Verpackungsgesetz: So soll der Plastikmüll re...
Verpackungsgesetz

So soll der Plastikmüll reduziert werden

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Mehr Plastikflaschen im Recycling-Container: Am 1. Januar tritt eine verschärfte Einwegflaschen-Pfandpflicht in Kraft. Plastiktüten sind dann in Deutschland verboten
Mehr Plastikflaschen im Recycling-Container: Am 1. Januar tritt eine verschärfte Einwegflaschen-Pfandpflicht in Kraft. Plastiktüten sind dann in Deutschland verboten

Weniger Plastikmüll, höhere Recycling-Quoten: Am 1. Januar 2022 treten verschärfte Regeln zu Einwegpfand und Plastiktüten in Kraft.

Bis auf extrem leichte Materialien werden Plastiktüten in Deutschland ab dem kommenden Jahr verboten sein. Pfand muss ausnahmslos auf alle Einwegflaschen aus Kunststoff sowie auf Getränkedosen erhoben werden. So könnten Verpackungsabfälle dann verlässlicher und sortenrein gesammelt werden und die ab 2022 geltenden höheren Recycling-Quoten erreicht werden, wie es aus dem Bundesumweltministerium heißt.

Mehr Recycling ist gefragt

Bundesumweltministerin Steffi Lemke: "Deutschland geht 2022 den nächsten Schritt raus aus der Wegwerfgesellschaft. Lange haben wir über das Aus für Plastiktüten diskutiert, jetzt tritt das Verbot endlich in Kraft." Plastiktüten gehörten zu den Produkten, die mit am häufigsten in der Umwelt landen, Grünflächen, Strände und Gewässer belasteten. Die Ministerin betont: "Kunststoffe gehören in die Wertstofftonne oder in den Pfandautomaten."

Um Klarheit zu schaffen, werde die Einweg-Pfandpflicht nun ausgedehnt und Ausnahmen beendet. Je mehr sortenrein gesammelt und recycelt werde, umso weniger neuer Kunststoff werde produziert und ein funktionierendes Kreislaufsystem etabliert. "Ab dem Jahr 2025 muss dann außerdem fast jede Kunststoffflasche zu einem wachsenden Anteil aus recyceltem Kunststoff bestehen."

Verbot von Plastiktüten

Ab dem 1. Januar 2022 gilt in Deutschland ein umfassendes Verbot für Tragetaschen aus Kunststoff. Nur sehr leichte Plastiktüten, so genannte "Hemdchenbeutel" mit weniger als 15 Mikrometern Wandstärke, werden weiterhin erlaubt sein. Da es für die hygienische Verpackung leicht verderblicher Lebensmittel noch keine Alternative gebe, sollen sie hier weiterhin erlaubt sein. Diese Ausnahme soll vermeiden, dass infolge des Verbots mehr vorverpackt und so letztlich mehr Verpackungsmüll produziert werde statt weniger.

Verschärfte Pfandpflicht

Ab 2022 ist auf fast alle Einweggetränkeflaschen aus Kunststoff sowie auf sämtliche Getränkedosen ein Pfand zu erheben. Die Gesetzesnovelle beendet Ausnahmeregelungen für bestimmte Getränke wie Fruchtsaftschorlen ohne Kohlensäure. Für Milch oder Milcherzeugnisse in Kunststoffflaschen gilt eine Übergangsfrist bis 2024. Bereits in Verkehr befindliche Getränkeverpackungen dürfen noch bis längstens 1. Juli 2022 pfandfrei verkauft werden.

90 Prozent Recycling-Quote

Wertstoff-Vorgaben: Ab Januar müssen Industrie und Handel höhere Recycling-Quoten erreichen, nicht nur bei Kunststoffen
BMU
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Die von Industrie und Handel finanzierten dualen Systeme müssen ab 2022 dafür sorgen, dass je 90 Prozent der verwendeten Verpackungen aus Eisenmetallen, Aluminium, Glas sowie Papier, Pappe und Kartons ins Recycling gelangen. Für Getränkekartons gilt die neue Mindestquote von 80 Prozent, für Kunststoffe 63 Prozent.

Es müssen aus den jeweiligen Verpackungen wesentlich mehr Wertstoffe wiedergewonnen werden. Das Verbrennen beziehungsweise die energetische Verwertung der Abfälle zählt ausdrücklich nicht zum Recycling. Alle aktuellen Quotenvorgaben wurden im Jahr 2020 von den dualen Systemen im Durchschnitt eingehalten und sogar übertroffen, heißt es aus dem Bundesumweltministerium. So gingen 90,6 Prozent der bei den Systemen beteiligten Verpackungen aus Papier, Pappe und Karton ins Recycling (Vorgabe bisher: 85 Prozent). Kunststoffverpackungen wurden zu 60,6 Prozent werkstofflich verwertet (Vorgabe bisher: 58,5 Prozent), Getränkekartonverpackungen zu 76 Prozent (Vorgabe bisher 75 Prozent).

Weitere Änderungen geplant

Das Verpackungsgesetz von 2019 soll in der aktuellen Legislaturperiode gezielt weiterentwickelt werden. Die dualen Systeme sowie die Kommunen sollen sich besser abstimmen, Anreize für mehr Recyclingmöglichkeiten sollen geschaffen werden. Mehr gefördert werden soll die Verwendung ökologisch vorteilhafter Mehrweggetränkeverpackungen.

Der Verbrauch von Einweg-Verpackungen soll ab dem 1. Januar 2023 in der Gastronomie gesenkt werden. Dazu muss ab 1. Januar 2023 immer Mehrwegalternativen zur Verfügung stehen. Die Entscheidung für Ein- oder Mehrweg liege dann bei den Verbrauchern.

Autorin: Frauke Brodkorb-Kettenbach

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