Coronakrise: Gastro-Prominenz will „achtsamen...
Coronakrise

Gastro-Prominenz will „achtsamen Neustart“ für Restaurants, Bars und Cafés

Ricarda Spiegel
Marco Müller, 3-Sterne-Koch aus dem Rutz in Berlin, ist einer der vielen Unterzeichner der Petition #restartGastro
Marco Müller, 3-Sterne-Koch aus dem Rutz in Berlin, ist einer der vielen Unterzeichner der Petition #restartGastro

Eine breite Allianz aus Spitzenköchen, Top-Gastronomen und Zulieferern verlangt von der Kanzlerin das Ende des Gastro-Lockdowns. Die Branche habe umfassende Schutzkonzepte vorgelegt.

Coronakrise: Gastro-Prominenz will „achtsamen Neustart“ für Restaurants, Bars und Cafés



Prominente Küchenchefs und Restaurantbetreiber, Lebensmittelproduzenten, Hersteller und Berater für die Gastronomie, Großhändler und Fachmedien wenden sich mit einem eindringlichen Appell an die Bundeskanzlerin.



Sie kritisieren, dass bei den bisherigen Überlegungen zum Neustart des Wirtschaftslebens die Gastronomie keine Berücksichtigung gefunden hat. Die Unterzeichner des offenen Briefes sehen zahlreiche der mehr als 220.000 Betriebe des Gastgewerbes in Deutschland mit rund 2,4 Mio. Beschäftigten einem existenziellen Risiko ausgesetzt. Sie fordern deshalb von der Bundesregierung, "einen Neustart einer verantwortungsbewussten Gastronomie" zu ermöglichen und den Gastronomen damit eine gesicherte Perspektive zu geben.

Vielfalt und Qualität der Gastronomie nachhaltig schützen

Außerdem setzen sich die Unterzeichner dafür ein, konkrete Fördermaßnahmen für die Gastronomie auf den Weg zu bringen, "um die Vielfalt und Qualität der Gastronomie nachhaltig zu schützen". Für diese Forderungen sprechen nach Ansicht der Unterzeichner nicht nur wirtschaftliche Gründe.



In dem Brief heißt es: "Die Gastronomie ist ein enorm wichtiger Teil unserer Gesellschaft und Kultur. Sie bereichert durch ihre Vielfalt, Kreativität, Leidenschaft und Qualität das tägliche Leben aller Bürger und Bürgerinnen in Deutschland. Wir dürfen diesen wichtigen Teil unserer Lebensqualität nicht aufs Spiel setzen, zumal die Sehnsucht in der Bevölkerung stetig steigt: In zahlreichen Umfragen hinsichtlich der Dinge, die am meisten vermisst werden, rangiert der Restaurantbesuch auf den vordersten Plätzen."

Gerade die kleineren und mittleren Gastronomiebetriebe sind "verletzlicher als jeder Konzern". Weiter heißt es: "Jede Woche der Schließung führt zu beträchtlichen Verdienstausfällen, wachsenden Liquiditätsengpässen und massiven Zukunftssorgen für die Unternehmerinnen und Unternehmer sowie ihrer Familien." Das Fortdauern des Lockdowns werde "zu einer nie dagewesenen Pleitewelle in dieser Branche führen", so die Befürchtung der Unterzeichner.



Sie unterstützen das Bemühen der Bundes-und Landesregierungen, die Pandemie in Deutschland durch Maßnahmen der Kontaktreduzierung einzudämmen. Der "zerbrechliche Zwischenerfolg", von dem die Bundeskanzlerin gesprochen habe, darf auch nach Meinung der Briefschreibr  "nicht gefährdet werden". Allerdings habe die Branche bereits verschiedene Schutzkonzepte vorgelegt, die weit über 1,5 Meter Abstandsregelungen zwischen Tischen und Begrenzung von zwei Personen bzw. Familien pro Tisch hinausgingen: „Sie umfassen maßgeblich erweiterte Hygieneanforderungen für Räumlichkeiten, Gästekontakt, Geschirr und Utensilien und Küchenmitarbeiter sowie klare Regeln für den Publikumsverkehr für Service und Gäste.“

Daraus ziehen sie die Schlussfolgerung: "Unter Anwendung dieser Konzepte kann eine sichere Wiedereröffnung der Gastronomie auf verantwortungsvolle Art und Weise ermöglicht werden." Die Unterzeichner des Schreibens anerkennen zwar die bisher verabschiedeten Maßnahmen zur wirtschaftlichen Überbrückung der Corona-Krise, allerdings würden diese "für viele Gastronomen nicht ausreichen".



Stattdessen unterbreiten sie weitere konkrete Vorschläge zur finanziellen Unterstützung der Gastronomen: "Ein wirkungsvolles Instrument der Stabilisierung stellt eine Erweiterung der Soforthilfen durch einen Gastronomie-Rettungsfonds mit direkten Finanzhilfen dar. Desweiteren bietet eine zumindest zeitlich begrenzte Herabsetzung des Mehrwertsteuer-Satzes auf 7 Prozent ab dem ersten Tag der Wiedereröffnung Möglichkeiten für eine Erholung der Branche sowie auch zur Sicherstellung der Rückzahlungen der KfW-Kredite."

