Interview: Gudrun Münnich, Präsidentin des DE...
Interview: Gudrun Münnich, Präsidentin des DEHOGA Thüringen

„Azubi-Zahl sinkt dramatisch“

DEHOGA Thüringen
Gudrun Münnich: „Jeder vierte Gastwirt klagt über sinkende Beschäftigtenzahlen.“
Gudrun Münnich: „Jeder vierte Gastwirt klagt über sinkende Beschäftigtenzahlen.“

Der jüngste DEHOGA-Konjunkturbericht beschreibt die Lage als „weitgehend optimistisch“. Andererseits sank die Zahl der Unternehmen in der Branche dramatisch ... Münnich: Das ist nicht zu

Der jüngste DEHOGA-Konjunkturbericht beschreibt die Lage als „weitgehend optimistisch“. Andererseits sank die Zahl der Unternehmen in der Branche dramatisch ...



Münnich: Das ist nicht zu bestreiten: 2008 hatten wir 6819 Betriebe. Nach jüngster Landesstatistik sind es nur noch 5147. Während es aber nur 147 Beherbergungsbetriebe in diesen sechs Jahren weniger wurden, verloren wir in der Gastronomie 1525 Betriebe. Hauptgrund dafür ist – vor allem in der Gastronomie – die traditionelle Kleinteiligkeit. Die spiegelt sich in Thüringen allerdings auch in anderen Bereichen wider. Ich denke da ans Handwerk.

Woher dann der Optimismus?



Münnich: Fast 60 Prozent der befragten Gastwirte sprachen von „guten Aussichten“. Da ließe sich zwar fragen, ob das Glas halb leer oder halb voll ist. Die Antwort gibt der Vergleich mit dem Vorjahr. Da waren es zum Beispiel nur 22,4 Prozent, die eine „gute“ Perspektive sahen. Unter den Hoteliers ist die Stimmung eher eingetrübt, weil die Übernachtungszahlen – gegen den bundesweiten Trend – stagnieren. Deshalb sank auch deren Stimmungsindex binnen Jahresfrist von 57,4 auf 52,1 Punkte. Gastronomen und Hoteliers leiden zudem unter ausufernder Bürokratie und kämpfen mit ständig wachsendem Personalmangel. Das ist die andere Seite der Medaille. So haben zwar zwei Drittel der Unternehmen ihre Personalstärke halten können. Aber jeder vierte Gastwirt klagt über sinkende Beschäftigtenzahlen. Nicht, weil es Entlassungen gab, sondern weil Stellen frei werden und es dafür keine Interessenten gibt.

Was sind die Gründe?



Münnich: Ein Grund ist, dass 45 Prozent der Unternehmer unserer Branche älter als 55 Jahre sind. Uns stehen also in den nächsten Jahren viele Firmenübergaben bevor, für die zusätzlich Fachkräfte gebraucht werden. Ein anderer Grund ist, dass die Zahl der Auszubildenden dramatisch sinkt. 2016 waren es rund 1200. Das ist ein Drittel gegenüber der Quote vor einem Jahrzehnt.

Thüringens Handwerk bilanziert ähnliches. Auch dort sind Lehrstellen unbesetzt, droht der Verlust von Arbeitsplätzen, weil die Unternehmensnachfolge nicht klappt. Welche Rezepte hat der DEHOGA?



Münnich: Stimmt, da gibt es tatsächlich Parallelen. Deshalb unterscheiden sich unsere Ideen und Konzepte gar nicht so sehr. Auch wir tun alles, damit unsere Branche attraktiver wird. Deshalb kürten wir im Vorjahr erstmals die „Gastgeber des Jahres“. Wir zeichnen einen Thüringer Hotelier, einen Gastronom und die Innovation des Jahres aus. Damit wollen wir mehr Wertschätzung in der Öffentlichkeit für unsere Branche, für deren Macher schaffen. Ebenso wichtig ist uns das Thema Weiterbildung. Die fördert die Mitarbeiterbindung, da bin ich mir sicher. Für solche Qualifizierungen haben wir unter anderem unser Kompetenzzentrum in Erfurt. Zusätzlich handelten wir für unsere Initiative „Weiterbilden“ mit der NGG einen Sozialpartnertarifvertrag aus. Die Arbeit wird mit der Gewerkschaft koordiniert und das Projekt ist anteilig vom Bund finanziert. Deshalb können wir auch Bildungsangebote in den Regionen anbieten. Großem Zuspruch erfreute sich auch die Reihe „WissensWert“, bei der es 2016 vor allem um sichere Kassen ging oder – speziell für Hoteliers – um das Thema Umsatzsteuern nach dem Parkplatz-Urteil des Bundesfinanzhofes.

2017 ist Wahljahr beim Thüringer DEHOGA – und die Präsidentin tritt nicht mehr an ...



Münnich: Wer schon einmal ehrenamtlich tätig war, weiß, was das bedeutet. Ich habe mich jetzt 16 Jahre engagiert und das Amt immer voll ausgefüllt. Das war eine spannende, erlebnisreiche Zeit voller Herausforderungen. Und es hat mir auch unheimlich viel Spaß gemacht. Aber jetzt ist es an der Zeit, den Staffelstab an jüngere Kollegen zu übergeben. Die haben neue Ideen, gehen ganz sicher andere Wege als wir bisher. Das wird unserer Branche gut tun. Zudem muss auch ich mich darum kümmern, dass es in der Krone, meinem Landgasthof und Hotel, weitergeht und sie bald in gute Hände kommt.

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