BAT-Reiseanalyse: Urlaub zwischen Hoffen und ...
BAT-Reiseanalyse

Urlaub zwischen Hoffen und Bangen

Colourbox.de
Unbeschwert reisen? Zurzeit leider nicht möglich. Dennoch schmieden viele Reisewillige bereits Pläne.
Unbeschwert reisen? Zurzeit leider nicht möglich. Dennoch schmieden viele Reisewillige bereits Pläne.

Noch ist offen, wann Urlaubspläne wieder umgesetzt werden können. Dennoch plant bereits jetzt fast die Hälfte der Bundesbürger, in diesem Jahr wieder zu verreisen. Jeder Fünfte will sogar mehrmals die Koffer packen. Ein Drittel der Bevölkerung sei noch unentschlossen und warte die weitere Entwicklung ab.

Sicher ist auf Basis der Daten der 37. Deutschen Tourismusanalyse der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen nur, dass ein knappes Viertel der Bevölkerung 2021 gar nicht verreisen will. "Die Deutschen sind vorsichtig optimistisch", sagt Ulrich Reinhardt, Zukunftswissenschaftler und Wissenschaftlicher Leiter der „Stiftung für Zukunftsfragen – eine Initiative von British American Tobacco“ (BAT).


Dabei sei Sicherheit die Grundvoraussetzung beim Reisen. "Solange die Angst sich zu infizieren, krank zu werden oder im Urlaub gar ärztliche Hilfe zu benötigen, im Hinterkopf ist, werden viele Bundesbürger mit einem unguten Gefühl unterwegs sein oder gleich ganz zu Hause bleiben", so der wissenschaftliche Leiter. 50 Prozent der Befragten hätten nach eigenen Angaben das Reisen 2020 nicht vermisst. Für 70 Prozent der Bürger sei Reisen während der Pandemie ein egoistisches Verhalten und zeige, dass Urlauber nicht an das Gemeinwohl denken würden. Reinhardt: "Lockdowns, Reisewarnungen und Beherbergungsverbote haben das Reisen verändert."
„In Zukunft wird alles wieder gut. Die Frage ist nur: wann?“
Ulrich Reinhardt, Zukunftswissenschaftler und Wissenschaftlicher Leiter der „Stiftung für Zukunftsfragen“

Und so haben die Auswirkungen der Corona-Pandemie 2020 zu einem Einbruch geführt, den es in der modernen Geschichte des Reisens bisher noch nicht gegeben hat. Nur noch 37 Prozent der Bundesbürger - und damit rund 40 Prozent weniger als 2019 - waren 2020 wenigstens 5 Tage im Urlaub verreist. Mehr als die Hälfte aller Urlaubsreisen fand in Deutschland statt. Betrachtet man allein die Marktanteile, so wuchs der Anteil der Inlandsreisen im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 20 Prozentpunkte auf 56 Prozent. Dabei konnten Bayern, Niedersachsen und Baden-Württemberg ihre Marktanteile in etwa verdoppeln. Auf Grund der Reisebeschränkungen konnten aber auch andere Gebiete in Deutschland ihre Marktanteile erhöhen. Reinhardt: "In Hamburg urlaubten genau so viele Deutsche wie in ganz Frankreich." In den Urlaubsgebieten an der Küste machte sich die Konzentration auf den Inlandsurlaub nicht so stark bemerkbar, da viele Hotels in den Sommermonaten ausgebucht waren.

Deutsche Reiseziele besonders gefragt

Im europäischen Ausland waren die Nachbarländer Österreich, Polen und Skandinavien die beliebtesten Urlaubsziele. Alle diese Regionen zeichnete aus, dass die Urlauber mit ihrem eigenen Auto dort hinfahren konnten, dass sie nicht von Flugverbindungen abhängig waren, dass es keine Pauschalreiseziele sind und dass den Urlaubern ein Gefühl der Sicherheit vor Infektionen vermittelt werden konnte.

Auch in diesem Jahr werden deutsche Reiseziele laut Reinhardt wieder in der Gunst der Urlauber ganz vorn liegen. Allerdings nimmt die Präferenz für Inlandsdestinationen von 55 Prozent im Jahr 2020 auf nur 34 Prozent in diesem Jahr ab. "Es besteht die Gefahr, dass gewonnene Marktanteile wieder verschwinden", sagt Reinhardt. Außerdem sei die Wahrscheinlichkeit groß, dass viele klassische Urlaubsziele in Deutschland in der Hochsaison wieder an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen werden. 

Vorsicht bei massiven Preissteigerungen

Der Wissenschaftler warnte Hoteliers und Gastronomen auch davor, zu sehr an der Preisschraube zu drehen. 2020 kostete ein Urlaubstag in Deutschland durchschnittlich mit knapp 100 Euro mehr als ein Tag im europäischen Ausland. Ein Urlaub in Deutschland kostete 2020 durchschnittlich 801 Euro, während man in Polen nur 467 Euro bezahlen musste. Auf der anderen Seite verkürze sich die Verweildauer immer mehr und erreichte mit nur noch 8,1 Tagen im vorigen Jahr in Deutschland einen bisherigen Tiefpunkt. Reinhardt prognostizierte aber, dass die durchschnittliche Reisedauer sich bis zum Jahr 2025 wieder auf 12 Tage verlängern werde. Wichtig für den Inlandstourismus sei es, dass die Saison wieder verlängert werde.
„Das Miteinander steht im Vordergrund.“
Ulrich Reinhardt, Zukunftswissenschaftler und Wissenschaftlicher Leiter der „Stiftung für Zukunftsfragen“

Der Professor wies auch darauf hin, dass sich im Zuge der Pandemie die Prioritäten der Deutschen verändert hätten. Drei Viertel der Befragten wollten Urlaub mit der Familie und Freunden machen. Es gebe einen Trend zu mehr Gemeinschaft und Geselligkeit: "Das Miteinander steht im Vordergrund."
Für die längerfristigen Aussichten der Reisebranche gab sich Reinhardt optimistisch. Bisher habe sich der Tourismus von Krisen wie die Golfkriege, die Terroranschläge am 11. September 2001 oder die Finanzkrise 2009 schnell wieder erholt. Die Touristen hätten solche Krisen schnell wieder vergessen. Reinhardt: "In Zukunft wird alles wieder gut. Die Frage ist nur: wann?"

stats