gäste. Wir haben danach alle Anforderungen des Gesetzgebers umgesetzt, um Hotels und Restaurants corona-konform betreiben zu können.

Wir haben Abstände eingehalten, Desinfektionsmittel bereitgestellt, das Personal geschult, uns Gedanken um die richtige Belüftung gemacht. Mit großem Einsatz haben wir täglich bewiesen, wie wichtig die Gastronomie für eine funktionierende Gesellschaft und die positive Stimmung der Menschen ist. Trotzdem mussten wir in den zweiten Lockdown, länger und einschneidender als gedacht. Und wieder stellt sich die Frage: Wie wird der Restart aussehen? Welche Perspektive hat die Gastronomie in Deutschland?

Die positiven Fakten: November- und Dezemberhilfe sind nahezu komplett ausgezahlt, die Betriebe haben damit eine gute Unterstützung erhalten. Die Überbrückungshilfe III ist nicht mehr ganz so großzügig ausgestattet, bietet aber Hilfen etwa für Hygienekonzepte und die Digitalisierung mit Blick auf die Wiedereröffnung. Zudem hat der Bundestag beschlossen, die Mehrwertsteuer für Speisen bis Ende 2022 bei 7 Prozent zu belassen.

Vorausgesetzt, dass unsere Betriebe steigende Öffnungstage haben werden – 2022 bei Durchimpfung möglicherweise schon wieder das ganze Jahr –, besteht dadurch eine sehr gute Möglichkeit, wesentliche Teile der Verluste aus den Jahren 2020 und 2021 zu kompensieren. Hoteliers und Gastronomen haben umfangreiche Erfahrungen im letzten Jahr gesammelt, die Hygienekonzepte funktionieren, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wissen sehr genau, wie sie Gäste und sich selbst schützen können.

Ich selbst empfinde eine wahnsinnig große Vorfreude darauf, unser Restaurant und unser Gasthaus wieder öffnen zu dürfen, endlich wieder mit ganzem Herzblut Gastgeber zu sein. Aber: Anders als in den vergangenen Wochen und Monaten brauchen wir einen Plan – verlässliche und durchdachte Regelungen, die im besten Fall bundesweite Geltung besitzen. Wir alle sind aufgefordert, unseren Bundes- und Landtagsabgeordneten sowie den Ansprechpartnern in den Ministerien dafür geeignete Vorschläge zu machen und deren Umsetzung einzufordern.

JRE Genussakademie wird digital

Dafür werde auch ich mich als Präsident der Jeunes Restaurateurs (JRE) in Deutschland mit ganzer Kraft einsetzen. Der Dehoga als Spitzenverband hat die Branche in den letzten zwölf Monaten bestmöglich und sehr effektiv vertreten. Weitere Initiativen und Verbände wie die JRE haben die Forderungen mit eigenen Aktivitäten unterstützt und der Gastronomie dadurch Gehör verschafft.

An der öffentlichen Wahrnehmung müssen wir auch weiterhin genauso intensiv arbeiten wie an der Zukunft unserer Branche. Dazu brauchen wir neue Ideen und Konzepte. Nicht nur, aber auch in der Ausbildung müssen wir neue Wege einschlagen. Unsere Auszubildenden haben besonders unter dem Virus gelitten, auch wenn viele Ausbilderinnen und Ausbilder versucht haben, die Schul-Ausfälle durch eigene Angebote auszugleichen.

Unsere Vereinigung hat die Pandemie deshalb zum Anlass genommen, um das Ausbildungsangebot unserer JRE Genussakademie, die wir gemeinsam mit dem Dehoga in Bad Überkingen realisieren, zu digitalisieren. Wir wollen die digitalen Inhalte zukünftig aber nicht nur unseren Azubis zugänglich machen, sondern auch externen Interessenten anbieten.

Loyals-Programm auf europäischer Ebene

Mit unseren Gästen haben wir uns in der Ruhephase noch intensiver beschäftigt als sonst. Ein Ergebnis: Die Jeunes Restaurateurs planen ein Loyals-Programm, das in ganz Europa ausgerollt werden soll. Unser 30-jähriges Jubiläum in Deutschland nehmen wir nicht nur zum Anlass, um auf die Bedeutung der (Spitzen)-Gastronomie in Deutschland hinzuweisen, sondern auch, um das Loyals-Programm zu starten.

Nicht nur unsere Vereinigung, viele andere Initiativen und Betriebe bereiten sich mit ähnlich guten Konzepten und Angeboten auf den Neustart vor. Wie alle anderen Menschen in diesem Land weiß auch ich nicht, wie lange es bis dahin noch dauern wird. Ich weiß auch nicht, wann wir wieder von einem normalen Leben sprechen können. Was ich aber sehr genau weiß: Hoteliers und Gastronomen in Deutschland werden mit ihrer ganzen Leidenschaft, ihrer Professionalität und ihrem Herzblut dafür sorgen, dass wir gestärkt aus der Krise hervorkommen werden.

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