Krisenszenario: Tourismusbranche im Nordosten...
Krisenszenario

Tourismusbranche im Nordosten stellt Forderungen an die Politik

IMAGO / Panthermedia
Steigende Preise, höhere Löhne und Energiekosten belasten die Branche.
Steigende Preise, höhere Löhne und Energiekosten belasten die Branche.

Angesichts steigender Kosten und zunehmender Unsicherheiten bei der Energieversorgung fordert die Tourismusbranche im Nordosten finanzielle Unterstützung von der Politik.

Die Branche verlangte unter anderem, die Zins- und Tilgungsaussetzung der rückzahlbaren Corona-Liquiditätshilfen über den 31. Oktober hinaus zu verlängern. Die Schweriner Landesregierung solle vor dem 31. August eine verbindliche Aussage zu Verlängerungen und Gewährung wirtschaftlicher Unterstützung treffen.


Das Forderungspapier entstand im Rahmen einer Tourismus-Krisenrunde, der neben dem Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern, die Industrie- und Handelskammern, touristische Regionalorganisationen sowie Städte und ausgewählte Tourismusorte angehörten. Für den Fall einer Notfallstufe (Notfallplan Gas) mahnte die Tourismusbranche eine bereits im Vorfeld "klare und offene Kommunikation der Landesregierung zu möglichen Einschränkungen" an.

Der Tourismusverband verwies darauf, dass sich nach zwei Corona-Jahren mit überdurchschnittlichen Übernachtungsrückgängen und einer sich verschärfenden Situation des Fachkräftemangels zudem der Krieg in der Ukraine spürbar auf die Preisentwicklung im Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern auswirke. So seien die Preise laut einer Unternehmensumfrage im Mai 2022 im Vergleich zum Vorjahr um rund 10 Prozent und zu 2019 um rund 15 Prozent gestiegen. Mehr als zwei Drittel der Unternehmen gäben höhere Kosten ganz oder teilweise an die Gäste weiter.

Der Chef des Dehoga in Mecklenburg-Vorpommern, Lars Schwarz, malte im Interview des Nordkurier ein düsteres Bild: "Die ganze Branche ächzt unter den explodierenden Energiekosten, die Gäste bleiben entweder ganz weg, weil sie ihr Geld zusammenhalten, oder gehen am Urlaubsort nicht mehr essen, meiden Zusatzkosten wie in Spaßbädern oder Freizeitanlagen - Wachstum können wir uns die nächsten zwei bis drei Jahre abschminken", befürchtete Schwarz.

Enttäuscht zeigte er sich von der "handlungsunfähigen Landesregierung". Er fordere von der politischen Führung, dass sie ein gemeinschaftliches Signal sende. "Dass sie die heimische Wirtschaft auf eine verdammt schwierige Zeit einschwört. Dass sie aufrüttelt und dabei auch Mut macht, dass wir diese Krise gemeinsam durchstehen."

Die tourismuspolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion, Sandy van Baal, sagte mit Blick auf die Äußerungen des Dehoga-Chefs, es sei nicht verwunderlich, dass der Tourismusbranche in Mecklenburg-Vorpommern der Optimismus abhanden komme. "Wir müssen den Realitäten ins Auge blicken. Es findet gerade ein täglicher Kampf um das Überleben statt", sagte sie. Von der Landesregierung erwarte sie Strategien und verlässliche Antworten.

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