Fußball-WM: Jetzt muss ein Sieg her!
Fußball-WM

Jetzt muss ein Sieg her!

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Jubelnde Fans: Darauf hoffen die WM-Wirte
Jubelnde Fans: Darauf hoffen die WM-Wirte

Deutschlands Gastronomen haben zum WM-Auftakt einen guten Job gemacht – die Kicker nicht. Jetzt hoffen alle auf das Schweden-Spiel heute Abend.

Fußball-WM: Jetzt muss ein Sieg her!



Für das gemeinsame WM-Schauen in ihren Betrieben haben sich Deutschlands Gastronomen und Hoteliers einiges einfallen lassen: In Biergärten, auf innerstädtischen Plätzen und Terrassen haben Großgastronomen für Hunderte von Gästen Riesenleinwände und LED-Walls aufgebaut, Kneipen und Bars haben Fernseher aufgestellt und ihre Gasträume geschmückt. Und so manches Restaurant bietet zum Fußballschauen Spezialitäten aus den Teilnehmerländern an. Auch viele Hotels machen auch mit und zeigen in ihren Lobbys die WM-Spiele.

Alles war also angerichtet für einen freudigen WM-Auftakt mit der deutschen Nationalmannschaft am vergangenen Sonntagnachmittag – auch das Wetter spielte mit.

Gut gefüllt war der große Platz vor dem italienischen Restaurant La Piazza in Stuttgart. Die Wirte Giovanni Basile, Vittorio Bellusci und Giovanni Troiano sind bewährte Public-Viewing-Veranstalter. Mehrere Hundert Gäste, darunter viele Familien mit Kindern, hatten sich eingefunden, um bei Pizza, Panini, Orangina, Bier, italienischem Wein und Aperol Sprizz das Spiel gegen Mexiko gemeinsam anzuschauen. Das Restaurant hatte für die Zeit des Spiels auf Selbstbedienung und ein reduziertes Angebot umgestellt, um den Andrang zu bewältigen.

Wegen der Niederlage der deutschen Elf war die Stimmung zwar nicht überschäumend, aber die gute Laune an diesem Sommerabend ließen sich die meisten nicht verderben. Auch die Wirte nicht, die jetzt auf das Spiel gegen Schweden am 23. Juli und das Weiterkommen der deutschen Mannschaft setzen.

Gast gewinnt beim Tippspiel

Auch in der Jamboree Bar vom Grand Hyatt Berlin am Potsdamer Platz war die Stimmung trotz des Fehlstarts gut. „Das mag vielleicht auch an unserem kulinarischen Angebot mit Havelländer Apfelschwein und Spare Ribs gelegen haben“, sagt Jan Peter van der Ree, General Manager im Grand Hyatt Berlin. Beim Tippspiel, das eigens zum WM-Spiel veranstaltet wurde, gab es immerhin einen glücklichen Gewinner.

„Aufgrund des korrekt geschätzten Ergebnisses wurde am Ende des Abends die Rechnung des Gasts übernommen.“ So habe man zumindest einen deutschen Fan glücklich machen können. Bis zum Finale am 15. Juli werden im Jamboree alle Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft live auf der Terrasse präsentiert.

Internationales Publikum beim Public Viewing verzeichnete Paolo Masaracchia, General Manager im Mercure Hotel Moa Berlin. „Wir haben in unserer Hotelbar einen Beamer installiert, über den wir die Spiele zeigen.“ Dazu servierte das Küchenteam Snack Menüs wie ofenfrische Paninis oder Chicken Wings die Club Sandwiches mit Hähnchenbrust. Der WM-Kübel mit fünf Flaschen Bier auf Eis sorgt für willkommene Erfrischung bei den Fans. Mit dem ganz großen Andrang und dem richtigen WM-Feeling rechnet Masaracchia dann nach der Vorrunde: „Wenn Deutschland weiterkommt, verlegen wir das Public Viewing ins Atrium.“ Als passende Dekoration wurden im Moa Länderfahnen aufgehangen, die auf die Spiele hinweisen.

Eigens fürs Deutschland-Spiel öffnete Peter Schulz um 16 Uhr seine Gaststätte Ebel und verzichtete damit am Sonntag auf den sonst üblichen Ruhetag. Zwei Mitarbeiterinnen versorgten die Gäste im großen Saal und auf der Außenterrasse. Peter Schulz, der auch DEHOGA-Bezirksbeauftragter für Treptow-Köpenick ist, stellte gleich zwei große Flatscreens auf. Hoch im Kurs stand die Berliner Currywurst, die mit eigenen Saucenkreationen serviert wurde. „Und Tequila war stärker gefragt als sonst üblich“, so Peter Schulz. Den hätten sich viele Gäste aus Frust über das Spiel gegeben. Für passendes Ambiente sorgte die schwarz-rot-goldene Dekoration, die eine Brauerei zur Verfügung stellte. Auch für die kommenden Begegnungen der deutschen Mannschaft gehört das Public Viewing zum festen Programmpunkt in der Gaststätte Ebel.

