Branchenpolitik: An der Autobranche ein Beisp...
Branchenpolitik

An der Autobranche ein Beispiel nehmen

Thomas Fedra
Oettinger: „Wenn die Politik falsche Werte verkörpert, ist die Wirtschaft unmittelbar betroffen.“
Oettinger: „Wenn die Politik falsche Werte verkörpert, ist die Wirtschaft unmittelbar betroffen.“

Beim Deutschen Hotelkongress in Berlin hat Günther Oettinger, EU-Kommissar für Haushalt und Personal, die Hotellerie als mächtige einflussreiche Branche gewürdigt: „Sie können stolz sein auf

Beim Deutschen Hotelkongress in Berlin hat Günther Oettinger, EU-Kommissar für Haushalt und Personal, die Hotellerie als mächtige einflussreiche Branche gewürdigt: „Sie können stolz sein auf ihre Verdienste und ihre Wirtschaftskraft.“ Allerdings appellierte er in seiner Keynote auch an die mehr als 700 Teilnehmer, sich nicht auf ihrem Wachstum auszuruhen. Eine starke Wirtschaft sei keine Selbstverständlichkeit, aber die Voraussetzung dafür, dass sich Deutsche auch Aufenthalte im Gastgewerbe leiten könnten.

Oettinger forderte die Branche auf, aktiv und offensiv für europäische Werte einzutreten. „Die EU steht für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, soziale Marktwirtschaft, Meinungsfreiheit und Pressefreiheit“, schmetterte Oettinger in den Saal. Protektionismus und Populismus bedrohen diese Ordnung. Ich merke noch zu viel Gelassenheit, weil es uns allen gut geht.“

Anschließend war es im Saal mucksmäuschenstill. Am Beispiel der Türkei verdeutlichte Oettinger anschaulich den Zusammenhang zwischen politischem System und stark sinkenden Gäste- und Übernachtungszahlen. „Wenn die Politik falsche Werte verkörpert, ist die Wirtschaft unmittelbar betroffen. In diesem Fall sind Investoren und der Tourismus einfach weg.“ Anders als in einer Diktatur biete die EU der Hotellerie als Friedensunion, aber auch als größter weltweiter Binnenmarkt riesige Vorteile, die es zu verteidigen gelte. Oettinger ist davon überzeugt, dass Deutschland als größte Volkswirtschaft innerhalb der EU klares Sprachrohr sein muss für ein starkes internationales Auftreten. Doch auch in Deutschland solle man für eigene Überzeugungen kämpfen. Die Hotellerie könne sich an der Autobranche ein Beispiel nehmen, wie gesellschaftlicher Einfluss aussehen kann.

Auch IHA-Präsident Otto Lindner würde die Hotellerie gern politischer und einsatzfreudiger sehen. „Die Bauern kippen Gülle vor den Bundestag. Ich würde Hoteliers auch gern einmal auf der Straße sehen.“

Gerade für das Bundestagswahljahr will Linder die Hotellerie sensibilisieren und sieht er es „als wichtiges Projekt“, einen Positionscheck der politischen Parteien zu wichtigen Branchenthemen in Zusammenarbeit mit dem DEHOGA voranzutreiben. Die Brennpunktthemen lauten: Der reduzierte Mehrwertsteuersatz für die Hotellerie und deren Ausweitung auf die Gastronomie, die Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes und die Abschaffung der Bettensteuer. „Wenn solche Steuereinnahmen nicht zur Förderung des Tourismus hergenommen werden, sondern ins große schwarze Loch der Kommunen fließen, dann macht das keinen Sinn.“

Günther Oettinger nutzte zudem die Gelegenheit, Denkanstöße zur Digitalisierung zu geben. Haben Sie in Ihren Betrieben neben einem Sommelier auch einen Datenexperten? Bitte werden Sie zum Datensammler!“, forderte Oettinger die Hoteliers auf. Warum? Sie geben Aufschluss über das Gästeverhalten, aus dem wiederum wegweisende unternehmerische Entscheidungen ablesbar sind.

Auch beim Thema Homepage hatte Oettinger einen schlagkräftigen Vergleich parat: „Regelmäßig erneuern Sie Ihre Speisekarten und bereiten Sie ansprechend für den Gast auf. Aber wenn ich mir da so manche Webseite ansehe, dann verstehe ich die Welt nicht mehr“, sagte Oettinger. So lautete der Schlussappell: „Geben Sie sich mit Ihrer Unternehmensseite die gleiche Mühe wie mit der Speisekarte.“

Alexandra Leibfried

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