Digitalkongress "Zukunft Stadt": Warum Stadte...
Digitalkongress "Zukunft Stadt"

Warum Stadtentwicklung ohne Gastronomen kollabiert

Roomers
The Duc Ngo: "Ohne uns Gastronomen werden die Innenstädte öde"
The Duc Ngo: "Ohne uns Gastronomen werden die Innenstädte öde"

Die Zukunftssicherung der Citys steht durch die Pandemiefolgen vor noch größeren Herausforderungen. Im Live-Talk des virtuellen Kongresses "Zukunft Stadt" der dfv Mediengruppe erläutern Gastronomen, warum sie Zugpferde einer positiven Entwicklung der Innenstädte sind.

Die Türen der Restaurants bleiben weiter geschlossen und die Stühle auf den Außenterrassen hochgestellt. Bei steigenden Temperaturen ist es für die Gastronomen um so schmerzlicher, dass die Politik - anders als in Nachbarländern - einer ganzen Branche weiterhin keine konkrete Öffnungsperpektive bietet. Und dies obwohl Wirtschaftsminister Peter Altmaier im Live-Talk des Digitalkongresses "Zukunft Stadt" einräumt, dass die Gastronomie keineswegs zu den Infektionstreibern zählt.

Kein Wunder, dass The Duc Ngo die Vorgehensweise der deutschen Corona-Politik nicht mehr nachvollziehen kann. "Warum können in einem großen Restaurant nicht 50 Leute auf Basis gesicherter Hygiene- und Testkonzepte speisen, während in einer Fabrikhalle mit vielfach nachlässigeren Kontrollkonzepten gemeinsames Arbeiten möglich ist", wundert sich der Berliner, der nicht zuletzt dank seiner Auftritte in der TV-Show „Kitchen Impossible“ zu den bekanntesten Köchen und Gastronomen Deutschlands zählt und aktuell 14 Restaurants in Berlin, Frankfurt und Baden-Baden betreibt.

Dabei ist The Duc Ngo bereit, Initiative zu ergreifen und in seinen Locations mit Schnelltests für einen risikofreien Aufenthalt zu sorgen. "Wir bieten die Tests für 3,75 Euro an und sind uns sicher, dass die Gäste das Angebot annehmen, weil sie sich nach dem Stück Lebensqualität sehnen", sagt der Gastronom.

Stephan von Bülow: "Wenn die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht nicht verlängert wird, droht eine Insolvenzwelle"
Unternehmen
Stephan von Bülow: "Wenn die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht nicht verlängert wird, droht eine Insolvenzwelle"

Stephan von Bülow, Vorsitzender der Geschäftsführung der Block Gruppe, verweist allerdings auf die durch Tests und weitere Dokumentationspflichten enststehenden zusätzlichen Kosten - in dieser wirtschaftlich sehr schwierigen Zeit tue "jeder zusätzliche Euro noch mehr weh". Als Betreiber von unterschiedlichen Gastrokonzepten - etwa vom Hotel (Grand Elysée Hamburg), über die Steakrestaurantkette Block House bis zu den  Quickservice-Burger-Stores Jim Block - sieht er die Umsetzungsmöglichkeiten differenziert: "In einem Fine-Dining-Haus ist der Zusatzaufwand möglicherweise darstellbar, aber bei stark frequentierten Betrieben wird dies schwierig", sagt von Bülow. 

Der Block-Gruppe-Chef legt den Finger in eine weitere Wunde: "Bereits jetzt sieht man viele dauerhaft geschlossene Restaurants in den Citys, und wenn die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht wie offenbar geplant nicht verlängert wird, droht eine Insolvenzwelle", befürchtet von Bülow. Um so wichtiger sei es, dass die Stadtverantwortlichen sich mit ihren Auflagen und Regelungen gegenüber Gastronomen künftig flexibler zeigten: "Wir brauchen weniger Regeln, wenn wir auch in Zukunft attraktive Innenstädte wollen." Auch von Seiten der Vermieter fordert von Bülow mehr Entgegenkommen, denn Gastronomen könnten die nach wie vor zu hohen Mieten nicht erwirtschaften: "Wir ziehen doch die Kunden an und sorgen für Frequenz in den benachbarten Läden."

"Ohne uns Gastronomen werden die Innenstädte öde", ergänzt The Duc Ngo und sieht gemeinsame Initiativen von jungen Gastronomen mit frischen Ideen, erfahrenen Restaurant-Betreibern und Einzelhändlern als geeigneten Weg zur Belebung von Quartieren. Ein Zusammenspiel, das von Bülow noch um Handwerker ergänzen möchte, denn auch diese könnten beispielsweise mit Handwerkerhöfen Zugkraft für die Innenstadt entwickeln.


foodservice-Chefredakteur Boris Tomic, Moderator des Live-Talks, verweist in diesem Zusammenhang auf Initiativen wie "Händler helfen Händlern", an denen sich beispielsweise auch der Gastgeberkreis beteiligt. "Ein Runder Tisch aus Gastronomie, Politik und Handel kann dazu beitragen, die Herausforderungen konzertiert anzugehen - und Lösungen für die Stadt der Zukunft zu finden", ist sich Tomic sicher.

Der zweitägige Digitalkongress vertieft am Donnerstag, 29. Mai, die drängenden Fragen der künftigen Stadtentwicklung mit weiteren hochkarätigen Referenten aus Handel, Gastronomie und Wirtschaft. Infomationen zum Programm und zur Anmeldung finden Sie hier.

Dieser Text erschien zuerst auf www.food-service.de.

stats