Gastbeitrag: „Wir hatten drei schöne Jahre“
Gastbeitrag

„Wir hatten drei schöne Jahre“

Restaurant
Haben die Reißleine gezogen: Norman Brázda (links) und Phil Hinze vom Essener Restaurant Süsskind & Sauermann
Haben die Reißleine gezogen: Norman Brázda (links) und Phil Hinze vom Essener Restaurant Süsskind & Sauermann

Ihr Restaurant Süsskind & Sauermann in Essen mussten sie schweren Herzens schließen. Norman Brázda und Phil Hinze über die Beweggründe.

Unser Restaurant bleibt ab Juni geschlossen. Traurig aber wahr. Eine Adresse der kleinen, köstlichen, Individualgastronomie ist Geschichte. Es gibt leider zu viele Faktoren, die diesen Standort für solch ein Restaurant problematisch machen. Wir wollen hier nicht alle aufzählen, einer der wichtigsten Punkte sei aber erwähnt: Die Ablehnung unseres Antrags zur Nutzung von Parkflächen als gastronomische Außenfläche. Wir haben versucht das Beste aus diesem Ablehnungsbescheid zu machen, der letzte Sommer hat uns aber wirtschaftlich hart getroffen und uns die eine oder andere schlaflose Nacht beschert.

Wir nennen uns die „Metropole Ruhr“ – und diese Metropolregion haben wir versucht mit gastronomischem Zeitgeist zu unterstützen und zu beleben. Sind es doch gerade in den großen Städten die individuelle Gastronomie, die Kultur und Kunst, die den Menschen das Fundament zum Leben geben. Leider hat uns die Stadt hier nicht unterstützt, was wir sehr bedauern. Gerade aus der heutigen viel diskutierten ökologischen und ökonomischen Sicht sollte auch der Essener Stadtverwaltung langsam klar werden, dass „nur Parkfläche“ nicht die Zukunft sein kann.

Wir werden diese Woche wie gewohnt öffnen und hoffen, Gäste noch in großer Zahl empfangen und beköstigen zu dürfen. Natürlich wollen wir auch Abschied nehmen und uns bei dem einen oder anderen Stammgast bedanken. Wir hatten drei schöne Jahre -- mit viel Zuspruch und der einen oder anderen Auszeichnung. Als wir starteten, ohne zu wissen, wohin die Reise geht, hätten wir nicht gedacht, so weit zu kommen.

PS: Die Gastronomie ist in den letzten Jahren ein hartes Pflaster geworden, Mitarbeiter sind immer schwieriger zu finden, die Bürokratie raubt dem kleinen Gastronom den Atem und überschüttet ihn mit Auflagen, Vorschriften und Gesetzen. Hinzu kommt die Prangerkeule der Sozialen Medien, die einem stets im Nacken hängt.

Restaurants, Bars und Cafés, die sich leidenschaftlich und mit persönlicher Überzeugung und Herzenslust daran, dem Gast „Gutes zu tun“ verschrieben haben, werden es in der Zukunft nicht leichter haben, und genau darum und deswegen brauchen sie Zuspruch. Unterstützt und besucht sie weiterhin!

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