Gastbeitrag: "Im Club geht’s besser"
Gastbeitrag

"Im Club geht’s besser"

Unternehmen
Marc Uebelherr: Geschäftsführer der Gastro & System GmbH in München und Gründer von OhJulia
Marc Uebelherr: Geschäftsführer der Gastro & System GmbH in München und Gründer von OhJulia

Gastronom Marc Uebelherr über seine Anfänge in der Gastronomie und sein Engagement im Leaders Club Deutschland.

Mein Beginn in der Gastronomie? Ein klassischer Kaltstart. Ich war Mitte der 90er-Jahre von Augsburg nach München gekommen, um eine Ausbildung zum Schauwerbegestalter zu machen. Dass man von dem mageren Lehrgeld in einer Stadt wie München keine großen Sprünge machen konnte, wurde mir schnell klar. Und so startete ich, mehr durch Zufall, meine Karriere im Gastgewerbe. Michael Käfer und Martin Kolonko gaben mir meinen ersten Aushilfsjob in ihrer Bar Master’s Home. Wäre ich nicht gleich zu Beginn an zwei so erfolgreiche Gastronomie-Profis geraten, meine Karriere wäre wahrscheinlich schnell beendet gewesen. So war für mich aber schnell klar: Das ist mein Metier.

Begeisterung, die bis heute anhält

Meine Lehre bei Lodenfrey gab ich auf und durchlief in diversen Locations alle Stationen der Gastronomie. Learning by Doing und Lernen von den Besten, das war mein Motto. Geholfen hat mir bei den teilweise auch sehr harten Erfahrungen, dass mich die Branche von Anfang an begeistert hat – eine Passion, die bis heute anhält. Jobs in der Gastronomie, egal auf welchem Level, sind nichts für Menschen mit einer Nine-to-five-Mentalität.

Mit meinem ersten Partner Simi Berst, der zum Glück die perfekte Ausbildung an einer Hotelfachschule mitbrachte, eröffnete ich dann meinen ersten eigenen Laden, das Zoozie’s. Rund um die Uhr haben wir geschuftet, viel gelernt, viel Lehrgeld gezahlt, aber den Laden dann erfolgreich zum Szene-Treffpunkt ausgebaut. Und dann standen wir vor der Frage: Wollen wir Wirte oder Unternehmer sein? Die Antwort war für mich klar und so machte ich weiter. Dazu gehörten über die Jahre einige Pleiten, ebenso wie sehr erfolgreiche Projekte, die uns durchhalten und weitermachen ließen. Wie schon erwähnt: Ich hatte das Glück, in meinem Leben auf viele Menschen zu stoßen, von denen ich lernen konnte und die mir auch immer wieder ihre Unterstützung und Hilfe angeboten haben. Gerade auch aus den Reihen des Leaders Club.

Netzwerken, Fördern, Austauschen, Unterstützen, das sind die vier Säulen, die die Vereinigung zu einer der wichtigsten Organisationen in der Gastronomie machen. 2002 wurde ich erstmals auf den Leaders Club aufmerksam. Thomas Hirschberger lud mich damals zu einem der ersten Clubtreffen in den Europa-Park Rust ein. Dort traf ich unter anderem Jean Ploner, bis vor kurzem Präsident des Internationalen Leaders Club – und wie meine Frau gebürtiger Franzose. Und so entwickelte sich etwas, das bis heute Bestand hat: Eine fast schon familiäre Beziehung zu Kollegen und Partnern, die über die Jahre auch für meinen beruflichen Erfolg wichtig waren und immer noch sind.

Dazu muss ich nochmal zurück zu meinen Anfängen in der Gastronomie: Auf vieles, was einen gerade als jungen, selbständigen Gastronomen erwartet, ist man nicht vorbereitet. 2001 waren einige führende Gastronomen und wichtige Entscheidungsträger der Industrie allerdings so weitsichtig gewesen, zu erkennen, dass man nur in einer starken Gemeinschaft langfristig erfolgreich sein kann. Der Startpunkt für den Leaders Club. Netzwerken, Kompetenzen weitergeben, Start-ups und junge Gastronomen fördern, sich untereinander Hilfe anbieten, darum geht es. Je mehr man sich im Leaders Club engagiert, desto mehr wird man mit Kontakten, Know-how, Inspiration und wertvollen Erfahrungen belohnt. Alle Mitglieder tun das übrigens ehrenamtlich und opfern viel Zeit und Energie für diesen Zweck.

Stammtisch, Preis, Sessions

Die ersten jährlichen Leaders-Club-Versammlungen fanden im Rahmen der Internorga statt, die für uns bis heute ein wichtiger Treffpunkt ist. Seit einigen Jahren darf ich die Arbeit jetzt als Mitglied des Aufsichtsrats begleiten und meine Erfahrungen an den Nachwuchs weitergeben. In München organisieren wir zum Beispiel vier Mal jährlich einen Gastro-Stammtisch. Mit dem Deutschen Gastro-Gründerpreis und den Gastro Start-up Sessions beschäftigen wir uns fortlaufend mit aktuellen Trends und sind immer wieder begeistert von der Innovationskraft unserer Branche. Die nationalen und internationalen Trendtouren sind einzigartige Gelegenheiten, neue Kontakte zu knüpfen und sich mit den Kollegen auszutauschen, abseits des täglichen Wettbewerbs. Denn eigentlich haben wir alle mehr oder weniger dieselben Probleme und Herausforderungen. Besonders hat es mich gefreut, dass wir uns zur Verleihung des diesjährigen Leaders Club Awards kürzlich wieder in Rust treffen konnten. Ein Klassentreffen mit langjährigen Freunden und Wegbegleitern und eine tolle Gelegenheit, zu sehen, welche neuen Unternehmen und Konzepte derzeit in der Gastronomie entstehen.

Kurzum: Der Leaders Club ist für mich ein gelungenes Beispiel dafür, wie facettenreich, vielschichtig und lebendig unsere Branche ist. Gerade auch den Nachwuchs rufe ich auf, sich in dieser Gemeinschaft zu engagieren. Es lohnt sich!

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