Verpackungsmüll: Werden Mehrweg-Behälter Pfli...
Verpackungsmüll

Werden Mehrweg-Behälter Pflicht?

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Keine Zukunft für Wegwerfverpackungen: Die Verpflichtung zu Mehrwegsystemen kommt für die Gastronomie aber zur Unzeit.
Keine Zukunft für Wegwerfverpackungen: Die Verpflichtung zu Mehrwegsystemen kommt für die Gastronomie aber zur Unzeit.

Neuer Aufreger für Gastronomen: Eine Gesetzesänderung könnte ab 1. Januar 2022 das To-go- und Liefergeschäft erschweren. Anbieter von Pfandsystemen stehen bereit.

In Deutschland fällt zu viel Verpackungsmüll an, findet das Bundesministerium für Umwelt. Vor allem Einwegverpackungen aus Kunststoff stehen bekanntlich europaweit in der Kritik. Deshalb soll nun das am 1. Januar 2019 in Kraft getretene Verpackungsgesetz, das eine entsprechende EU-Richtlinie in deutsches Recht umsetzt, weiter verschärft werden.

Ein Gesetzentwurf des Ministeriums sieht vor, dass alle Betriebe, die Speisen und Getränke to go in Einwegverpackungen verkaufen, diese alternativ in Mehrwegbehältnissen anbieten müssen. Darauf muss der Gast deutlich sichtbar durch Schilder hingewiesen werden. Und: Für das Mehrwegangebot darf kein höherer Preis berechnet werden. Am 1. Januar 2022 soll die neue Regelung in Kraft treten.

Dehoga: Für die meisten Betriebe nicht umsetzbar 

Für das Gastgewerbe, von Corona wirtschaftlich ohnehin schon hart getroffen, wäre das eine weitere schwere Belastung. Zumal viele Betriebe das To-go- und Liefergeschäft im Lockdown als wichtiges Standbein gerade auf- oder ausgebaut haben. Die Reaktion des Dehoga fällt entsprechend aus: „Der Gesetzentwurf kommt zur Unzeit und geht völlig ohne Not über die Vorgaben der EU-Richtlinie hinaus“, so Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges gegenüber der Lebensmittel-Zeitung, einem Schwesterblatt der ahgz. „Das verpflichtende Vorhalten von Mehrwegbehältnissen inklusive Rücknahme, Logistik, Pfand und Reinigung ist für die allermeisten Unternehmen schlicht nicht umsetzbar.“

Für kleinere Betriebe sieht der Entwurf immerhin Erleichterungen vor. Wenn nicht mehr als drei Mitarbeiter beschäftigt werden und die Verkaufsfläche nicht größer als 50 Quadratmeter beträgt, kann der Betrieb seinen Gästen auch anbieten, die Speisen oder Getränke in mitgebrachte Behältnisse einzufüllen. Beim Liefergeschäft sollen als Verkaufsfläche zusätzlich alle Lager- und Versandflächen gelten.

Pfandsystemanbieter suchen Gastro-Partner

Umweltbewusste Gastronomen vor allem in Großstädten bieten ihre F&B-Offerten schon seit einiger Zeit in Mehrweggeschirr im Pfandsystem an. So hat das aus der Schweiz stammende Unternehmen Recircle allein in Stuttgart rund 40 Partnerbetriebe. In ganz Deutschland haben sich dem System bisher mehr als 200 Betriebe angeschlossen. Das bayerische Start-up Rebowl hat im Sommer dieses Jahres mit seinem zirkulären Pfandsystem für Mehrwegschalen begonnen. Und rund hundert Mehrwegpartner hat das junge Kölner Unternehmen Vytal bislang für sich gewinnen können.

Das Prinzip ist bei allen Dienstleistern ähnlich. Meist stellen sie Boxen oder Schalen gegen einen Pfandbetrag oder eine Nutzungsgebühr zur Verfügung. Der Gastronom kassiert vom Gast Pfand und nimmt die Behälter wieder zurück. Nur das Spülen belastet die Umwelt – und die Küche.

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