Gastbeitrag: Meinungshoheit ist das Ziel!
Gastbeitrag

Meinungshoheit ist das Ziel!

Unternehmen
Jean Ploner: „Scheinbar mächtige Institutionen werden von Aktivisten regelrecht vorgeführt“
Jean Ploner: „Scheinbar mächtige Institutionen werden von Aktivisten regelrecht vorgeführt“

Von Jean Ploner, Berater und F&B-Consulter, Global F&B Heroes, Frankfurt.

Die öffentliche Meinung wird zurzeit stark von jungen Helden geprägt. Scheinbar mächtige Institutionen werden von Aktivisten regelrecht vorgeführt, die wesentlich pfiffiger und agiler sind. Die neuen jungen Helden haben eine Botschaft und wissen sie medienwirksam in Szene zu setzen. Youtuber Rezo gegen die CDU, Fridays-For-Future-Aktivistin Greta Thunberg für eine Politik zur Bewältigung der Klimakrise, Seawatch-Kapitänin Carola Rackete gegen Verbote zur Aufnahme von Immigranten und schließlich Foodwatch mit Topf Secret gegen den DEHOGA und seine Amtsträger.

Die Institutionen reagieren schwerfällig und mit dem tradierten Instrumentarium wie Klagen und Verurteilungen. Die jungen Aktivisten lassen sie im wahrsten Sinn des Wortes alt aussehen. Beseelt von einer Mission kennen sie keine Rücksicht auf Verluste – und auf Kompromisse haben sie null Bock. Sie fordern die Institutionen und zugleich auch uns heraus. Sie spalten die Gesellschaft, bringen zugleich aber Bewegung in starre Strukturen und beschleunigen zäh gewordene Prozesse. Der Status quo gerät ins Wanken, und das ist gut so.

Gerade unsere Branche ist in einer sehr exponierten Stellung. Lebensmittelskandale, Hygienemängel, schlechte Arbeitssituationen – die Liste lässt sich beliebig erweitern. Befeuert wird das negative Image von den Medien. Restauranttester finden sich in jämmerlichen Betrieben wieder. Die Inhaber werden als unfähig vorgeführt, immer muss zuerst gründlich geputzt, eine neue Karte entwickelt und dem Team Kochen und Service beigebracht werden. Doku-Soaps leben vom Unglück anderer. Das Problem ist aber: Die Zuschauer glauben das und tragen diese Erfahrung im Hinterkopf, wenn sie ein Lokal betreten.

Die Frage ist daher, was tun die Institutionen und jeder Einzelne von uns? Wie schaffen wir es, unser Image aktiv zu gestalten und uns die Meinungshoheit zurückzuholen? Mit modernen Instrumenten und einer zeitgemäßen Kommunikation, die sich an die Gesellschaft wendet! Mein Eindruck ist, dass wir diesen Punkt zu sehr anderen überlassen. Es wird reagiert, anstatt agiert. Es wird zu sehr nach innen auf die Branchenöffentlichkeit geschaut und mit ihr gearbeitet, anstatt mit der Gesellschaft, unseren Kunden und Gästen. Wenn die Aktivisten Experten für Internationales Campaigning in ihren Reihen haben, dann hat das einen guten Grund. Sendungsbewusstsein allein reicht nicht. Es geht darum, die Menschen zu erreichen und zu mobilisieren.

Warum schaffen das die Kleinen, aber nicht die Großen? Vielleicht weil die Kleinen größer, ambitionierter denken und den Mut besitzen, Grenzen zu sprengen. Sie folgen ihrer Mission ohne Wenn und Aber. Ich will dies nicht als Empfehlung verstanden wissen. Aber ich glaube, wir müssen lernen, mit dieser Art zu denken, zu handeln und zu kommunizieren, umzugehen. Oder sogar besser zu sein. Wir brauchen eine Professionalisierung unserer Meinungsbildung, getragen von Ehrlichkeit und Werten, denn Deckmäntel über Verflechtungen und unsaubere Geschäfte werden heute rasch enttarnt – mit fatalen Folgen für Vertrauen und Glaubwürdigkeit.

Dazu braucht es noch eine ordentliche Portion Selbstvertrauen und den Glauben daran, dass wir die beste Branche der Welt sind. Diese Botschaft müssen wir transportieren – und uns danach verhalten!

stats