Gastbeitrag: „Wir leben von der Vielfalt“
Gastbeitrag

„Wir leben von der Vielfalt“

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Christian Mittermeier: „Nicht den Zaun höher, sondern die Tafel länger machen“
Christian Mittermeier: „Nicht den Zaun höher, sondern die Tafel länger machen“

Von Christian Mittermeier, Koch, Gastronom, Hotelier, Villa Mittermeier, Rothenburg ob der Tauber.

Es ist nun Zeit, dass die vernünftige Mitte den Mund aufmacht und sich den wenigen, aber lauten Typen in den Weg stellt, die Hass und Unfrieden verbreiten. Wie der Rattenfänger von Hameln haben es braune Strategen geschafft, die Unzufriedenen, die Ängstlichen und ein paar, die sich dauerbenachteiligt fühlen, gegen alles aufzuhetzen, was irgendwie fremd und anders ist.

Die ersten Steine fliegen bereits wieder

Nie hätte ich geglaubt, dass das so schnell geht. Für unmöglich hätte ich gehalten, dass nun Undenkbares gedacht, Unsagbares gesagt und ein Tabu nach dem anderen gebrochen wird. Die ersten Steine fliegen bereits, das politische Deutschland spricht nur noch über Flüchtlinge und angebliche Krisen.

Nein, ich mache mir keine Illusionen: Unter den Flüchtlingen gibt es einige, die es nicht verdient haben, hier Schutz zu finden. Und mit der Integration ist bis jetzt auch nicht alles gut gelaufen. Es wäre beispielsweise viel besser gewesen, Flüchtlinge grundsätzlich nicht in Sammelunterkünften, sondern dezentral unterzubringen und sie über Arbeit zu integrieren. Für gewillte Betriebe war es aber oftmals ein unmögliches Unterfangen, eine entsprechende Genehmigung zu bekommen.

Vom Umgang mit Fakten - und Stimmungsmache

Fernab sachlicher Argumente geht es mittlerweile um etwas ganz anderes: Den Umgang mit der Realität und den Unterschied zwischen Fakten und gefühlter Wahrheit. Denn es kommen nur noch wenige Flüchtlinge, die Zahlen sind rapide gesunken. Die Ablehnungsquote, das ist politisch gewollt, steigt.

Fernab von Daten und Fakten aber wird hinterlistig und mit Kalkül von einem Bruchteil der Bevölkerung ein Szenario aufgebaut, in dem Flüchtlinge Verursacher aller Probleme sind – vor allem der eigenen. Rassistisches Vokabular ist in bestimmten Kreisen salonfähig. Wo das hinführen kann, sollte klar sein.

In meinem Team arbeiten Menschen aus 17 Nationen

Das brauchen wir nicht, das wollen wir nicht! Wir aus der Gastronomie leben von der Vielfalt! In meinem Team arbeiten Menschen aus 17 Nationen und jeder von uns ist Gleicher unter Gleichen. Mit einer Selbstverständlichkeit, die keiner Begründung bedarf. Ich war Ausländer, Fremder, während meiner Lehr- und Wanderjahre. Und genau darauf bin ich stolz. Stolz auf erbrachte Leistung, stolz auf Erreichtes und sogar stolz auf manche Niederlage.

Aber ich bin nicht stolz darauf, mit einem weißen Hintern in einem reichen Land geboren zu sein. Dafür habe ich nichts geleistet. Und die, die mit einem schwarzen Hintern in einem armen Land geboren wurden, denen dort vielleicht Hunger, Krieg, Elend oder Verfolgung droht, die können dafür nichts. Ich weiß, dass ich der Erste im Schlauchboot wäre, der Erste, der versuchen würde, diesem Elend zu entfliehen, um für meine Lieben und mich eine bessere Zukunft zu suchen.

Wir feiern Feste und sind von Haus aus fröhlich

Wer wie wir im Überfluss lebt, der soll nicht den Zaun höher, sondern die Tafel länger machen! Und an Euch, brauner Mob: Macht Euch darauf gefasst, dass Euch unsere Branche geschlossen entgegentreten wird. Das wollen wir auch online zeigen (kochengegenrassismus.net). Wir kommen aus der Welt des Schönen, des guten Geschmacks, wir feiern Feste und sind von Haus aus fröhlich. Unsere Welt ist bunt – und das ist gut so!

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