Integration: Abschied im zweiten Anlauf
Integration

Abschied im zweiten Anlauf

Achat Hotels
Nun geht es wirklich in den Ruhestand: Elfi Harrer, Direktorin im Achat Hotel Salzburg zum Hirschen, verabschiedet den langjährigen Mitarbeiter Issa Akhagar
Nun geht es wirklich in den Ruhestand: Elfi Harrer, Direktorin im Achat Hotel Salzburg zum Hirschen, verabschiedet den langjährigen Mitarbeiter Issa Akhagar

Mehr als 35 Jahre hat der gebürtige Afghane Issa Akhgar im Hotel Zum Hirschen in Salzburg gearbeitet. Nun geht der Rezeptionist, der eigentlich nur kurz in Österreich bleiben wollte, in den Ruhestand.

SALZBURG. Einen Mitarbeiter in den Ruhestand zu verabschieden, ist für alle Beteiligten stets mit Emotionen verbunden. Manche Lebensläufe rühren jedoch selbst Außenstehende. So, wie der von Issa Akhgar, der nach mehr als 35 Jahren das Achat Hotel Salzburg Zum Hirschen nun endgültig verlässt – eigentlich schon zum zweiten Mal. Rezeptionist war er, mit Herz, Hand und Seele.

Direktorin Elfi Harrer fällt keine einzige negative Eigenschaft zu ihm ein: „Absolut zuverlässig, ehrlich, charmant, lösungsorientiert, freundlich, allseits beliebt – ein uneingeschränktes Leitbild für unser ganzes Team und darüber hinaus. Issa ist wahrlich ein echter Gentleman und Rezeptionist der alten Schule, der jeden einzelnen Stammgast bestens kannte. Mit ihm verlieren wir die Seele unseres Hauses.“ Über all die Jahrzehnte war er kein einziges Mal krank, nicht einen einzigen Tag.

Beispiel für gelungene Integration

Dabei hat Issa Akhgar eine bewegte, ja traurige Vergangenheit: Voller Zuversicht kam er als junger Mann Anfang der 1980er-Jahre aus seiner Heimat Afghanistan – wo er bereits eine Ausbildung im Hotel absolviert hatte – nach Österreich, um dort mehr Erfahrungen in seinem Beruf zu sammeln und die Sprache zu lernen. Ein Zufall brachte ihn in das damalige, noch privat geführte Salzburger Hotel Zum Hirschen, lange bevor es sich den Achat Hotels anschloss, ja bevor es diese Gruppe überhaupt gab.

Als die Zeit der Rückkehr näherkam, war längst Krieg in Afghanistan ausgebrochen und die Lage kritisch. An eine Heimreise war nicht mehr zu denken. Issa Akhgar blieb in Österreich und im Hotel Zum Hirschen – bis heute. Längst ist er ein „waschechter“ Österreicher geworden, hat eine Österreicherin geheiratet und drei Söhne großgezogen. „Es ist kaum zu glauben, aber Issa erinnert mich immer an den unvergessenen Hans Moser in seiner Paraderolle im Film ‚Hallo, Dienstmann‘, auch mit seinem Dialekt“, so Harrer. „Er ist ein absolutes Vorzeigebeispiel für gelungene Integration.“

Zweiter Abschied vom Arbeitsplatz

Eigentlich war Issa Akhgar schon 2017 in Rente gegangen und wurde entsprechend verabschiedet. Wirklich loslassen konnten jedoch beide Seiten nicht und so blieb er dem Haus auch nach seiner Pensionierung an zwei Tagen in der Woche als Rezeptionist in der Spätschicht treu. Nun aber, nach mehr als 35 Jahren, etlichen Direktoren bzw. Direktorinnen und Hunderttausenden Gästen ist wirklich Schluss: Mit Blick auf die aktuelle Pandemie und sein Alter hat ihm seine Familie zu diesem Schritt geraten. „Er wird mir fehlen – uns allen“, so Harrer weiter. „Hier in Salzburg sagt man ‚A Mensch‘ und meint damit eine innige, ans Herz gewachsene Beziehung. Er wird nicht zu ersetzen sein, weder als Mensch, noch als Mitarbeiter. Wir ziehen unseren Hut vor seiner Lebensleistung und sagen: Baba!“ red/beh

stats