Strategie: Bei Fusionen passt es nicht für je...
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Bei Fusionen passt es nicht für jeden

In der Hotellerie ist gerade Zukaufen angesagt. Ob Expansion oder Synergie einen Zusammenschluss treibt, ist wichtig für die Mitarbeiter und entscheidet, wie viele Köpfe im Anschluss rollen.

Eine Fusion jagt in der Hotellerie derzeit die nächste. Vom kleinen Deal bis zu Mega-Übernahmen wie 2015 Starwood durch Marriott, die FRHI Holding durch Accorhotels oder im vergangenen Jahr Carlson inklusive Rezidor durch HNA: Hinter jeder dieser Entwicklungen steckt eine Strategie, die dem übernehmenden Partner auf Dauer finanzielle Vorteile bringen muss. Große Einsparungen lassen sich beim Verhandeln von Einkaufskonditionen oder bei den Kommissionsverhandlungen mit OTAs erzielen. Bisweilen verschwinden Marken, in der Regel rollen Mitarbeiter-Köpfe – vorrangig im Bereich Geschäftsführung beziehungsweise Vorstand und bei weiteren leitenden Positionen.

Die Kosten für die Einrichtung der Synergien mit FRHI waren von Accorhotels damals mit 120 Mio. Euro beziffert worden, die daraus resultierenden Einsparungen auf Ebitda-Level mit jährlich 65 Mio. Euro. Marriott-CEO Arne Sorensen, der rund 12,2 Mrd. US-Dollar für Starwood bezahlte, erwartete laut Medienberichten ab dem zweiten Jahr nach der Fusion eine jährliche Kostenersparnis von mehr als 200 Mio. Dollar. Die HNA Tourism Group, die Carlson übernahm, kurz vor dem Übernahmeabschluss von Rezidor steht und sowohl 30 Prozent an der NH Hotel Group als auch 25 Prozent an Hilton hält, nennt zwar keine Zahlen. Doch Synergien in mehrstelliger Millionenhöhe werden gewiss ebenfalls erwartet. Im Personalbereich stehen durch das Zusammenlegen von Büros und die Reduzierung der Zahl führender Mitarbeiter immer Einsparungen auf dem Programm. Für Mitarbeiter im operativen Bereich der Hotels bringen derartige Fusionen in der Regel dagegen eher wenige Veränderungen mit sich. Die Zentrale der übernehmenden Gruppe bleibt meist Hauptsitz, neu gewürfelt wird vor allem bei den Regionalbüros. Bei Accorhotels oder Marriott wurden durch die Übernahmen bisher keine Marken eingestellt. Beide Unternehmen sind vielmehr dabei, ihre erweiterten Portfolien neu zu strukturieren. Marriott International hat für seine 30 Marken inzwischen die Bereiche Luxus, Premium, Select und Longstay geschaffen.

Bei Accorhotels ist der Konsolidierungsprozess im Luxusbereich noch im Gang. Einen neuen Vorgesetzten hat FRHI aber schnell bekommen: Chris Cahill wurde CEO Luxury & Upscale Hotels – mit vorläufigem Sitz in Toronto, der Heimat von Fairmont Hotels. Cahill war schon einmal 19 Jahre für Fairmont tätig und hatte den Zusammenschluss mit den Marken Raffles und Swissôtel gemanagt.

Büros werden zusammen gelegt

Zunächst hatte Accorhotels zudem die Schließung des FRHI-Büros in Zürich im Visier. Letzter Stand der Dinge ist, dass der im Dezember 2016 neu ernannte COO für den Luxusbereich, Duncan O'Rourke, in der Schweiz sitzen und laut Accorhotels-Sprecher Eike Kraft mit einer kleinen Mannschaft in Zürich zusammenarbeiten wird. Das Büro dort werde somit nicht komplett geschlossen.

Nach Informationen der AHGZ hat ein gewisser Kahlschlag in Zürich allerdings bereits stattgefunden. „Wer übernimmt, sitzt immer am längeren Hebel“, sagt ein betroffener ehemaliger FRHI-Angestellter. Zum Jahresende hätten zwölf FRHI-Mitarbeiter aus Zürich das Unternehmen mehr oder weniger unfreiwillig verlassen, darunter der Finanzchef, die Pressesprecherin und der HR-Manager. Direkt nach der Übernahme habe man allen das Gefühl vermittelt, weiter gebraucht zu werden. Doch dies erwies sich letztlich als Trugschluss. Rund neun Monate lang habe Accorhotels seine Strukturen sortiert. Anders sei zum Beispiel auch, dass von FRHI übernommene Sales-Leute heute alle Marken von Accorhotels verkauften und nicht mehr ausschließlich im Luxussegment tätig seien.

