Vor Bund-Länder-Beratungen: Gastgeber verstär...
Karin Gabler
Wirte zeigen Flagge: Stiller Protest am Münchner Marienplatz
Wirte zeigen Flagge: Stiller Protest am Münchner Marienplatz

Mit Mahnwachen und Kundgebungen zeigen Gastgeber und Verbände deutschlandweit Stärke. Klare Botschaft an die Politik: "Ohne Perspektive geben wir den Löffel ab!"

Diesmal darf es für die gastgebende Branche nicht ohne klare Perspektive ausgehen. Im Vorfeld er nächsten Bund-Länder-Konferenz am kommenden Mittwoch haben Verbände und Gastgeber zahlreiche Aktionen in der Öffentlichkeit gestartet. Dabei zeigt sich die Branche kreativ und fordernd zugleich.

In München
verbündeten sich drei verschiedene Partner, um auf ihre Situation seit dem zweiten Lockdown aufmerksam zu machen: Der Dehoga Bayern, die Münchner Innenstadtwirte und der Leaders Club veranschaulichten das Desaster der Branche mit einem leeren, schön gedeckten Tisch und einem ebenso leeren „gemachten“ Bett mitten auf dem Münchner Marienplatz. Zudem tanzten rund 50 Wirte und Wirtinnen die Jerusalema Dance Challenge – das soll, wie Christian Schottenhamel, BHG-Kreisvorsitzender München-Oberbayern, erläuterte „ein positiver wohlwollender Appell an die Politik sein, uns eine Perspektive zu geben. Wir hoffen alle darauf, dass wir ein Licht am Ende des Tunnels sehen. Wir wollen wieder arbeiten dürfen!“

In den vergangenen, sonnigen Tagen zog es viele Münchner hinaus ins Freie – meist ohne jeglichen Abstand, viele standen an Kiosks, saßen auf Grünflächen oder setzten sich sogar an verwaiste Biergartentische. Gerade die Wirte könnten mit ihren umfangreichen Hygienekonzepten hier für die nötige Sicherheit sorgen.  „Einen fortgesetzten Teil-Lockdown, also weitgehende Schließungen als Dauerzustand, während andere öffnen dürfen, akzeptieren wir nicht. Das Gastgewerbe darf bei der Entwicklung von Öffnungsperspektiven nicht nachrangig behandelt werden", so Gregor Lemke, Vorstand der Münchner Innenstadtwirte. Er sieht die Uhr auf fünf nach zwölf: "Wenn nicht bald etwas geschieht, ist vieles nicht mehr zurückzuholen.“  Schon jetzt gebe es Gaststätten, die schließen mussten. „Es fehlen Maßnahmen wie ein normales Leben in Corona-Zeiten stattfinden kann“, so Lemke. „Zusperren ist für mich keine Strategie!“
 

Um die aktuellen Herausforderungen besser bewältigen zu können, haben sich die saarländische Reisebranche, der Dehoga Saarland, der PopRat Saarland – Verband für Pop- und Eventkultur (vertritt die Pop- und Eventkultur, Kreativ- und Veranstaltungswirtschaft), die Kinobetreiber im Saarland und der Saarverband der Schausteller jetzt zu einem Bündnis, dem „Aktionsbündnis Corona“, zusammengeschlossen. "Wir wollen damit gemeinsam auf die Not der Branchen aufmerksam machen und durch das Ausverhandeln einer Öffnungsperspektive, verbunden mit klugen Öffnungsszenarien und gepaart mit einer ausreichenden finanziellen Flankierung durch den Bund und Land, das Überleben möglichst vieler Unternehmen und Einzelunternehmer dieser Branchen sichern", heißt es.

Und weiter: "Wir wollen gemeinsam die Weichen für eine Zeit stellen, in der die Leistungen dieser verschiedenen Branchen dem Land wieder Licht und Leben geben. Wir bringen mit diesem gemeinsamen Bündnis auch die Forderung zum weiteren, intensiven Dialog mit der Politik zum Ausdruck - und sorgen mit unserer Vernetzung für mehr landespolitisches Gewicht sowohl im anstehenden Dialog, als auch in der öffentlichen Debatte."

Mit drei stillen Mahnwachen in den großen rheinland-pfälzischen Städten Trier, Mainz und Koblenz setzt der Dehoga Rheinland-Pfalz ein Ausrufezeichen. „Auf den Tag genau am 2. März sind unsere Betriebe im zweiten Lockdown vier Monate geschlossen. Jetzt reichts“, heißt es beim Verband. "Lasst uns endlich wieder öffnen!"

Im Rahmen der bundesweiten Dehoga-Mahnwachen findet am Dienstag um 11 Uhr auf dem Mainzer Schillerplatz eine große Abschluss-Kundgebung statt. Mit dabei sind auch rheinland-pfälzische Spitzenpolitiker wie Doris Ahnen, MdL, Finanzministerin und stellvertretende SPD-Vorsitzende, Christian Baldauf, MdL, Fraktionsvorsitzender und CDU-Spitzenkandidat, Daniela Schmitt, Wirtschafts-Staatssekretärin und FDP-Spitzenkandidatin, und Jutta Blatzheim-Roegler, stellv. Fraktionsvorsitzende der B90/GRÜNEN, und Joachim Streit, Landrat und Spitzenkandidaten der Freien Wähler.

"Erste Politiker fordern eine Öffnung der Außengastronomie, das ist gut, richtig und wichtig! Infektiologisch spricht alles dafür, die Außengastronomie so schnell wie möglich zu öffnen und nicht bis Ostern zu warten", so der Dehoga Rheinland-Pfalz.

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