Interview: Was prominente Gastro-Profis von S...
Interview

Was prominente Gastro-Profis von Social Media halten

Intergastra
Ist kein Fan von Foodfotos im Netz: 3-Sterne-Koch Juan Amador
Ist kein Fan von Foodfotos im Netz: 3-Sterne-Koch Juan Amador

Die eigenen Kreationen im Netz posten, sich und seine Arbeit auf Instagram und Facebook zeigen und vergleichen - daran scheiden sich die Geister. In einem Punkt sind sich die Befragten jedoch einig...

Interview: Was prominente Gastro-Profis von Social Media halten



STUTTGART. Michael Oettinger, 1-Stern-Koch im familienbetriebenen Hotel Hirsch und Oettinger’s Restaurant in Fellbach, Juan Amador, 3-Sterne-Koch in Wien und Anna Stocker, diesjährige Gewinnerin des Rudolf-Achenbach-Preises über ihren Umgang mit den sozialen Medien.

Herr Oettinger, soziale Medien wie Instagram und Co. sind hervorragende Kanäle, um die eigenen Kreationen der Öffentlichkeit zu präsentieren. Sind Sie ein Befürworter?

Oettinger: Die schönen Bilder anderer Köche sollten klug konsumiert werden – Inspiration ja, Vergleich nein. Wer regelmäßig die herausragenden Bilder der Konkurrenz auf Facebook und Instagram betrachtet, lässt sich täuschen. Dieses Gericht kann ich weder anfassen, noch schmecken oder riechen. Im schlimmsten Fall misstraut man zeitweise seinen eigenen Kompetenzen – das gilt insbesondere für junge Köche. Man darf sich bei Wettbewerben messen, um zu wissen, welche Fertigkeiten man verbessern könnte, aber man sollte sich auf sich selbst konzentrieren. Deshalb lautet mein Motto auch: „Der Anspruch an sich selbst und an sein Können – ja, aber der ständige Vergleich ist das garantierte Rezept der Unglücklichkeit."

Herr Amador, als Sie Ihre Ausbildung begonnen haben, gab es weder Facebook noch Instagram. Sicherlich beobachten Sie die mittlerweile starke Nutzung dieser Kanäle in der Gastrobranche. Wie sehen Sie das, sind diese Medien eher ein Fluch oder Segen?

Amador: Richtig, als ich in die Lehre gegangen bin, gab es diese Medien noch nicht und ich sehe diese stete Reizüberflutung sowie den Fokus auf die visuelle Darbietung der Menüs etwas kritisch. Wichtig ist doch in erster Linie, die Fähigkeiten als Koch zu entwickeln. Und unsere Kernkompetenz sollte sein, dass das Gericht, das wir mit Herzblut zubereiten, dem Gast schmeckt. Wer sagt mir, dass das Menü auf dem Bild geschmacklich überzeugt? Es ist natürlich schön, wenn die Köche von ihren Kreationen begeistert sind, aber wenn ich zu viel von dem aufsauge, was die Konkurrenz macht, nehme ich mir selber die Inspiration und den Freiraum für eigene Ideen. Anders verhält es sich mit Wettbewerben – ich befürworte, wenn die Jungs und Mädels sich messen, dadurch tanken sie Selbstbewusstsein und lernen schon früh, Stressfaktoren zu überwinden.

Frau Stocker, als junge Nachwuchsköchin entsprechen sie mit ihren 24 Jahren genau der Zielgruppe, die soziale Medien als Kanal für die eigene Küchenperformance nutzt. Ihre Meinung?

Stocker: Privat nutze ich Instagram und schaue mir auch wirklich gern die Kreationen an, die meine Branchenkollegen publizieren. Ich finde die Menüs oft sehr inspirativ. Einige Köche, die ich kenne, betreiben die Veröffentlichung ihrer Gerichte recht exzessiv. Allerdings sind meiner Meinung nach weder Instagram noch Facebook die richtigen Kanäle für unsere Arbeit. Wenn ich beispielsweise an so manchen Food-Blogger denke, mit denen die Gastronomie zusammenarbeitet, muss ich sagen: Deren Follower sind auf den ersten Blick oft nicht das Klientel, das wir erreichen wollen. Häufig finden sich im Feed Frühstücksbowls neben Saftrezepten und anspruchsvollen Gerichten. Ich denke, dass der Streuverlust sehr groß ist. Nichtsdestotrotz kann ein guter Instagram- oder Facebook-Kanal Spaß machen – sowohl für den Koch, der andere an seinen Kreationen teilhaben lässt, als auch für die Follower, die vielleicht die ein oder andere Anregung für ihre eigene Entwicklung daraus mitnehmen. Von daher sehe ich die Social Media-Kanäle nicht kritisch. Wenn man allerdings den Vergleich sucht, empfehle ich auf jeden Fall Wettbewerbe, wie den Rudolf-Achenbach-Preis. Diese Erfolge motivieren weitaus mehr, als ein Like auf ein gepostetes Bild, sie stärken das Selbstbewusstsein und geben den Siegern Bestätigung. red/hz

stats