Interview: Prof. Dr. Astrid Nelke, Geschäftsf...
Interview: Prof. Dr. Astrid Nelke, Geschäftsführerin know:bodies, Berlin

„Abgedroschene Schlagworte locken niemanden“

FOM Berlin/Viktor Strasse
Astrid Nelke: "Nur mit dem Wissen, was die eigenen Leute wollen und wie Sie den Betrieb sehen, lässt sich erfolgreich eine Employer Brand positionieren."
Astrid Nelke: "Nur mit dem Wissen, was die eigenen Leute wollen und wie Sie den Betrieb sehen, lässt sich erfolgreich eine Employer Brand positionieren."

Die Employer-Branding-Expertin spricht im AHGZ-Interview über die Positionierung von Arbeitgebermarken, Fehler bei der Personalgewinnung und die Bedürfnisse von Bewerbern wie Mitabeitern.

Prof. Nelke, haben Arbeitgeber mit Employer-Branding-Siegel einen Vorteil auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt?

Nelke: Durch ein anerkanntes Siegel wie ‚Ausbildung mit Qualität‘ vom DEHOGA gelingt es natürlich besser, sich aus der Vielzahl von Unternehmen hervorzuheben. Gerade in unserer Branche ist der ‚War for Talents‘ schon seit Längerem voll entbrannt – da kann ein etabliertes Zertifikat ein USP sein. Besonders in der Elternkommunikation kommen verlässliche Kennzeichen gut an. Die meisten Jugendlichen lassen sich zuerst von ihren Eltern beraten, wenn es um Ausbildung und Job geht.

Welche Fehler machen Unternehmen oft bei der Mitarbeitergewinnung?

Nelke: Stellenanzeigen sind oft ebenso wenig aussagekräftig formuliert wie Bewerbungsanschreiben. Auf einem Markt der Bewerbenden, wo sich die guten Leute ihren Betrieb in vielen Fällen aussuchen können, lockt man mit abgedroschenen Schlagworten wie Work-Life-Balance oder gutes Betriebsklima keinen hinter dem Ofen vor. Besser ist es zu überlegen, welche Bedürfnisse die Kandidaten haben und welche davon der Betrieb erfüllen kann. Hier gilt es, ehrlich zu sich selbst zu sein, damit man Versprechen im Arbeitsalltag halten kann. Im schlimmsten Fall wirkt Mitarbeitergesich das sonst negativ auf Arbeitgeberbewertungsportalen wie Kununu aus.

Denken manche Unternehmen dabei zu kurzfristig?

Nelke: Das betrifft häufig kleine Unternehmen mit ihrer ‚ab-und-zu-Kommunikation‘, wenn es gerade wieder richtig weh tut. Doch die Arbeitgebermarke muss langfristig geführt werden. Vor allem sollte man dabei innen anfangen, also zuerst die eigenen Beschäftigten nach Wünschen, Bedürfnissen und ihrem Bild der Arbeitgebermarke befragen. Gerade dann, wenn sie sich vor den Ergebnissen fürchten. Nur mit dem Wissen, was die eigenen Leute wollen und wie Sie den Betrieb sehen, lässt sich erfolgreich eine Employer Brand positionieren. Sonst gibt es böse Überraschungen auf anonymen Portalen zur Arbeitgeberbewertung.

Wie wichtig ist die Zusammenarbeit der Abteilung Human Resources (HR) mit den jeweiligen Fachabteilungen?

Nelke: Employer Branding funktioniert nur als Schnittstelle von HR und Unternehmenskommunikation. Soll eine Strategie zur Arbeitgebermarke aufgesetzt werden, müssen sich beide

Abteilungen zusammensetzen und gleichberechtigt im Konzept abbilden.

Das ganze Interview mit Astrid Nelke lesen Sie im Fachthema "Employer Branding: Der Arbeitgeber als Marke" am Samstag in der AHGZ. Die Best Practice zum Thema kommt von der Enchilada Franchise GmbH.

>> AHGZ-Tipp <<

Um Employer Branding geht es auch bei der Podiumsrunde "Die Arbeitswelt in der Hotel- und Gastronomiebranche von morgen - Chancen und Herausforderungen für Betriebe - Lösungsansätze einer Studiengruppe der Hotelfachschule Berlin" beim Deutschen Hotelkongress im Interconti Berlin. Mit dabei: Astrid Nelke, Hotelier Christian Andresen, Vizepräsident des DEHOGA Berlin, und die Hotelfachschüler Tim Gold, Johannes Hertel und Thomas Schulz von der Hotelfachschule Berlin.

Wann & wo: 7. Februar, 10.15 Uhr, HotelExpo/Marlene Bar im Interconti Berlin

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