Stornierungen: Frust über No-Shows
Stornierungen

Frust über No-Shows

IMAGO / blickwinkel
Absage: Wenn Gäste kurzfristig ankündigen, eine Reservierung doch nicht wahrnehmen zu wollen, dann ist das für Gastronomen besonders ärgerlich.
Absage: Wenn Gäste kurzfristig ankündigen, eine Reservierung doch nicht wahrnehmen zu wollen, dann ist das für Gastronomen besonders ärgerlich.

Kurzfristige Absagen von Gästen sind für jeden Restaurantbetreiber ärgerlich. Schließlich wird entsprechend Ware vorgehalten und Personal eingeplant. Was Gastgeber dagegen tun.

Viele Gastgeber kennen das Problem: Der Abend ist geplant, diverse Reservierungen stehen bereits fest und die Vorbereitungen sowie der Einkauf sind abgeschlossen. Plötzlich trudeln kurz vorher Absagen ins Haus. Schön ist das nicht, denn oft lassen sich die Plätze nicht mehr so schnell anderweitig besetzen und die Wirte stehen dann unter Umständen mit zu viel Ware und Personal da. Ein Verlustgeschäft droht.

Mehrere Absagen für einen Abend


Nach einer so langen Durststrecke wie nach der coronabedingten Zwangsschließung schmerzt ein solcher Abend umso mehr. So auch in der Auberge de Temple (Johannesberg) am vergangenen Wochenende. "Was ist da los? Natürlich gibt es Tage mit kurzfristigen Stornos hin und wieder. Trotz allem ist es wirklich ärgerlich. Der erste Kochkurs nach 19 Monaten. Eine Stunde vor Beginn kommt eine mehr als kurzfristige Absage. Heute Mittag dann eine Stornierung von sechs Personen für heute Abend, da eine Person krank ist. Kurze Zeit später wieder ein Storno für heute Abend. Und soeben das nächste Storno", schreibt sich Gastgeber Ludger Helbig den Frust von der Seele.

"Wir kaufen extra die Ware ein, organisieren und bereiten im Vorfeld alles für die reservierte Personenzahl zu. Sagen womöglich anderen Gästen ab, die nun schon ein neues Restaurant gebucht haben und eine Warteliste nicht immer Sinn macht. Liebe Gäste, wir können uns nach so langer Schließzeit aufgrund des Lockdowns wirklich keine leeren Tische erlauben. Und schon gar nicht an einem Samstagabend. Es fehlen ja ohnehin schon Tische, um den Abstand einhalten zu können, da wir ein strenges Hygienekonzept fahren. So kann kein Betrieb funktionieren!", so Helbig weiter.

Vorkasse als probates Gegenmittel

Ähnliches berichtet Sabine Stocker aus München: "Wir können sie gut verstehen. Auch bei uns in München wird ein Party-Service für 50 Personen bestellt und einen Tag vorher wird alles für 25 Personen umbestellt! Gott sei Dank ist das die Minderheit, obwohl diese an manchen Tagen geballt aufs Trapez tritt."

Das Credo einiger weiterer Kommentare unter dem Post von Ludger Helbig ist eindeutig: In Zukunft Vorkasse verlangen! Einige Gastronomen gehen diesen Schritt bereits: Spitzenkoch Christian Bau etwa verlangt seit  März vergangenen Jahres 200 Euro pro Gast per Kreditkarte bei Reservierung. 
"Leider zwingen uns die Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr zu diesem Schritt, denn die Rate an No-Shows und kurzfristigen Absagen hat über die letzten Monate weiter zugenommen. In unserem kleinen Restaurant entstehen mit jedem freien Tisch rund 10 Prozent Umsatzeinbußen", berichtete der 3-Sterne-Koch gegenüber der ahgz.

25 Euro Mindestverzehr pro Person

Auch Barlegende Joerg Meyer hat in seiner Bar Le Lion in Hamburg eine Online-Reservierung mit verpflichtender Anzahlung eingeführt. Gäste zahlen bei der Reservierung vorab 25 Euro pro Person. Wird kurzfristig abgesagt, dann verbleibt die Summe als No-Show-Gebühr im le Lion. Das sorgt für mehr Planungssicherheit, was den Umsatz angeht. Zudem wird ein Mindestverzehr fällig: Die 25 Euro pro Person und Besuch werden auf jeden Fall angerechnet, auch wenn der Gast weniger konsumiert.
„Wir arbeiten daran, die Funktionalität unserer Technologie dahingehend zu verbessern, dass Gäste verantwortungsbewusst buchen.“
Daniel Simon, Country Manager Open Table Deutschland

Die Problematik rund um No-Shows ist auch dem Online-Tischreservierungsportal Open Table bekannt. "No-Shows ist ein sehr wichtiges Thema und sicherlich derzeit - bedingt durch begrenzte Kapazitäten - wichtiger denn je. Daher stehen wir kontinuierlich in engem Austausch mit unseren Restaurantpartnern und arbeiten daran, die Funktionalität unserer Technologie dahingehend zu verbessern, dass Gäste verantwortungsbewusst buchen und ihre Reservierungen einhalten", so Daniel Simon, Country Manager Open Table Deutschland. Und so können Restaurants, bei Bedarf Kreditkartengarantien für Reservierungen annehmen, sei es für den gesamten Service oder nur für Abendreservierungen. Bestimmte Erlebnisse könnten zudem gegen Vorauskasse angeboten werden, so Simon weiter.

Darüber hinaus gelte die Regelung, dass Gäste, die innerhalb von 12 Monaten viermal ihre Reservierung nicht wahrnehmen, keine Reservierungen mehr über das Portal vornehmen können. Und es sei Gästen nicht möglich, mehrere Reservierungen für den gleichen Zeitraum vorzunehmen sowie zwei Stunden vor oder nach einer Reservierung, betont Simon gegenüber der ahgz. Konkrete Zahlen zum jährlichen Anteil an No-Shows bei den insgesamt in Deutschland getätigten Reservierungen wollte das Portal auf Nachfrage der ahgz nicht preisgeben.

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