Bundeshilfen | Interview Dehoga: "Da muss dri...
Bundeshilfen | Interview Dehoga

"Da muss dringend nachgebessert werden"

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Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin Dehoga Bundesverband
Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin Dehoga Bundesverband

Die Hilfszahlungen der Bundesregierung sind bei den Betrieben bisher nicht oder nur teilweise angekommen. Ingrid Hartges (Dehoga) im Interview über weiteren Verbesserungsbedarf bei den Hilfen.

Die Coronakrise hat das gesamte Gastgewerbe in Deutschland in eine massive Krise gestürzt und bereits Existenzen zerstört. Die Auszahlung dringend benötigter finanzieller Hilfen durch die Bundesregierung schleppt sich. Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Dehoga Bundesverbandes, im Interview zur aktuellen Situation.

Wie gestaltet sich aus Sicht des Dehoga die Auszahlung der Novemberhilfen an die Branche? Bisher sind noch immer keine vollständigen Auszahlungen bei den Betrieben eingetroffen, allenfalls Abschlagszahlungen bis zu 50.000 Euro. Das ist völlig inakzeptabel, zumal mit den Hilfen große Hoffnungen verbunden waren. Insgesamt wurden bis zum 28. Dezember Anträge mit einem Volumen von 4,18 Mrd. Euro gestellt. Das bereits ausgezahlte Volumen beträgt jedoch nur 1,15 Mrd. Euro. Wir hoffen sehr, dass die weiteren Auszahlungen ab nächster Woche vollständig eintreffen. Überfällig ist die Bekanntgabe der Details für große Unternehmen, ab wann können sie unter welchen Voraussetzungen die Novemberhilfen beantragen. Dazu bedarf es noch der ausstehenden Genehmigung der EU-Kommission.
 
Ab wann rechnet der Dehoga mit der Auszahlung der Dezemberhilfen? Für die Dezemberhilfen, die seit dem 23. Dezember 2020 beantragt werden können, sind bisher wohl knapp 14.000 Anträge gestellt worden. Zunächst erfolgen auch hier nur Abschlagszahlungen. Wir erwarten, dass nicht nur die November- sondern auch die Dezemberhilfen schnellstmöglich im Januar zur vollständigen Auszahlung kommen. Andernfalls sind Insolvenzen vorprogrammiert.
 
Welchen Verbesserungsbedarf sehen Sie sonst noch bei den Hilfen? Bei den Hilfen muss dringend nachgebessert werden. Beispiel: Da rückzahlbare KfW-Kredite mit einer Laufzeit von mehr als 6 Jahren in voller Höhe als Beihilfe gewertet werden, können die nicht zurückzahlbaren Zuschüsse für Betriebe gekürzt werden. Das betrifft insbesondere größere Unternehmen im Gastgewerbe und gefährdet sehr viele Arbeitsplätze. Es ist völlig inakzeptabel, dass die KfW-Kredite mit dem Nennbetrag angerechnet werden. Dazu haben wir der Politik bereits verschiedene Lösungsvorschläge unterbreitet. Nachjustiert werden muss ebenso bei den Regelungen für Mischbetriebe und verbundene Unternehmen. Hier gibt es erhebliche Verwerfungen aufgrund des 80:20-Erfordernisses.

Welche Hilfen gibt es ab Januar? Ab Januar steht die Überbrückungshilfe 3 zur Verfügung. In der Politik gab es keine Bereitschaft, die umsatzorientierten November- und Dezemberhilfen fortzuführen.



Dieser Text erschien zuerst auf www.food-service.de.

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