Gastbeitrag: Accor-Europachef Franck Gervais:...
Gastbeitrag

Accor-Europachef Franck Gervais: "Die Zukunft der Hotelindustrie"

Unternehmen
Franck Gervais: "Marken müssen laufend daran arbeiten, ihre Produkte anzupassen"
Franck Gervais: "Marken müssen laufend daran arbeiten, ihre Produkte anzupassen"

Der Top-Manager über sich wandelnde Märkte, kommende Herausforderungen und Trends.

Die Hotelbranche durchlebt eine rasante Evolution, die zahlreiche Entwicklungen und Herausforderungen mit sich bringt. Von Digitalisierung und einer Verschiebung der Gästebedürfnisse bis hin zu einer wachsenden Bedeutung ökologischer Erfordernisse – all das beeinflusst maßgeblich, wie Hoteliers mit Kunden interagieren.

Zukünftig werden die Erwartungen der Gäste weiter steigen, ebenso wird es jedoch eine Brandbreite an Möglichkeiten für die Hotels geben, diese zu erfüllen oder gar zu antizipieren. Marken müssen laufend daran arbeiten, ihre Produkte anzupassen, um neue Erlebnisse zu schaffen und ihre Angebote auszubauen. Aus meiner Sicht wird die Hotelindustrie der Zukunft auf einer ganz besonderen Mischung aus außergewöhnlichen Erfahrungen, hochleistungsfähigen Lösungen und – natürlich – menschlichen Werten beruhen.

Marken haben Expansionspotenzial

Der Markt für diejenigen, die mit diesen Veränderungen umgehen können, ist dynamisch. Aktuelle Prognosen zeigen, dass die Nachfrage nach Unterkünften in Europa in den kommenden fünf Jahren um weitere 6 Prozent steigen wird und der europäische Markt damit der am stärksten wachsende und größte unserer Branche bleibt. Um diese hohe Nachfrage und das hohe Wachstumspotential bedienen zu können, öffnet Accor innerhalb der Region alle drei Tage ein Hotel. Osteuropäische Destinationen sind mehr und mehr im Kommen; aber auch traditionelle Ziele wie Frankreich oder Italien erleben gerade ein Revival.

Auf der Angebotsseite ist die Anzahl der verfügbaren Marken und Angebote stark gewachsen. Allerdings gehören zurzeit lediglich 37,5 Prozent der Zimmer innerhalb des europäischen Marktes zu Hotelgruppen. Gleichzeitig haben Reisende mittlerweile vollständig andere Bedürfnisse als in der Vergangenheit – es besteht also weiterhin ein großes Expansionspotenzial für Marken.

Auf der Suche nach Erlebnissen

Wie sehen diese Bedürfnisse moderner Reisende also aus? Kurz gesagt geht es um Augmented Hospitality – ein Geschäftsfeld, das Accor Europe früh für sich erschlossen hat. Gäste sind mehr und mehr auf der Suche nach Erlebnissen und personalisierten Angeboten, die über die Übernachtung selbst hinausgehen. Während ihres Aufenthalts suchen sie nach einem einzigartigen Mehrwert – wie zum Beispiel Essen, Konzerte, Wellness oder Nachtleben. Wir stellen uns permanent die Frage, wie wir diesen Mehrwert schaffen können. Wir setzen modernste Datenanalysen ein, um die Bandbreite an Konsumenten zu verstehen und maßgeschneiderte Angebote zu entwickeln. Unsere Hotels in Europa verwandeln sich zu Lebensräumen, wir definieren Hospitality neu und antizipieren die Gästebedürfnisse. Mit dem Launch von Accor Live Limitless (ALL) im vergangenen Jahr, haben wir hier einen großen Schritt nach vorn gemacht.

Die neuen, veränderten Kundenbedürfnisse kommen insbesondere in der Generation Z sehr deutlich zum Vorschein. Hier kommen andere Werte ins Spiel: Diese junge Zielgruppe ist als Digital Natives in einer globalisierten und hypervernetzten Welt großgeworden. Ein Lebenskonzept abseits der Möglichkeiten des Internets ist der Generation Z weitestgehend fremd. Ihre Lebensphilosophie unterscheidet sich grundlegend von der älterer Generationen, in ihrem Kern stecken Multikulturalität, Offenheit und Flexibilität.

Digitale Nomaden und Influencer

Digitalisierung ist einer der Schlüsselfaktoren: Als individualistische, digitale Nomaden entschließen sich junge Menschen immer häufiger, allein zu reisen, um Inspiration und einzigartige Erfahrungen zu sammeln. Die Online-Welt ist dabei für sie genauso real und relevant wie echte Erlebnisse. Urlaubsziele werden etwa nicht nur durch Empfehlungen von Freunden, sondern auch durch Influencer stark beeinflusst. Umso wichtiger ist es, dass wir als Hospitality-Anbieter auf neuen Kanälen präsent sind. So können wir Botschaften und Bildwelten mitgestalten, die mit den Einstellungen der Generation Z im Einklang stehen. Personalisierung und Digitalisierung unserer Hotels sind essentiell, um auch in Zukunft Kundenbindung zu schaffen.

Ein in diesem Zusammenhang wichtiger Aspekt, der tief im Selbstverständnis der Generation Z verankert ist und der noch wichtiger werden wird, ist die Nachhaltigkeit. Bekenntnisse zum Klimaschutz und zur ethischen Verantwortung rücken in den Fokus. Hier sind wir als Branche gefordert, neue, umweltverträgliche Lösungen und Konzepte zu entwickeln und den ökonomischen Herausforderungen entschlossen zu begegnen.

Weltoffenheit, Toleranz, Innovation

Gleichzeitig verbirgt sich hier auch eine Chance: Kunden wollen Produkte und Dienstleistungen von nachhaltigen Marken konsumieren, die sich dem Umweltschutz verschrieben haben. Bei Accor haben wir uns beispielsweise dazu verpflichtet, bis 2022 alle Einweg-Plastikprodukte für unsere Gäste weltweit abzuschaffen. Ebenso haben wir in Frankreich eine neue Marke ins Leben gerufen – greet, eine Marke für Reisende, die besonders auf einen schonenden Umgang mit Ressourcen achten wollen.

Doch die Generation Z ist nicht nur Zielgruppe für Angebote und Produkte. Eine der größten Herausforderungen besteht jetzt schon darin, diese Generation für unsere wunderbare Branche gewinnen zu können. Hoteliers müssen sich mehr darauf fokussieren, wofür Tourismus steht: Weltoffenheit, Toleranz, Abwechslung und Innovation. Wir müssen mehr Bewusstsein dafür schaffen, dass die Hotellerie internationale Mobilität ermöglicht. Es liegt an uns allen gemeinsam, neue Talente zu gewinnen. Die Accor Academy hilft uns, junge Leute anzuziehen und zu binden. Sie unterstützt unsere Talente dabei, zu wachsen und sich beruflich weiterzuentwickeln.

Die Zukunft der Hotelindustrie bringt Chancen und Herausforderungen mit sich – wir sehen uns mit einem wachsenden Markt und steigender Konkurrenz konfrontiert, was zu begrüßen ist. Die Bedürfnisse und Werte unserer Kunden ändern sich, weshalb Hoteliers innovativ bleiben müssen, um ihre Position zu sichern. Es ist sicherlich eine aufregende Zeit für die Branche – ich freue mich sehr auf das, was vor uns liegt!

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