Nachhaltigkeit


Carsten K. Rath in Singapur

Wie grün kann Luxus sein?

Das Parkroyal on Pickering schreibt sich Nachhaltigkeit auf die Fahnen. Gleichzeitig muss es sich in einem Umfeld von exzellenten Luxushotels behaupten.Funktioniert dieser Spagat?

Grünes Schmuckstück in der Metropole: Die Fassade des Parkroyal on Pickering, Singapur.Grünes Schmuckstück in der Metropole: Die Fassade des Parkroyal on Pickering, Singapur.

Singapur ist in etwa das New York des Fernen Ostens. Der 5,6-Millionen-Stadtstaat vereint eine Vielzahl von Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlichen Kulturen, Religionen und Lebensweisen. Die resultierenden Kontraste auf engstem Raum zu vereinen, ist eine Herausforderung.

Antworten auf die extreme Vielfalt muss auch die Hotellerie in Singapur finden. Die fortschrittliche Metropole ist ein Paradies für Luxusfans und ein Epizentrum der Innovation in Technologie, Architektur und Lifestyle. Das Parkroyal on Pickering setzt dabei auf die weltweite Vorreiterrolle von Singapur als Innovator bei der Nachhaltigkeit.

1. Location

Das Parkroyal on Pickering liegt direkt neben Chinatown. Am Rande des Hong Lim Parks und nur zwei Kilometer von der Marina Bay entfernt, bietet es direkten Zugang zu einem der beliebtesten Touristenzentren des Stadtstaats im Süden der Insel. Wer entspanntes südostasiatisches Urlaubsfeeling sucht, ist hier falsch – in Chinatown geht täglich bis Geschäftsschluss um 23 Uhr die Post ab.

Aber Achtung: Chinatown ist nicht das Singapur der ultramodernen Wolkenkratzer, das Europäer allgemein vor Augen haben. Die Umgebung ist von charmanten, kleineren Häusern im chinesischen Stil geprägt – bunt, vielfältig und vergleichsweise chaotisch, gemessen an den blankpolierten, durchdesignten Vierteln weiter nördlich.

Aus dieser Umgebung ragt das Parkroyal on Pickering mit seinen 16 Stockwerken schon beinahe ungelenk heraus.

Umso besser will es sich dafür in die Natur integrieren: Die umfangreich begrünte Fassade sticht schon von Weitem ins Auge. In organischen Wellenformen ziehen sich terrassenartige, üppig bepflanzte Vorsprünge um das Gebäude. Wie Baumpilze ranken sie sich um das stelzenartige Fundament, das die schlanken Glaskuben trägt, und tun das ökologisch geprägte Gesamtkonzept unübersehbar kund.

2. Ausstattung

Stärker als das grüne Element fallen im Inneren des Hotels die asiatischen Bezüge auf. Kokonartige, bunte Cabanas bieten Gästen in den oberen Außenbereichen Privatsphäre. Die öffentlichen Bereiche wirken hell und durchdesignt bis zum Anschlag. Der Nachteil solcher Konzepte ist ihre Lebensdauer. Hier macht leider auch das auf Nachhaltigkeit getrimmte Parkroyal on Pickering keine Ausnahme: Die Materialien des erst fünf Jahre alten Hauses wirken vielerorts bereits jetzt müde. Das mag mit dem feuchtheißen Klima ebenso zusammenhängen wie mit der Halbwertszeit von ultramodernen Designs. Doch wäre es nicht sinnvoller gewesen, das Gebäude technisch stärker auf Haltbarkeit auszulegen als auf eine anfällige Optik?

Die Zimmer und Suiten spiegeln das naturnahe Konzept überzeugender wider: Die durchgehend holzgetäfelten, vier Meter hohen Wände und Einbauten meiner Executive Suite schaffen eine beruhigende, stilvolle Atmosphäre. Auch das 12 Quadratmeter große Badezimmer mit seinen polierten Steinwänden wirkt gleichermaßen edel und natürlich. Leider lässt der Wasserdruck der „Erlebnisdusche“ zu wünschen übrig. Es ist nicht das einzige Detail, bei dem die Pole Öko und Luxus einander widersprechen. Als regelrecht abstoßend empfinde ich die wieder auffüllbaren Behälter für Shampoo und Duschgel. Ich finde gebrauchte, verklebte Plastikfläschchen vor, die ich am liebsten entsorgen würde. Wenn schon ökologisch, dann bitte richtig: Spender, die sich hygienisch nachfüllen und reinigen lassen, wären gleichzeitig nachhaltig und luxuriös.

Schlüssig sind dagegen viele der Lösungen im Wohnbereich: Kleine hölzerne Würfel weisen mich auf verschiedene ressourcenschonende Maßnahmen hin – und lassen mir als Gast die Wahl, ob ich mitmachen möchte. So werden die Laken standardmäßig nur alle zwei Tage getauscht. Bei Bedarf kann ich durch Platzieren des Hinweis-Würfels auf dem Bett jedoch einen täglichen Tausch erwirken. Statt einem Mülleimer für alles gibt es einen Recycling-Eimer zum Trennen. Luxuriös in der Auswahl, aber ganz und gar nicht öko ist der gut bestückte Minibar-Bereich mit seiner Kapsel-Kaffeemaschine.

3. Gastronomie

Das Parkroyal on Pickering verfügt nur über ein einziges Restaurant. Das großzügig, luftig angelegte Lime folgt einem typisch asiatischen Buffet-Konzept. Hier findet der experimentierfreudige Gast die ganze Vielfalt der bunten Landeskulturen gespiegelt und muss auch nicht auf internationale Klassiker verzichten.

Die Qualität aller Speisen, von Kantonesisch über Indisch, Japanisch und eine westliche Pasta-Station bis hin zu reichhaltigen Obst- und Dessertbars, ist exzellent.

Das gilt für das im Zimmerpreis inbegriffene Frühstück genauso wie für das überragend reichhaltige Lunchangebot für zirka 30 bis 50 Euro. Aus professioneller Perspektive finde ich das All-in-one-Konzept überzeugend: In einer Stadt wie Singapur ist es zwecklos, als Hotel krampfhaft mit der gebotenen Vielfalt direkt vor der Haustür konkurrieren zu wollen. Kaum ein Gast wird all seine Mahlzeiten im Hotel einnehmen. In diesem Umfeld ein komplexes gastronomisches Konzept mit drei oder vier Restaurants zu fahren, wäre in der Tat Ressourcenverschwendung.

4. Service

Der Service im Parkroyal on Pickering hat sich über die Jahre stetig verbessert. In einem Umfeld wie Singapur, wo viele große Marken ebenso präsent sind wie ehrgeizige unabhängige Player, reicht das jedoch nicht, um herauszustechen. Die Mitarbeiter in der Gastronomie erlebe ich wiederholt als völlig überfordert. An Charme mangelt es ihnen nicht, wohl aber an Führung. Als Hotelier kann ich schwer nachvollziehen, warum am Eingang zum Restaurant gleich drei Mitarbeiterinnen stehen müssen, um mich nach meiner Zimmernummer zu fragen, während sie im Service am Gast dringend gebraucht würden.

Die Gastorientierung der Rezeption ist dagegen auf Top-Niveau. Jede Frage und jedes Anliegen werden blitzschnell und effizient bearbeitet. Besonders hoch rechne ich den Kollegen an, dass sie einen Fehler meinerseits bei der Buchung großzügig bereinigen: Die verpasste erste Nacht aufgrund meiner verspäteten Anreise wird mir kulant an meinen Aufenthalt angehängt. Da können sich viele Top-Häuser eine Scheibe abschneiden.


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