Krisenmanagement in Österreich: Sebastian Kur...
Krisenmanagement in Österreich

Sebastian Kurz: "Mit Tests gibt es ein Stück weit mehr Freiheit als ohne"

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Negativer Coronatest: In vielen Berufsbereichen wird in Österreich inzwischen regelmäßig auf Corona getestet
Negativer Coronatest: In vielen Berufsbereichen wird in Österreich inzwischen regelmäßig auf Corona getestet

Der österreichische Bundeskanzler setzt inzwischen auf eine hochfrequente Teststrategie. Trotz vorsichtiger Öffnungen hält sich das Ansteckungsgeschehen so bisher in Grenzen. Zudem macht er sich für einen digitalen Impfpass nach dem Vorbild Israels stark.

Trotz des Beginns der dritten Corona-Welle in Europa will der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) seinen Kurs der vorsichtigen Öffnungen fortsetzen. Kurz sagte in einem Interview mit "Bild live": "Wir setzen sehr stark auf das Konzept der Tests. Rund ein Viertel unserer Bevölkerung wird wöchentlich getestet." Das sei kein Allheilmittel, aber: "Wir schaffen es, dadurch das Wachstum (der Infektionszahlen) zu bremsen und die Öffnungsschritte vorsichtig vorzunehmen. Also mit Tests gibt es ein Stück weit mehr Freiheit als ohne Testungen." Derzeit habe man das Ansteckungsgeschehen trotz der Öffnungsschritte ganz gut unter Kontrolle.

Verpflichtung zum Tragen einer FFP2-Maske

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen hat sich in Österreich bei durchschnittlich rund 1786 Fällen täglich eingependelt (Durchschnittswert aus den letzten 7 Tagen). Derzeit gibt es laut der Östereichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) 24.703 aktive Corona-Fälle in Österreich. Wien meldet mit 409 aktiven Corona-Fällen je 100.000 Einwohner den aktuell höchsten Stand der österreichischen Bundesländer, Vorarlberg verzeichnet mit 114 aktiven Corona-Fällen je 100.000 Einwohner den derzeit niedrigsten Wert (Stand 25.2.2021).

Seit dem 12. Februar 2021 hat Österreich das öffentliche Leben unter stregen Regelungen zum Teil wieder hochgefahrenAlle Geschäfte sind geöffnet, die maximale Öffnungszeit gilt von 6 bis 19 Uhr. Pro Kundin/Kunde muss eine Fläche von 20 Quadratmetern verfügbar sein. Und es gibt die Verpflichtung zum Tragen einer FFP2-Maske (oder einer gleichwertigen Maske). Gleiches gilt für alle Dienstleistungen.

Für körpernahe Dienstleistungen (z.B. Frisör, Massage, Pediküre) gilt zusätzlich: Vor Inanspruchnahme muss ein negatives PCR- oder Antigentestergebnis vorgelegt werden. Der Test (Zeitpunkt der Probenahme) darf nicht älter als 48 Stunden sein. Pro Kundin/Kunde reicht hier eine Fläche von 10 Quadratmetern. Auch Museen, Bibliotheken, Büchereien und Archive sind geöffnet, Tierparks, Zoos und botanische Gärten ebenso. Auch für diese Bereiche gelten strenge Abstands- und Quadratmeterregeln.

Wöchentliche Berufsgruppentestungen

Das Gastgewerbe hingegen befindet sich weiter im Lockdown. Hotelübernachtungen sind nur in Ausnahmefällen und dann nur aus beruflichen Gründen möglich. Die Gastronomie darf Speisen zur Abholung von 6 bis 19 Uhr anbieten. Bei Abholungen von Speisen gilt die Verpflichtung zum Tragen einer FFP2-Maske (oder einer gleichwertigen Maske) für alle Beteiligten. Lieferservice ist täglich und rund um die Uhr möglich.

Darüber hinaus gilt für sämtliche Bereiche des öffentlichen Lebens eine umfassende Verpflichtung zum Tragen einer FFP2-Maske (oder einer gleichwertigen Maske). Wöchentliche Berufsgruppentestungen sind ergänzend zu den schon bisher verpflichtenden Testungen im Gesundheits- und Pflegebereich für die folgenden Bereiche vorgesehen: Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Kontakt zu Kundinnen/Kunden (z.B. Handel, Dienstleistungen, Verkehr), Lehrerinnen und Lehrer und Elementarpädagoginnen und -pädagogen bei Kontakt zu Schülerinnen und Schülern, in der Lagerlogistik, wenn Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter den Mindestabstand regelmäßig unterschreiten, im Öffentlicher Dienst (bei Parteienverkehr) sowie im Spitzensport (bei Mannschafts- und Kontaktsportarten).

Impfpass nach dem Vorbild Israels

Indes wirbt Sebastian Kurz auf europäischer Ebene für einen Impfpass nach dem Vorbild Israels: "Ich setze mich dafür ein, dass wir in Europa einen grünen Pass zusammenbringen, wie es ihn in Israel gibt, am besten digital am Handy, wo jeder wieder alle Freiheit zurückbekommt, die wir so sehr schätzen." Es geht Kurz dabei aber nicht nur um Geimpfte: "Wer geimpft ist, der soll volle Freiheit haben, aber genauso auch jene, die gerade Corona hatten und von daher immun sind, und auch all jene, die einen Test machen und durch den Test nachweisen können, dass sie negativ sind." (mit Material von Reuters)

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