Porträt: Bojahr bleibt der Marke treu
Porträt

Bojahr bleibt der Marke treu

Claudia Tupeit
Aufsteiger: Bei Rezidor hat sich Daniel Bojahr stets weiterentwickelt.
Aufsteiger: Bei Rezidor hat sich Daniel Bojahr stets weiterentwickelt.

Rostock. Samstagabend – im Radisson Blu in Rostock ist auf drei Etagen in zwölf Räumen Partystimmung. Mittendrin: General Manager Daniel Bojahr. Mit seinem Team hat er den „Ball Legèr“

Rostock. Samstagabend – im Radisson Blu in Rostock ist auf drei Etagen in zwölf Räumen Partystimmung. Mittendrin: General Manager Daniel Bojahr. Mit seinem Team hat er den „Ball Legèr“ organisiert und plaudert nach dem Arbeitsaufwand entspannt zwischen den drei kulinarischen Themenbereichen Fischmarkt, Italienisch und Street Food mit den 450 Gästen. Jeder von ihnen, der auch im Hause übernachtet hat, fand ein persönlich von ihm geschriebenes Begrüßungskärtchen im Zimmer.

Beim AHGZ-Gespräch ein paar Wochen später trägt er wieder Anzug mit Krawatte. Beim der Festveranstaltung sollte es bewusst lässig zugehen -- ohne Ballroben und Schlips. „Der Ball Legèr ist elegant, aber unkompliziert und ungezwungen. So wie wir es uns vorgestellt haben“, sagt der 37-Jährige, der seit Sommer 2015 die Geschicke des Radisson Blu in der Hansestadt verantwortet.

An die Küste ist er nicht nur als Direktor gekommen, sondern auch wegen der Ballerfahrung. Zuvor hat er knapp sieben Jahre das Radisson Blu Resort Schloss Fleesensee in Göhren-Lebbin geleitet. „Ein Hotel sollte ein Ort sein, an dem Menschen gern sind, wo man sich trifft und tolle Erlebnisse hat“, so sein Credo, weshalb er im Jahr 2009 dort den Flanierball etablierte.

1000 Tickets für den Flanierball



„Ziel der Bälle ist es, das Haus für die Region zu öffnen. In Göhren-Lebbin hat das neben weiteren Veranstaltungen gut funktioniert“, sagt Bojahr rückblickend. Zur zweiten Auflage konnte er bereits 1000 Tickets verkaufen. Eine Zahl, die ihn stolz macht. Der Flanierball, der auch nach seinem Weggang weiter läuft, ist jedoch anders, als der lockere Ball in Rostock. „Das Schlosshotel ist sehr traditionell und klassisch und die Veranstaltung thematisch darauf abgestimmt.“

Als leidenschaftlicher Golfer hat er zudem bewiesen, dass der Rasensport und klassische Musik harmonieren. Bei dem Event Gold&Classic hat er sich die Neubrandenburger Philharmonie an den Fleesensee geholt. In seiner Freizeit hat er den Golfplatz am Arbeitsort hin und wieder genutzt. Aber nie kostenfrei. Das habe er für sich so entschieden. Und selbst wenn er heute im Rostocker Radisson Blu im Hotelrestaurant privat mit seiner Familie speist, zahlt er wie ein normaler Gast.

Diese Bodenständigkeit passt zu seiner Markentreue. Im Jahr 2003 hat der gebürtige Malchiner bei Rezidor angefangen. Drei Jahre später übernahm er den General-Manager-Posten in Neubrandenburg, danach in Fleesensee, schließlich nun in Rostock. „Ich bin der Marke Radisson Blu gern treu geblieben. Dass ich in diesem Unternehmen seit fast 14 Jahren, überwiegend in meiner Heimat, arbeiten darf, bin ich dankbar.“ Er lebt mit Frau und zwei Kindern in Waren an der Müritz, pendelt aber fast täglich etwa eine Stunde an die Ostsee. Und wenn es mal länger dauert, nimmt er sich ein Hotelzimmer an seinem Arbeitsplatz.

Vertrauen in seine Mitarbeiter



Dass Daniel Bojahr auch abschaltet vom Arbeitsalltag, hat viel mit seiner Art der Mitarbeiterführung zu tun. „Meine Kollegen kümmern sich persönlich um Hinweise von Gästen – egal ob kritisch oder anerkennend. Das ist eine Frage des Vertrauens“, sagt der Mecklenburger. Aus seiner Erfahrung erlebe der Gast schneller und direkter eine Lösung der Situation. Das Wort Kulanz sei allerdings im Haus verboten: Aus seiner Sicht suggeriere es, dass ein Gast im Unrecht sei und das Team widerwillig mache, was der Gast sich wünsche.

Bei aller Selbstständigkeit, die er seinen 120 Mitarbeitern lässt: „Ich kenne die Situationen, um im Bilde zu sein und daraus zu lernen.“ Sein Charme und seine Ausgeglichenheit haben nachhaltige Wirkung: „Einige unserer Stammgäste habe ich ich ursprünglich in einem kritischen Gespräch kennengelernt“, berichtet Bojahr.

Übrigens sind seine Kollegen an der Rezeption oder auch im Service nicht nur angehalten, kritische Situationen selbst zu lösen. Sie dürfen selbst entscheiden, was sie Gästen anbieten, die häufiger im Hotel beziehungsweise im Restaurant verkehren. Die Aktion Surprise&Delight ist eine von vielen Möglichkeiten, sie zu überraschen – das kann als Dank für die Treue ein Dessert aufs Haus sein oder eine Flasche Gratis-Sekt zu einem besonderen Anlass. Claudia Tupeit



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