Strategie: Accorhotels baut Führungsriege um
Strategie

Accorhotels baut Führungsriege um

Accorhotels/Christian Böhm
Das Führungsteam für Europa: (von links) Fabien Valentin, Jean-Jacques Dessors, Daniela Schade, Laurent Picheral und Volkmar Pfaff.
Das Führungsteam für Europa: (von links) Fabien Valentin, Jean-Jacques Dessors, Daniela Schade, Laurent Picheral und Volkmar Pfaff.

Stuttgart. „Ich brauche Cash für Investment und Technologie“, hatte Accorhotels-CEO Sébastien Bazin erst im März auf dem International Hotel Investment Forum (IHIF) in Berlin erneut

Stuttgart. „Ich brauche Cash für Investment und Technologie“, hatte Accorhotels-CEO Sébastien Bazin erst im März auf dem International Hotel Investment Forum (IHIF) in Berlin erneut unterstrichen. Buchungsplattformen wie die OTAs oder Airbnb würden seinem Unternehmen etwas wegnehmen – und sie wüchsen im Schnitt drei- bis viermal so schnell wie die Hotelgruppe. Dabei wolle keines dieser Unternehmen Mitarbeiter oder Immobilien in der Bilanz haben. Als Antwort darauf baut Bazin seine Gruppe weiter zum touristischen Dienstleistungsunternehmen in den Bereichen Hotelmanagement und Reiseplattform um.

Öffnung für externe Investoren



Im Rahmen des sogenannten Booster-Projekts von Accorhotels sollen aus den beiden 2013 geschaffenen Geschäftsbereichen Hotelinvest und Hotelservices zwei verschiedene rechtliche Gesellschaften werden. Unter Hotelinvest, das für externe Investoren geöffnet werden soll, fallen alle Hotelimmobilien im Eigentum sowie die Pachtverträge. In seiner neuen Form wird Accorhotels die Häuser von Hotelinvest (künftig Accorinvest genannt) sowie Hotels anderer Partner in Zukunft unter Managementverträgen betreiben. „Wir werden zum einen Asset Light, weil der Markt, das heißt Investoren und Analysten, Immobilien und Hotelaktivitäten unter einem Dach nicht bewerten können“, so Bazin in Berlin. Zum anderen sei Hotelinvest sehr erfolgreich und besitze inzwischen Immobilien im Wert von über 8 Mrd. Euro. Dieser Teil müsse wachsen, doch fehlten ihm die Mittel, Geld in beide Bereiche zu stecken.

Bekannte Namen neu gemischt



Dieser Umbau bringt auch in Zentraleuropa mit Deutschland im Zentrum personelle Veränderungen. Die Verantwortungsbereiche wurden jetzt unter bekannten Gesichtern neu gemischt: Gleichberechtigte COO für Hotelservices Accorhotels Central Europe sind Daniela Schade, Volkmar Pfaff und Fabien Valentin. Von München aus berichten sie an Jean-Jacques Dessors in Paris, CEO Hotelservices Accorhotels Europe. Nach Abschluss des Booster-Projekts soll dieses Trio künftig als Geschäftsführung von Accorhotels auf dem deutschen und zentraleuropäischen Markt agieren.

Hotelinvest, das aus der heutigen Accorhotels Germany GmbH hervorgeht und nach Abschluss des Booster-Projekts – voraussichtlich im Juli – in Accorinvest umbenannt werden soll, wird bis auf Weiteres von Laurent Picheral (neben seiner Funktion als Global Deputy CEO/COO Hotelinvest Accorhotels) als Vorsitzender der Geschäftsführung geleitet. Er berichtet an John Ozinga, CEO Hotelinvest Accorhotels. Bis zur Trennung der Gesellschaften sind weiterhin Michael Verhoff als Arbeitsdirektor, Daniela Schade und Fabien Valentin im Team.

Aufgabe von Hotelinvest ist es, das bestehende Hotelportfolio mittels Verkäufen, Betriebsumwandlungen und Käufen zu optimieren und mit dadurch die Entwicklung von Accorhotels zu unterstützen. Seit Amtsantritt von CEO Sébastien Bazin vor rund drei Jahren hat Accorhotels zahlreiche Investitionen in die Markenvielfalt – etwa Übernahmen im Luxusbereich mit FRHI – sowie in Reisetechnologie getätigt. Zudem startete das Unternehmen 2014 seine digitale Strategie. Gerade erst übernahm die Gruppe mit Availpro einen europäischen Marktführer für digitale Services für unabhängige Hotels. Davor hatte die Gruppe angekündigt, die Luxus-Reiseplattform VeryChic zu übernehmen und sich an dem Event-Anbieter Potel & Chabot zu beteiligen. Das Geschäft von Accorhotels soll laut Bazin künftig auf drei Säulen beruhen: Erstens Hotelbetreiber, Marke und Netzwerk, zweitens Entwicklung und drittens Reiseservice. Die letzten zwei Säulen sollen 15 bis 30 Prozent zum Umsatz beisteuern. Dafür werden auch neue Wege getestet, wie Dienstleistungen, die Hotels für ihre direkte Nachbarschaft erbringen können, etwa Paketannahmen. An einem Pilotprojekt beteiligen sich derzeit zehn Hotels in Paris.

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