Bei Marriott verlief die Fusion ähnlich. Starwoods bisherige Europa-Zentrale in Brüssel steht vor dem Aus. Mitarbeiter erhalten Ersatzangebote in den Marriott-Büros London oder Eschborn/Frankfurt oder – je nach Betriebszugehörigkeit – Abfindungen. Junge Menschen ziehen eher mit, ältere denken – sofern sie es sich leisten können – oft über den Ausstieg aus dem Unternehmen nach.

Den Scheck bereits genommen hat der bisherige Starwood-President für die EMEA-Region (Europa, Mittlerer Osten, Afrika) Michael Wale. Seinen Job in Europa hat Marriott-Europa-President und Managing Director Amy McPherson übernommen. Erst kürzlich hat Thomas Willms, bisher Senior Vice President und Regional Director East & Central Europe bei Starwood, das Unternehmen verlassen.

Den Carlson Hotels hat die Übernahme durch HNA zum 1. Februar 2017 einen neuen CEO beschert: Federico González Tejera folgt auf David Berg, dessen Verbleib bei der Übernahme noch explizit betont worden war.

González Tejera war bis Juni vergangenen Jahres CEO der NH Hotel Group, die er – Gerüchten zufolge wegen seiner zu euphorischen Nähe zu NH-Anteilseigner HNA – verlassen musste. Den vakanten CEO-Platz bei der NH Hotel Group soll Ramón Aragonés, bis jetzt noch Executive Director of Business and Operations, besetzen. Bei Rezidor hat COO Olivier Harnisch das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlassen, er wird im März CEO bei der Emaar Hospitality Group aus Dubai.

Inzwischen wird gemutmaßt, dass HNA nach Abschluss der Rezidor-Kaufs eine Fusion von NH und Rezidor einleiten wird. Schon im Mai 2016 hatte Rezidor-CEO Wolfgang Neumann laut dem Wirtschaftsdienst Bloomberg in einem Interview in Abidjan an der Elfenbeinküste davon gesprochen, dass HNA Rezidor in eine internationale Hotelgruppe verwandeln wolle. Zunächst sei die Konsolidierung von Carlson Rezidor geplant, dann werde die Integration von NH geprüft.

Branchenexperte Professor Stephan Gerhard wertet einen Stellenabbau beziehungsweise die Zusammenlegung bestimmter Abteilungen bei der Mega-Fusion als normal und unvermeidbar. „Großunternehmen wollen selbstverständlich auch die Synergien in der Zentrale schöpfen“, sagt er. Schließlich seien viele Dinge gleich gelagert wie beispielsweise das Development, der Franchise-Bereich oder die Reservierung. Für mittlere Angestellte wie den Pressesprecher oder die dritte Marketingfrau sei der Jobverlust in der Regel am härtesten, sie dürften es schwerer haben wieder einen adäquaten Job zu finden als ein mit goldenem Handschlag verabschiedeter Vice President.

Hoher Kaufpreis bringt Druck

Er könne sich zudem vorstellen, dass aufgrund der öffentlich ausgetragenen Bieterschlacht mit Anbang und der daraus resultierenden Kaufpreissteigerung auf Marriott ein etwas größerer Einsparungsdruck liege als auf Accorhotels, so Gerhard. Accorhotels hatte sich im Vorjahr mit 30 Prozent an 25hours Hotels beteiligt, zu deren Gesellschaftern Gerhard gehört, und ernannte erst kürzlich für seine neue Lifestyle-Division aus den Marken Jo & Joe, Mama Shelter und 25hours Hotels mit Cédric Gobilliard einen neuen Chef. Dies, so Gerhard, werde aber keine Auswirkungen auf das 25hours-Team haben. „Marken wie 25hours oder Mama Shelter werden wegen der Personen gekauft, die hinter deren Erfolg stehen“, erläutert er. Zudem habe 25hours mit 70 Prozent derzeit ja auch noch die Oberhand.

Ebenfalls sehr positiv äußert sich Marco Nussbaum, CEO von Prizeotel, über sein im März 2016 geschlossenes Joint-Venture mit Rezidor. „Unsere Integration ist sehr, sehr smooth erfolgt“, sagt er. „Wir sind total happy, haben ein tolles Verhältnis zu CEO Wolfgang Neumann und seinem Team und können unsere Kultur weiter leben.“ Die 49-prozentige Beteiligung Rezidors an Prizeotel bringe Vorteile bei der Mitarbeitersuche und bessere Expansionsmöglichkeiten.

Gerhard unterscheidet zwischen Fusionen, die von Synergien getrieben, und solchen, die durch Expansion begründet werden wie beispielsweise die Übernahme kleiner Gruppen durch Novum. Durch die Auflösung einer kleineren Zentrale ließen sich vielleicht 300.000 Euro sparen, weil der Chef das Development meist selbst gemacht habe. Novum beispielsweise müsse im Zuge seiner rasanten Expansion eher Stellen neu schaffen als abbauen. Dies unterstreicht auch die jüngst erfolgte Ernennung des ehemaligen Welcome-Geschäftsführers Mario Pick zum Novum-COO.

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