Corona-Debatte: "Corona provoziert das ganze ...
Corona-Debatte

"Corona provoziert das ganze Spektrum der Gefühle"

Christoph Aichele / Screenshot
Angela Inselkammer: "57 Prozent der Betriebe fühlen sich in der Existenz bedroht"
Angela Inselkammer: "57 Prozent der Betriebe fühlen sich in der Existenz bedroht"

Dehoga-Bayern-Chefin Angela Inselkammer und Christian Kopp, Regionalbischof der evangelisch-lutherischen Kirche für München und Oberbayern, diskutierten online über die Folgen der Coronakrise. Fazit: Das Miteinander rückt weiter in den Fokus.

Kurz vor Jahresende fand jetzt ein Gipfeltreffen der besonderen Art statt: Dehoga-Bayern-Chefin Angela Inselkammer und Christian Kopp, Regionalbischof der evangelisch-lutherischen Kirche für München und Oberbayern, trafen sich zum virtuellen Talk. Thema: Corona und die Auswirkungen auf Mensch, Gesellschaft und Wirtschaft.

Respekt vor der Politik

"Verzweiflung, Angst, Unverständnis auf der einen Seite, Mut und Hoffnung auf der anderen Seite", so sei die Gefühlslage bei vielen Gastronomen. "Es ist einfach schwierig, wenn man als Unternehmer alles richtig macht - und dann wird der Laden zugemacht", so Angela Inselkammer. Gleichzeitig bekundete die Dehoga-Bayern-Präsidentin ihren Respekt vor der Politik. Corona stelle alle Beteiligten vor große Herausforderungen, deren Bewältigung alles andere als einfach sei.

Inselkammer mahnte Kommunikation und Austausch an. "Wir brauchen die Möglichkeit, in Ruhe miteinander zu sprechen". Das Gastgewerbe verdiene es, gehört zu werden. Hier komme ihrem Verband eine entscheidende Rolle zu. "Wir sind eine kleinteilige Branche mit 40.000 Betrieben im Freistaat und 447.000 Mitarbeitern. Das sind alles einzelne Schicksale", so Inselkammer. Der Dehoga Bayern wolle Sorgen und Nöte aufgreifen und bündeln - und gleichzeitig Kraft und Stärke vermitteln.

Sorge um die kleinen Betriebe

"Es ist ein grausames Geschehen", sagte Regionalbischof Kopp, der für rund 500.000 Gläubige zuständig ist. "In dieser Weltkrise ist unheimlich viel kaputtgegangen. Das müssen wir uns eingestehen", so der Kirchenmann. "Sorgen mache ich mir vor allem um die kleinen Betriebe, die ich persönlich sehr schätze und oft besuche." Kopp berichtete von Bekannten, die angesichts der Krise "in den Wald gehen und schreien - oder auch Holzhacken". Er selbst bete und begreife die Corona-Pandemie als harte "Lektion in Demut".
„ In dieser Weltkrise ist unheimlich viel kaputtgegangen. Das müssen wir uns eingestehen.“
Christian Kopp, Regionalbischof ev. Kirche

Trotzdem beziehungsweise umso mehr: "Wir müssen jetzt den Blick nach vorn und nach oben richten, das Miteinander suchen, in die Gemeinschaft vertrauen", so Kopp. Dabei seien alle gefragt und Ausgleichsprozesse - auch finanzieller Art - nötig. Unterstützung müsse individuell und zielgerichtet stattfinden, je nach Erfordernis.

Eine baldige Auszahlung der versprochenen Hilfsgelder mahnte Angela Inselkammer an. "Wenn die Hilfen jetzt kommen, verläuft es glimpflich", so Inselkammer. Doch andernfalls drohe der Ernstfall. "57 Prozent der Betriebe fühlen sich in der Existenz bedroht", sagte die Landespräsidentin.

Orte der Kommunikation und der Begegnung

Großer Konsens beim Stellenwert von Kirchen und Gasthäusern - vor allem auf dem Land. "Das sind Orte der Kommunikation und der Begegnung", sagten Inselkammer und Kopp unisono. "Und beide fehlen den Menschen." Es werde Zeit, dass "bald wieder aufgesperrt wird".

Ob dann nur Geimpfte zum Zug kommen? Für Regionalbischof Kopp undenkbar. "Alle Menschen sind gleich - und wir sind keine Polizei", sagte er. Pragmatisch sieht es Angela Inselkammer: "Was ist, wenn sich eine Festgesellschaft anmeldet - mit 50 Geimpften? Sollte man das ausschlagen?"

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