Bayern: Corona schädigt den Tourismus massiv
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Corona schädigt den Tourismus massiv

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Das vergangene Jahr war schrecklich für die Tourismusgemeinden in Bayern (hier Nesselwang). Und 2021 ist in diesen Tagen nicht besser. Bleibt die Hoffnung auf Frühling und Sommer.
Das vergangene Jahr war schrecklich für die Tourismusgemeinden in Bayern (hier Nesselwang). Und 2021 ist in diesen Tagen nicht besser. Bleibt die Hoffnung auf Frühling und Sommer.

Für die bayerische Tourismuswirtschaft war 2020 ein katasrophales Jahr. Drei Viertel der gastgewerblichen Betriebe sind existenziell gefährdet. Der zuständige Minister Hubert Aiwanger pocht auf eine Öffnungsperspektive, die für Planungssicherheit sorgt.

Der Tourismus in Bayern ist in Folge der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr stark eingebrochen. Bayerns Wirtschafts- und Tourismusminister Hubert Aiwanger: "Für den Tourismus in Bayern war 2020 mit Ausnahme einiger Sommermonate ein katastrophales Jahr. Zwei Lockdowns, von denen einer noch immer andauert, haben die Branche stellenweise fast vollständig zum Erliegen gebracht."
Bei der Vorstellung der Tourismusbilanz 2020 forderte der Minister die Bundesregierung auf, für touristische Betriebe eine faire, faktenbasierte Öffnungsperspektive zu erarbeiten. Darunter fallen iinsbesondere auch die Unternehmen der Hotellerie und Gastronomie.
Hilfen für bayerische Hotels und Gaststätten
Aiwanger mahnte Rahmenbedingungen an, die den Betrieben ein erfolgreiches Wirtschaften ermöglichen: "Der Bund muss den steuerlichen Verlustrücktrag auf mehrere Jahre ausweiten und die Spielräume der europäischen Arbeitszeitrichtlinie nutzen. Auch der ermäßigte Mehrwertsteuersatz, der dankenswerterweise jetzt bis Ende 2022 verlängert wurde, muss dauerhaft beibehalten und auf Getränke ausgedehnt werden."

Gästeankünfte im Vergleich zum Vorjahr um 50,4 Prozent eingebrochen.

Und so sieht die Bilanz des Tourismus in Bayern im Corona-Jahr 2020 aus: Die Zahl der Gästeankünfte ist im Vergleich zum Vorjahr um 50,4 Prozent eingebrochen. Statt 40 Millionen reisten nur rund 19,8 Millionen Personen an. Die Zahl der Übernachtungen sank von rund 101 Millionen auf knapp 60 Millionen, das entspricht einem Rückgang von 40,6 Prozent.
 
Von dem Rückgang sind alle Tourismusregionen des Freistaats betroffen, die Spannbreite reicht bei den Gästeankünften von minus 42,7 Prozent in Allgäu/Bayerisch-Schwaben bis minus 55,7 Prozent in München-Oberbayern. Besonders stark war der Einbruch in den Städten, die unter dem starken Rückgang von Geschäftsreisen sowie den Absagen von Messen und Events gelitten haben. Im Gegensatz dazu  konnten vor allem die ländlichen Regionen wenigstens ein paar ordentliche Sommermonate verbuchen. 
 
Aiwanger setzt deshalb für dieses Jahr auf eine starke Sommersaison: Bereits im vergangenen Jahr sei es gelungen, neue Zielgruppen wie junge Menschen und Familien als Gäste zu gewinnen. So konnten die ausbleibenden Auslandsgäste durch heimische Besucher teilweise zu kompensiert werden.

"Unverschuldet in der schwersten Krise seit dem Krieg"

Angela Inselkammer, Präsidentin des Dehoga Bayern, zur misslichen Lage der bayerischen Wirte und Hoteliers: "Das bayerische Gastgewerbe befindet sich unverschuldet in der schwersten Krise seit dem zweiten Weltkrieg, derzeit sehen über 74 Prozent ihren Betrieb durch die Coronakrise in seiner Existenz gefährdet, 24 Prozent denken bereits konkret über eine Betriebsaufgabe nach. Umso wichtiger war das Signal, die Reduzierung des Umsatzsteuersatzes auf Speisen zu verlängern. Hierdurch werden die Unternehmen in die Lage versetzt, nach einer Öffnung wieder Verluste auszugleichen, Schulden zu tilgen, gestundete Beiträge zu begleichen und wieder in eine Altersvorsorge, die oftmals im Rahmen des Überlebenskampfes aufgelöst werden musste, zu investieren. Hier kämpfen wir weiter für eine Entfristung auch nach 2022 und einen Einbezug von Getränken. Zugleich bedarf es jetzt aber auch dringend eines verlässlichen, transparenten Öffnungskonzeptes, das Planungssicherheit schafft. Ziel müssen erkenntnisbasierte Kriterien sein, die auch eine Differenzierung auf Basis der vorgehaltenen Hygiene- und Schutzkonzepte ermöglichen. Jetzt ist es an der Zeit, die Rahmenbedingen so zu verändern, dass Unternehmer sich aus eigener Kraft erholen können."
  Ankünfte und Übernachtungen 2010 bis 2020
Damit das auch eintritt, will die Bayern Tourismus Marketing GmbH den Tourismusstandort Bayern auf noch resilientere Beine stellen. Geschäftsführerin Barbara Radomski: "Wir setzen auch in Zukunft auf ein starkes Marketing und eine starke Kommunikation für das Reiseland Bayern. Und wir investieren verstärkt in die Digitalisierung des bayerischen Tourismus, die Vernetzung mit und innerhalb der Branche und die nachhaltige Entwicklung unserer bayerischen Destinationen. Wir sind überzeugt, dass wir mit diesem Vorgehen den Erfolg des Reiselandes Bayern langfristig sichern werden."

"Externer Schock unbekannten Ausmaßes"

Jürgen Schmude, Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Direktor des Departments für Geographie, analysiert: "Die Covid-19-Pandemie ist ein externer Schock unbekannten Ausmaßes für die bayerische Tourismuswirtschaft, die zu dauerhaften Veränderungen sowohl auf der Seite der touristischen Leistungsträger als auch der touristischen Nachfrage führen wird." Seine Prognose: Auf der Angebotsseite werden unter anderem "sichere" Produkte an Bedeutung gewinnen und es werden neue Geschäftsmodelle entstehen. Auf der Nachfrageseite wird sich das touristische Verhalten zumindest teilweise ändern, wobei das Reisebedürfnis und die die Reiselust ungebrochen bleiben.

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