Strategie: Gebühr gegen No-Shows in der Bar
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Lebendige Barszene: Mit den Corona-bedingten Vorgaben könnte das Anstoßen etwas weniger spontan werden
Lebendige Barszene: Mit den Corona-bedingten Vorgaben könnte das Anstoßen etwas weniger spontan werden

Barlegende Joerg Meyer hat in seiner Hamburger Le Lions Bar eine Online-Reservierung mit verpflichtender Anzahlung eingeführt. Die Gäste ziehen offenbar mit.

HAMBURG. Größere Abstände zwischen den Tischen senken zwar das Infektionsrisiko, führen aber auch zu weniger Sitzplätzen insgesamt und damit weniger Umsatz. Umso wichtiger ist es, in Corona-Zeiten die verbleibenden Sitzplätze richtig auszulasten – und kurzfristige Absagen zu vermeiden. Ein Grund, endlich auch eine verpflichtende No-Show-Gebühr in der Gastro einzuführen? Bartender Joerg Meyer hat es in der Hamburger Le Lion – Bar de Paris gemacht. 

"Die Gäste zahlen bei der Reservierung vorab 25 Euro pro Person", berichtet Meyer in seinem Blog. Sollten sie kurzfristig absagen, verbleibt diese Summe als No-Show-Gebühr bei der Le Lions Bar. Das sorgt für ein Stück weit mehr Planungssicherheit, was den Umsatz angeht. Zudem wird neuerdings ein Mindestverzehr fällig: Die 25 Euro pro Person und Besuch werden auf jeden Fall angerechnet, auch wenn der Gast weniger konsumiert.

Die Reservierung im Le Lion wird über das System des externen Anbieters Resmio abgewickelt und ist nur zu bestimmten Zeitfenstern als jeweils zweistündigen Slot buchbar. Die Startzeiten der Slots sind 17.00 /18.00 Uhr, um 20.00 Uhr oder nach 22.30 Uhr.

Mit jedem Platz ums Überleben kämpfen

Das klingt für eine Bar, die vom Konzept her eigentlich auch von Walk-ins und Spontanität lebt, zunächst einmal recht kompliziert. Aber: "Wer nur 35 Prozent der Plätze anbieten kann, kämpft mit jedem Platz ums Überleben", erläutert Meyer, der vor Corona bei kurzfristigen No-Shows auch gerne mal eine Auge zugedrückt hatte: "Im Dezember hatten wir z. B. an einigen Abenden bis zu 30 Prozent No-Shows bei Reservierungen, was wir problemlos über Walk-ins auffüllen konnten." In der heutigen Zeit sei dies aber nicht denkbar.

Klar ist für Bartender Meyer unterdessen, dass er im Le Lion – Bar de Paris das Online-Reservieren mit Anzahlung auch in Zukunft beibehalten wird. Dieser Schritt hätte vor Corona sicherlich viel Kritik ausgelöst. Nun sei das Verständnis bei den Gästen für diese Maßnahme aber extrem hoch, wofür sich der Barchef "gar nicht genug" bedanken kann. "Und natürlich halten wir uns kleine Reserven und versuchen, so flexibel wie möglich zu reagieren", sagt er mit Blick auch spontane Besucher. Meyer steht übrigens auch hinter dem Konzept der Boilerman Bar bei 25hours. Im Hotel Altes Hafenamt nehmen man aber nach wie wie vor keine Reservierungen an - und verlange damit auch keine No-Show-Gebühr, wie eine Sprecherin der Hotelkette auf Anfrage der ahgz mitteilt. 

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