Freude beim mexikanischen Koch

Gleich auf zwei Flatscreens im großen Saal und im Biergarten konnten die Gäste im spanischen Restaurant Geco im Ortsteil Altglienicke das Deutschlandspiel verfolgen. Allerdings verläuft der Sonntag allgemein und ganz unabhängig von der WM immer etwas ruhiger: „Am Samstagabend war unser Biergarten, der 100 Gästen Platz bietet, voll besetzt“, so die beiden Geco-Eigentümer Sabine Seekamp-Herrmann und Ramon Herrmann. Stark gefragt waren die Spezialitäten vom Holzkohlegrill – darunter Sardelle, Dorade und Wolfsbarsch. Aber auch die vegetarischen Tapas kamen beim Publikum gut an. Dazu wurden geordert wurden Tinto de Verano und Sangria. Ramon Herrmann registrierte beim Auftaktspiel der deutschen Mannschaft übrigens nicht nur Enttäuschung: „Paco, unser mexikanischer Koch, hat sich zumindest über das Ergebnis gefreut.“

Im Steigenberger Frankfurter Hof in Frankfurt war die noble Ehrenhofterrasse des Hotels war beim Deutschland-Spiel bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Erwartungen waren hoch. Und doch war die Stimmung nach dem Sieg der Mexikaner nicht allzu gedrückt. Hotelchef Spiridon Sarantopoulos weiß warum: „Unser Publikum ist international. Zum einen wegen der Hotelgäste aus aller Welt, zum anderen wegen der Menschen aus 170 Nationen, die in Frankfurt leben. Es ist faszinierend, im Mikrokosmos unseres Grandhotels die menschenverbindende Wirkung des Fußballs mitzuerleben. Wir alle freuen uns sehr auf die weiteren Gruppenspiele, die K.-o-Runde und das Finale.“

Optimistisch blickt auch Ralf Ziener vom Restaurant Landsknecht und dem Burgkeller aus Meerbusch in die WM-Zukunft. Am vergangenen Sonntag waren zwar nicht alle 60 Plätze auf der Terrasse besetzt, aber das werde sich noch ändern, ist sich Ziener sicher. Er hatte seine Tische wie immer weiß eingedeckt und servierte landestypische Spezialiäten. Etwa das Gedeck „Deutschland“ bestehend aus Heringsstip, Schnitzelchen, Currywurst und Wildkräutersalat, ebenfalls im Angebot: „Südamerika“ mit Grillfleisch, Chili con Carne, Guacamole und Nachos sowie das russische Dessert Erdbeeren Romanoff. Die Variante "Asia" (Frühlingsrollen, gebratene Nudeln, krosse Ente, Beef Curry) bestellt beim Spiel Deutschland gegen Mexiko keiner, da muss wohl erst Südkorea kommen. Zur WM werden diese drei länderspezifischen Kombinationen (14,50 Euro pro Person) serviert. Auch ein 5-Liter-Fass Füchschen-Bier zum selber Zapfen kommt auf den Tisch (49,50 Euro).

Köttbullar-Boykott am Rhein

Nicht weit enfernt von Meerbusch, im Düsseldorfer Kulturzentrum Zakk haben sich zum Deutschlandspiel hunderte eher jüngere Fußballfans versammelt. „Es war schon zum Auftakt voll“, sagt die gastronomische Leiterin Sonja Mogendorf.Zum Bier wurden gegen Mexiko Nachos angeboten, bei Südkorea werden es Fischchips sein. Und beim entscheidenden Spiel gegen Schweden? „Nein, keine Köttbullar“, sagt Mogendorf und lacht. „Da liegt der Fokus nur auf dem Bier.“

Genau so lang wie ein Fußballfeld ist die Fernseh-Fanmeile am Rheinufer entlang der Düsseldorfer Altstadt. Riesige LED-Wände garantieren von überall gut Sicht auf die Kicker. In den mit reichlich Fußball-Deko geschmückten Bars und Restaurants der Kasematten finden 5000 Zuschauer Platz. Bei Regen bleibt man trocken, jeder Fan soll im übedachten Bereich Unterschlupf finden.

Tief im Süden des Landes, im Europa-Park in Rust, verfolgten 1200 Gäste auf der Piazza des Hotels Colosseo das Auftaktspiel der Mannschaft. Euphorisch ging es dort aufgrund des Spielverlaufs und des Ergebnisses naturgemäß nicht zu, aber Bratwurst, Bier und kühle Getränke waren dennoch gefragt. Fest steht: Alle 64 Spiele der WM werden dort gezeigt. Davon am besten weitere sechs mit der deutschen Mannschaft. hz/bbr/gol

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