Insolvenz: Kahla muss saniert werden
Insolvenz

Kahla muss saniert werden

Kahla
Traditionsunternehmen: Das Porzellanwerk in Kahla mit seiner Fotovoltaikanlage
Traditionsunternehmen: Das Porzellanwerk in Kahla mit seiner Fotovoltaikanlage

Nach einem gescheiterten Großprojekt gerät der Porzellanhersteller in finanzielle Schwierigkeiten. Gute Auftragslage soll die Sanierung in Eigenverwaltung und den Erhalt der Arbeitsplätze sichern.

KAHLA. Der Porzellanhersteller Kahla ist insolvent. Das Sanierungsunternehmen Wallner Weiß beantragte für das Thüringer Traditionsunternehmen beim Amtsgericht Gera die Eröffnung des Insolvenzverfahrens zur Sanierung in Eigenverwaltung.

Der Grund für die Insolvenz sei ein finanzieller Engpass durch ein gescheitertes OEM-Projekt, teilte das Unternehmen mit. 2017 und 2018 investierte Kahla demnach einen Millionenbetrag in die Fertigung eines Fremdmarkenauftrags, der nach anfänglichen technischen Problemen mit neuen Maschinen vom Großkunden aufgekündigt wurde und Kahla mit hohen Verlusten zurückließ. Das Amtsgericht Gera folgte dem gestellten Antrag und bestellte Rechtsanwalt Kai Dellit von der Kanzlei hww hermann wienberg wilhelm zum vorläufigen Sachwalter.

Plus bei Aufträgen

Laut Kahla sichert eine gute Auftragslage künftig Produktion und Arbeitsplätze. „Wir konnten im Jahr 2019 die für das Großprojekt freigehaltenen Produktionskapazitäten nicht vollständig füllen und damit nicht genügend Reserven aufbauen, um die Verluste zu kompensieren“, sagt Holger Raithel, Geschäftsführender Gesellschafter der Kahla/Thüringen Porzellan GmbH. „Es ist uns aber gelungen, eine sehr gute Auftragslage für das Jahr 2020 zu generieren. Wir können jetzt ein Plus im Auftragsbestand von 60 Prozent und eine Steigerung des Auftragseingangs von 25 Prozent über Vorjahr verbuchen. Im Rahmen des Sanierungsplans wird die termingerechte Produktion für bestehende und neue Aufträge abgesichert und Kahla auch im internationalen Geschäft als verlässlicher Partner wirken“, betont Raithel. Die 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Produktion und Verwaltung sollen gehalten werden. „Die Kompetenz, der Teamgeist und die Loyalität der Angestellten sind die Basis für die Zukunftsfähigkeit von Kahla und den langanhaltenden Erfolg unserer Made-in-Germany-Strategie.“

Seit 176 Jahren wird im thüringischen Kahla Porzellan produziert. Vor der Wiedervereinigung war Kahla die Zentrale des VEB Feinkeramik, einem Kombinat, das einen weltweiten Markt mit Geschirr belieferte. Im Jahr 1994 rettete Günther Raithel das Porzellanwerk in Kahla aus einer Insolvenz. In 26 Jahren investierte die Kahla/Thüringen Porzellan GmbH über 35 Mio. Euro in das Traditionsunternehmen. Seit 2005 führt sein Sohn Holger Raithel das Familienunternehmen.

Innovative Porzellanprodukte

Mit Patenten und Innovationen wie Touch – Porzellan mit spülmaschinenfester Samtbeschichtung –, Magic Grip – rutschfestes Geschirr mit Silikon-Applikation – sowie smarten Tassen mit RFID- und NFC-Transpondern bietet Kahla Alleinstellungsmerkmale in seinen vier Geschäftsfeldern. In 60 Ländern werden Kunden mit Haushaltsgeschirr (Retail), Porzellan für Hotellerie und Gastronomie (Professional) und individualisierten Werbemitteln (Artvertising) beliefert. Außerdem bietet Kahla Auftragsfertigung (OEM) für andere Marken an.

Die Unternehmensgruppe WallnerWeiß, bestehend aus wwp WallnerWeiß Rechtsanwälte Partnerschaft mbB sowie den Gesellschaften für Unternehmenssanierung und Insolvenzverwaltung, ist mit 18 Standorten ein bundesweit auf Unternehmenssanierung spezialisierter und ausschließlich auf diesem Gebiet tätiger Kanzleiverbund. red/beh

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