Nachhaltigkeit: Vegane Köche eröffnen „Retter...
Nachhaltigkeit

Vegane Köche eröffnen „Rettermarkt“

Restaurant
Die Lebensmittelretter: (von links) Roman Kress, Nicolas Rodrigues und Björn Moschinski
Die Lebensmittelretter: (von links) Roman Kress, Nicolas Rodrigues und Björn Moschinski

In Mannheim wollen Björn Moschinski und Roman Kress mit einem Supermarkt gegen die Lebensmittelvernichtung aktiv werden. Gerettete Produkte werden zudem als Mittagsmenü verarbeitet.

Im Mannheimer Stadtteil Lindenhof hat einer der ersten Supermärkte eröffnet - mit Waren, die nicht mehr in den regulären Einzelhandel kommen, aber noch genießbar sind. Das Konzept der „Rettermärkte“ gibt es bislang nur in Berlin. Händler wie Sirplus oder Motatos hingegen vertreiben „gerettete“ Lebensmittel per Online-Handel.

Viel zu viel landet auf dem Müll

Den veganen Köchen Björn Moschinski und Roman Kress ist das Thema Lebensmittelverschwendung ein Herzensthema: „In Deutschland landen 50 Prozent der Lebensmittel im Müll. Der Gedanke, solch einen Markt zu eröffnen, den gab es schon lange. Dass wir das jetzt so schnell umgesetzt haben, ist eigentlich der momentanen Krise geschuldet“, sagt Moschinski.

Vor fünf Jahren ist Moschinski, der durch seine veganen Kochbücher und TV-Auftritte bekannt geworden ist, von Berlin nach Mannheim gezogen. Mit der Eröffnung des Romans in Mannheim wollten er und Kress eigentlich ein Franchise-Projekt mit veganen Restaurants starten. Doch die Eröffnung des Romans fiel im März 2020 in die Lockdown-Phase.

Ein weiteres Restaurant namens Glücksstein ging ebenfalls letztes Jahr an den Start, kann aber aufgrund der Pandemie seitdem nur als Take-away betrieben werden. „Es ist jetzt die richtige Zeit für unseren Supermarkt. Die Leute kochen mehr, das Bewusstsein für Bio-Lebensmittel ist gestiegen und wir haben Zeit dafür.“

Es bedarf neuer Strukturen

In dem 80 Quadratmeter großen Lebensmittelmarkt werden hauptsächlich vegane und Bio-Lebensmittel angeboten. Die Waren werden direkt bei den Herstellern angefragt - und das Obst und Gemüse jeden Tag im Großmarkt abgeholt: „Wir klappern die Händler ab und stehen in direktem Kontakt mit den Firmen unserer Wahl. In vielen Unternehmen müssen hierfür aber erst die Strukturen geschaffen werden. Oftmals ist Wegwerfen ja günstiger als Weitergeben.“

Allerdings gelte stets das „Tafel first Prinzip“, was bedeutet, dass Hilfsorganisationen, etwa die Tafeln, den Vorrang erhielten. Zusätzlich soll der Markt auch mithilfe von Wandgrafiken über die Problematik der Lebensmittelverschwendung informieren.

Im Lokal wöchentlich ein „Rettergericht“

Zurzeit müssten die Warenbestände und die Logistik noch aufgebaut werden, so Moschinski. Erst vor zwei Monaten habe man mit der Realisierung des Projektes begonnen. Die im Markt angebotenen Lebensmittel sind im Durchschnitt 30 Prozent günstiger als im Lebensmitteleinzelhandel.

Trotz einer geringen Gewinnmarge wollen Moschinski und Kress das Angebot an Waren sukzessive ausbauen. „Es ist ein tolles Abenteuer. Unsere Lernkurve geht dabei steil nach oben.“ Die geretteten Lebensmittel sollen auch einmal die Woche als „Rettergericht“ im eigenen Restaurant verarbeitet werden.

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