Expansion: Betreibergruppe Châteauform setzt ...
Expansion

Betreibergruppe Châteauform setzt auf Schlösser

Châteauform
Bereits unter den Fittichen von Châteauform: Schloss Löwenstein bei Frankfurt.
Bereits unter den Fittichen von Châteauform: Schloss Löwenstein bei Frankfurt.

Als professioneller Tagungs-Gastgeber drängt das Unternehmen Châteauform derzeit auf den deutschen Markt. Alle Schlösser werden als Tagungshotels mit Rundum-Pauschale geführt.

ELTVILLE. Gerade erst ist Schloss Reinhartshausen wieder eröffnet worden: Die französische Gruppe Châteauform hat das Schlosshotel in Eltville-Erbach gepachtet und betreibt das 62-Zimmer-Haus inzwischen als reines Tagungs- und Seminarhotel. Das durch Rewe-Gründer Willi Leibbrand 1991 eröffnete Luxushotel hat eine bewegte Geschichte. Nach Leibbrands Tod hatte eine Investorengruppe um den Unternehmer Dieter Bock das Hotel gekauft, bis 2015 wurde es als Kempinski-Hotel geführt. Nach Bocks Tod ging die Immobilie 2014 an eine neue Investorengruppe, zu der der Karlsruher Projektentwickler Stefan Edler (MCS Projektentwicklung) zählt, einer der beiden Hauptgesellschafter der Hotel Schloss Reinhartshausen GmbH&Co. KG, die den Vertrag mit Châteauform abschloss.

Das Unternehmen hat seinen Sitz heute als Châteauform Management SA in Coppet in der Schweiz und betreibt derzeit 54 Häuser unter vier verschiedenen Marken: Les maisons de séminaire, Les campus, Châteauform City und, für private Gruppen und Familien, Les maisons de Katy et Jacques. Die Hotels liegen in sechs Ländern – Frankreich, Belgien, Italien, Spanien, der Schweiz und Deutschland. Allein 30 Standorte liegen in Frankreich. Vor Kurzem hat Châteauform in Paris zwei bekannte Locations übernommen: den Salle Wagram und Les Docks de Paris.

Rundum-Betreuung für Firmen und deren Events

Das Unternehmen hat sich auf Firmen spezialisiert und bietet bei Tagungen eine Rundum-Betreuung an. In Deutschland betrieb Châteauform bisher bereits die drei Seminarhäuser Schloss Krickenbeck in der Nähe von Düsseldorf, Schloss Ahrenthal bei Bonn und Schloss Löwenstein bei Frankfurt. Die Deutschland-Geschäftsführung teilen sich Nicolas Gaudin (Operations) und Henning Graf von Schwerin (Development).

Außer Schloss Reinhartshausen sind für 2017 in Deutschland gleich drei weitere Eröffnungen geplant, gleichzeitig soll die Marke City eingeführt werden. Bis zum Jahresende sollen noch Schloss Rothenbuch mit 40 Zimmern, Burg Hemmersbach mit 100 Zimmern und in Düsseldorf im ehemaligen Justizpalast das City Andreas Quartier mit einer Tagungsfläche von 4500 Quadratmetern an den Start gehen.

„Châteauform fungiert nicht als Eigentümer der Hotels, sondern schließt Langzeitpacht- oder -managementverträge mit den Eigentümern ab“, erläutert Deutschland-Pressesprecherin Marjorie Claus. Die Basis für die Angebotskalkulation bei Châteauform lautet: Every-Day-Fair-Pricing. „Die Preise werden nicht nach Nachfrage künstlich aufgeblasen, um dann, je nach Kunde, einen individuellen Nachlass zu bieten, sondern wir bieten absolute Transparenz“, so Claus.

Kunden sollen genau kalkulieren können

Die Rundum-Pauschale beinhaltet alle Kosten der jeweiligen Tagung und ermöglicht so bereits bei der Planung eine genaue Übersicht des Budgets, ohne nachträgliche Extrakosten. „Die Rundum-Sorglos-Pauschalen unserer Häuser lagen im Jahr 2016 in Deutschland zwischen 295 Euro und 335 Euro pro Tag und Teilnehmer“, so Claus. Der Umsatz von Châteauform in Deutschland belief sich 2016 auf 11,5 Mio. Euro. Das Budget von 2017 sieht 18 Mio. Euro vor.

Als er vor vier Jahren erstmals mit Châteauform in Kontakt trat, weil die West LB ihm den Auftrag erteilt hatte, Schloss Krickenbeck zu verkaufen, habe ihn die Philosophie dieser Gruppe erstaunt, gibt Graf von Schwerin schmunzelnd zu. Die Häuser würden so geführt, als ob man Gäste zu Hause empfange. Das heißt, hier gilt nicht „my home is my castle“, sondern das Schloss wird zum Heim. Auf den Fluren stünden Kühlschränke, aus denen sich die Gäste jederzeit versorgen könnten. Auch abends sei kein Barkeeper nötig, die Gäste bedienten sich selbst bei den bereitgestellten Spirituosen. „Es gibt auch nur ein festes Abendmenü ohne Auswahl, wie bei einem privaten Gastgeber“, so von Schwerin. Die Auswahl der Mitarbeiter erfolge nicht nach beruflicher Qualifikation, sondern nach der Fähigkeit, gute Gastgeber zu sein. Die Begeisterung der Gäste bestätige das Konzept.

Gegründet wurde Châteauform von Jacques Horovitz und Daniel Abittan. Abittan beschäftigte Horovitz ab 1992 als Marketing-Direktor des von ihm gegründeten Unternehmens Grand Vision – dem französischen Pendant zu Fielmann Optik. Da Horovitz sich über schlechte Tagungsstätten beschwerte, schlug Abittan ihm vor, ein Konzept für bessere Tagungshäuser zu entwickeln – die Châteauform-Idee war geboren. 1996 eröffnete als erstes Seminarhaus das Château Neuville-Bosc, der persönliche Wohnsitz von Katy und Jacques Horovitz.

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