Das war das vierte Quartal 2021

Der Fachkräftemangel ist ein zentrales Thema, einige Gastgeber preschen mit attraktiven Arbeitsmodellen vor. Olaf Scholz wird Kanzler und die Corona-Pandemie verschärft sich erneut.

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Passend zum Jahresende lassen wir das Jahr 2021 noch einmal Revue passieren. Hier kommen ausgewählte Themen, die die Branche im vierten Quartal bewegten.

Oktober

Ehre für das Ruby Luna
Das Ruby Luna in Düsseldorf erhält im Oktober beim 196+ hotelforum in München die begehrte Auszeichnung Hotelimmobilie des Jahres. Überzeugt hat die Jury die Übersetzung der Aufbruchstimmung der 1960er-Jahre in eine interessante Geschichte und das erprobte Ruby-Design mit hochwertiger Ausstattung und Fokus auf das Wesentliche. Durch die Umnutzung der ehemaligen Büroimmobilie in ein Hotel punktet das Ruby Luna auch im Bereich Nachhaltigkeit. Unterdessen will Ruby weiter expandieren. Im Gespräch mit der ahgz verrät CEO Michael Struck, dass er außer europäischen Metropolen auch New York fest im Blick hat. Einen Schritt weiter ist da schon Mitbewerber Motel One. Im kommenden Jahr ist dort die Eröffnung eines Hotels der Budgetdesign-Marke geplant.


Mitarbeiter verzweifelt gesucht
Der Mitarbeitermangel im Gastgewerbe ist eines der ganz großen Themen des Jahres. Beim Partnertreffen der Vereinigung Fair Job Hotels
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dominiert er die Diskussionen, und die ahgz widmet diesem unerfreulichen Umstand im Oktober ihre Titelgeschichte mit der unmissverständlichen Headline „Ihr fehlt uns!“. Mehr als 300.000 Stellen sind auch, aber nicht nur wegen Corona verlorengegangen. Viele Gastgeber bieten darum nicht mehr alle Services an, verkleinern die Speisekarten, verkürzen die Öffnungszeiten. Um Jobs im Gastgewerbe attraktiver zu machen, werden neue Wege erwogen und ausprobiert. Wie etwa die 4-Tage-Woche und weitere Schritte hin zu mehr Work-Life-Balance. Dass eine auskömmliche Bezahlung eine der Grundvoraussetzungen ist, um gute und motivierte Mitarbeiter zu bekommen, ist für umsichtige Arbeitgeber mittlerweile selbstverständlich.

Königshof verkauft
Schon im Sommer wird bekannt, dass die Familie Geisel sich von dem im Bau befindlichen neuen Hotel Königshof in München trennen will. Corona fordert seinen Tribut. Geisels konzentieren sich lieber auf ihre anderen Objekte (u. a. Beyond, Excelsior), statt in unsicheren Zeiten einen teuren Neubau zu stemmen. Neuer Eigentümer der Immobilie wird im Oktober die INKA Karlsplatz GmbH, die einem Zweig der prominenten Münchner Unternehmerfamilie Inselkammer gehört. Firmenchef Hans Inselkammer will das Luxushotel bis 2023 fertigstellen. Zurzeit ist er auf der Suche nach einem geeigneten Betreiber, der Haus mit einer klangvollen internationalen Marke erfolgreich im Markt positioniert.
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Tantris ist zurück
Nach zehnmonatiger Generalsanierung öffnet im Oktober Münchens legendäres Gourmetrestaurant Tantris wieder seine Türen. Es heißt jetzt Tantris Maison Culinaire und vereint zwei Restaurants und eine Bar unter einem Dach. Verantwortlich für das Konzept ist Matthias Hahn, zuvor rechte Hand von Alain Ducasse. Hahns Credo: Ein kulinarisches Angebot, das zeitgemäß und tragfähig für die Zukunft ist, und das – in Bezug auf die französische Hochküche – die ganze Bandbreite der Kulinarik abdeckt. 


November

Estrel Tower wird Rekorde brechen
Nach zehn Jahren Planung wird für Ekkehard Streletzki aus Vision Wirklichkeit. Mit 176 Metern Höhe wird der als Mixed-Use-Konzept geplante Tower Berlins höchstes Hochhaus und Deutschlands höchstes Hotel. Eröffnung ist 2024.


Im Herbst bricht die vierte Welle über Hoteliers und Gastronomen in Deutschland herein. Trotz rund 70 Prozent doppelt Geimpfter schnellen die Inzidenzwerte nach oben. Die Länder reagieren darauf unterschiedlich hart. Ein Regelwirrwarr ist die Folge. Eine weitere Reform des bundesweiten Infektionsgesetzes soll für mehr Einheitlichkeit sorgen.
Corona greift wieder an


Dezember

Olaf Scholz ist Bundeskanzler
Am 8. Dezember wählt der Bundestag mit den Stimmen von SPD, Grünen und FDP Olaf Scholz (SPD) zum Bundeskanzler. Was hält die Ampel für
Olaf Scholz (SPD), Bundeskanzler
Olaf Scholz (SPD), Bundeskanzler
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das Gastgewerbe bereit? Fest steht: Der Mindestlohn in Höhe von 12 Euro wird kommen, und die analoge Meldepflicht soll abgeschafft und digitalisiert werden. Außerdem will die Koalition die Gewinnung ausländischer Fachkräfte für die deutsche Tourismusbranche durch den Abbau bürokratischer Hürden erleichtern. Zur Mehrwertsteuersenkung für Speisen und Getränke in der Gastronomie und deren Entfristung findet sich hingegen nichts in den Plänen der Regierung. Die wichtigste Aufgabe jedoch wird sein, das Land aus der Coronakrise zu führen, von der Gastgewerbe und Tourismus besonders betroffen sind. Eine „Nationale Plattform Zukunft des Tourismus“ ist angekündigt. Die Branche erwartet weitere Hilfen und eine geradlinige und verlässliche Corona-Politik.
 



Aus für Weihnachtsmärkte
Wegen stetig steigender Corona-Inzidenzwerte werden ab Ende November nach und nach fast alle Weihnachtsmärkte abgesagt. Ein Drama für Schausteller und Standbetreiber. Auch Hoteliers und Gastronomen in den Weihnachtsmarkt-Destinationen fehlt das Geschäft mit den Besuchern. Hinzu kommt, dass die Auflagen für die Gastronomie stetig verschärft werden und gebuchte Weihnachtsfeiern weitgehend abgesagt werden. Als Reaktion darauf verlängert die Bundesregierung den Instrumentenmix aus Kurzarbeitergeld und Corona-Wirtschaftshilfen bis Ende März 2022. 

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