Belastungen für Unternehmen

Verbände appellieren an Politik

IMAGO / blickwinkel

Beim Landesverbandstag Dehoga Saarland stand die Existenzangst vieler Betriebe im Vordergrund, denen steigende Energiepreise bei sinkenden Umsätzen zu schaffen machen. Der Dachverband AG Mittelstand verweist zudem darauf, dass Vorgaben der Politik Unternehmen zusätzlich belasten, und fordert Abhilfe.

Wegen steigender Energiepreise und sinkender Umsätze fürchten viele saarländische Betriebe im Gastgewerbe um ihre Existenz. Nachdem die Pandemie die Branche geschwächt und zu einem Fachkräftemangel geführt habe, kämen steigende Preise für Energie, Lebensmittel, Getränke und Logistik dazu, teilte der Dehoga-Landesverband Saarland bei seinem Landesverbandstag in Saarbrücken mit. Hinzu komme die Angst vor Versorgungsengpässen und neuen Corona-Regelungen in Herbst und Winter.

Einer bundesweiten Umfrage des Dehoga zufolge fürchten rund 66 Prozent der Betriebe vor dem Hintergrund der gestiegenen Energiepreise um ihre Existenz. Konkrete Zahlen zum Saarland wurden nicht veröffentlicht.

Gleichzeitig gehe das Konsumverhalten der Gäste spürbar zurück, sodass der Umsatz sinke, beklagte der Verband. „Wir spüren in den Hotels und Gaststätten eine Zurückhaltung bei Firmenveranstaltungen und Dienstreisen. Mal mit der Begründung Corona, mal mit dem Verweis auf interne Sparmaßnahmen wegen hoher Energiekosten“, sagte der saarländische Verbandspräsident Michael Buchna. Durch höhere Preise lasse sich die Kostenexplosion nicht ausgleichen.

Der deutsche Mittelstand fordert von der Politik derweil einen Verzicht auf zusätzliche Vorgaben, die Betriebe belasten. „Nach zwei harten Jahren Corona-Pandemie und für viele mittelständische Unternehmen beispiellosen Einschränkungen sind viele Betriebe in der aktuellen Krise an der Grenze ihrer Belastungsfähigkeit“, heißt es in einem Forderungspapier des Dachverbands Arbeitsgemeinschaft Mittelstand, das der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegt. Zur AG Mittelstand gehören unter anderem der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Dehoga, der Handelsverband HDE und der Zentralverband des Handwerks.

Mittelstandsverbände appellieren an Politik, auf Zusatzbelastungen zu verzichten

Es brauche ein „ernst gemeintes Belastungsmoratorium“, hieß es weiter. Die Bundesregierung dürfe nicht riskieren, die Unternehmen mit immer neuen Vorgaben und weiter wachsender Bürokratie zu überfordern. So solle etwa das deutsche Lieferkettengesetz „am besten verschoben“ werden, mindestens aber in der Umsetzung mittelstandsfreundlicher gestaltet werden, so die AG Mittelstand. Das Gesetz verpflichtet größere Unternehmen von 2023 an, auf Missstände beim Einkauf von Material und Teilen aus dem Ausland zu reagieren und Abhilfe zu schaffen.

Der von der Bundesregierung angekündigte, bis zu 200 Milliarden Euro schwere „Abwehrschirm“ zur Unterstützung von Verbrauchern und Unternehmen wegen der stark steigenden Energiepreise müsse schnell konkretisiert und umgesetzt werden, verlangte die AG Mittelstand. Für alle unter den hohen Energiepreisen leidenden mittelständischen Unternehmen müssten schnell vorübergehende Wirtschaftshilfen eingeführt werden.

Auch vor weiteren finanziellen Belastungen und einer „Übergewinnsteuer“ warnte der Mittelstand: „Steuererhöhungen oder höhere Sozialabgaben sind tabu. Ansonsten droht eine Überlastung, die große Teile des Mittelstandes in existenzielle Gefahr bringen könnte.“ Mit Blick auf die Infrastruktur sieht der Verbände-Zusammenschluss höchsten Handlungsdruck. Die Breitbandversorgung einschließlich des mobilen Internets auf dem Land müssten dringend ausgebaut werden, auch die Verkehrsinfrastruktur müsse besser werden.

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