 "Neue Normalität" für die Gastronomie

Abschließend formulieren die Unterzeichner einen Wunsch und ein Versprechen an die Bundeskanzlerin: "Wir wünschen uns, dass dieser Appell zu einem ehrlichen und offenen Dialog zu einer 'neuen Normalität' für die Gastronomie führt und damit die Vielfalt und Qualität unseres täglichen Lebens sukzessive wieder aufblühen lässt. Dies ist uns Herzensangelegenheit, für die wir uns alle mit voller Kraft einsetzen wollen. Auf unsere Unterstützung bei der Revitalisierung der Gastronomie in Deutschland können Sie, Frau Bundeskanzlerin, vollumfänglich zählen."



Gastronomen, aber auch alle Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen, diesen Appell durch ihre Unterschrift unterstützen. Dazu hat das Bündnis die Petition "Perspektive für einen achtsamen Neustart der Gastronomie" ins Leben gerufen. Hier kann unterschrieben werden.  Unterstützer der Initiative können den #restartGastro in ihren sozialen Medien nutzen. red/hz

Die Unterzeichner aus der Gastronomie

Marco Mueller, Rutz, Berlin

Frank Rosin, Restaurant Rosin, Dorsten

Björn Freitag, Goldener Anker, Dorsten

Carmelo Campisi, La Scala, Gelsenkirchen

Tim Raue, Restaurant Tim Raue, Berlin

Tim Mälzer

Rainer-Maria Halbedel, Halbedel’s Gasthaus, Bonn-Bad Godesberg

Daniel Schimkowitsch, Ketschauer Hof, Deidesheim

Benjamin Maerz, Restaurant Maerz, Bietigheim-Bissingen

The DucNgo, u.a. Madam Ngo, Berlin

Heinz Winkler, Residenz Heinz Winkler, Aschau/ Chiemgau

Anton Gschwendtner, Olivio, Stuttgart

Joachim Wissler, Vendome, Bergisch-Gladbach

Bobby Braeuer, EssZimmer, München

Bernd Arold, Gesellschaftsraum, München

Kevin Fehling, The Table, Hamburg

Thilo Bischoff, Haus am See, Seeshaupt

Nils Henkel, Burg Schwarzenstein, Geisenheim

Holger Bodendorf, Landhaus Stricker, Tinnum auf Sylt

Christoph Strenger, east hotel, Hamburg

Mike Suesser, Fernsehkoch & Autor

Thomas Imbusch, Restaurant100/200, Hamburg

Stefan Marquard, Koch & Fernsehkoch

Harald Rüssel, Ruessels Landhaus, Naurath/ Wald

Roland Trettl, Koch

Christoph Brand, Kochen unplugged, Kassel

Jockl Kaiser, Meyers Keller, Nördlingen

Georg W. Broich, CEO Broich Hospitality Group, Düsseldorf

Jan Broecker, Speisenwerft bei Tim Maelzer, Henstedt-Ulzburg

Thomas Buehner, Koch

Rene Dost, redo Unternehmensgruppe, Berlin

Karlheinz Hauser, Hotel Süllberg, Hamburg

Sebastian Lege, TV-Koch, Gastronomiekonzepte

Christian Danielek, Haus Stockhorst,Rhede

Anthony Sarpong, Anthony’s Kitchen, Meerbusch

Tobias Ramm Gastronom

Volker Sieger / Koch und Inhaber

Sebastian Romanow, Koch/ selbständig

Martin Schmidt, Koch / Pizzeria Teufelseestrasse, Berlin

Andreas Saul, Bandol sur mer

Fabrice Kieffer, Inhaber Les Deux und Weinhaus Neuner, München

Carmelo Greco

André Muench Restaurant Butt

Michael Kempf, Küchendirektor, Facil im The Mandala Hotel

Bernhard Reiser, Der Reiser Genussmanufaktur, Würzburg

Andreas Krolik, Chef de Cuisine, Gesellschaftshaus Palmengarten GmbH & Co KG

Markus Hoppe, geschäftsführender Gesellschafter & Braumeister // Founder, CEO & Master Brewer, Waakirchen

Jan Hartwig, München

Rolf Straubinger, Burg Staufeneck, Salach

Antje Ramm

Jeunes Restaurateurs Vorstand: Alexander Huber (Präsident) -Huberwirt, Pleiskirchen, Alexander Dressel (Vizepräsident) -Hotel Bayrisches Haus, Potsdam, Sebastian Hadrys (Schatzmeister) -Landhaus Hadrys, Magdeburg

Christoph Rüffer, Restaurant Haerlin, Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten, Hamburg

Laura & Elmar Simon, Restaurant Balthasar, Paderborn

Andreas Reichert, GF Allresto Flughafen Gastronomie München

Franzi und Andi Schweiger, München

Sperling, Zur letzten Instanz, Berlin

Marco Akuzun –Küchenchef, Restaurant top air, Stuttgart

Benjamin Peifer, Restaurant Intense, Kallstadt

Volkmar Pfaff, Managing Director Accorhotels Deutschland GmbH

Maximilian Manzenrieder, R & C Park-Hotel Egerner Höfe in Rottach-Egern

stats