Corona-Lage

Hoteliers sorgen sich ums Wintergeschäft

Colourbox.de
Winterurlaub: Die hohen Corona-Fallzahlen und drohende Beschränkungen für Reisen und Beherbergung bedrohen erneut die Geschäftsgrundlage der Hotellerie
Winterurlaub: Die hohen Corona-Fallzahlen und drohende Beschränkungen für Reisen und Beherbergung bedrohen erneut die Geschäftsgrundlage der Hotellerie

Die Pandemie zeigt ihre Zähne und macht der Hotellerie - auch ohne Lockdown - schwer zu schaffen.

Die Hoteliers in Deutschland – und nicht nur dort – stehen vor einer paradoxen Situation: Gerade die Ferienhotellerie ist für die Weihnachtszeit oft sehr gut gebucht, aber derzeit stellen sich Gastgeber und Gäste die Frage, was überhaupt in wenigen Wochen möglich sein wird, wenn die Wintersaison eigentlich richtig losgeht.

Anfragen für 2022 stocken

Petra Sowada, Director of Business Development bei Seetelhotels, beschreibt die aktuelle Situation so: "Generell sind die Buchungsanfragen wesentlich kurzfristiger geworden und das Buchungsverhalten ist sehr vorsichtig. Wir erhalten Stornierungen, weil die Gesamtlage noch sehr unübersichtlich ist und auch von der Politik keine Entscheidungen getroffen werden. Generell kann man leider auch hier wieder festhalten, dass unsere Branche wieder einmal in Mitleidenschaft gezogen wird, obwohl wir mit den jetzigen Corona-Entwicklungen nichts zu haben oder jemals hatten." Die Buchungsanfragen für das Jahr 2022 seien noch sehr schleppend.

Eckart Pfannkuchen, General Manager des Steigenberger Hotel Treudelberg in Hamburg, stellt fest: „Wir freuen uns im Steigenberger Hotel Treudelberg Hamburg über die gute Buchungslage im ersten und zweiten Quartal des Jahres 2022. Auch das große Interesse aus dem Mice-Bereich für das kommende Jahr macht uns Hoffnung. Allerdings können wir vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung der Pandemie und den damit einhergehenden Einschränkungen derzeit noch nicht absehen, wie sich dies auf die Nachfrage auswirken wird.“

Ernst Mayer, der außer dem Familux Resort Oberjoch im bayerischen Bad Hindelang auch zwei Hotels im benachbarten Österreich gehören, hat im Nachbarland schon schlimme Erfahrungen mit den kurzfristigen Beschlüssen der politischen Entscheidungsträger gemacht. Von einem Tag zum anderen traten die Lockdown-Bestimmungen in Kraft, die zudem seither noch verschärft und regional unterschiedlich ausgestaltet worden sind. "Wir hatten eine gute Buchungslage und entsprechend volle Kühlhäuser, die kriegt man so schnell nicht leer, wir werden viel wegwerfen müssen." In Oberösterreich habe man Gästen telefonisch in letzter Minute absagen müssen, die bereits im Auto saßen.

Noch ist Weihnachten gut gebucht

Das lässt ihn Böses ahnen: "Bisher kam eigentlich alles, was in Österreich beschlossen wurde, mit etwas Verzögerung auch in Deutschland", so Mayers Erfahrung. Bisher seien es vor allem die Gäste, deren Aufenthalt kurz bevorstehe, die sich verunsichert beim Hotel meldeten. „Wir haben viele Absagen für Anreisen nächste Woche bekommen. Aber Weihnachten ist im Moment noch eine andere Geschichte: Da ist noch alles voll gebucht, und es will auch keiner sein Zimmer stornieren. Die Leute hoffen halt alle noch, dass der Urlaub dann auch möglich ist, das Bedürfnis zu reisen, nach Urlaub ist einfach da. Aber wenn doch der Lockdown im Tourismus kommt, ist alles hinfällig."

Dass nun ein weiterer Winter ohne Tourismusgeschäft drohe, sei eine absolute Katastrophe. Besonders ärgerlich ist, dass die Politik sich offenbar gar nicht auf diese Situation vorbereitet hat und es keinerlei belastbare Aussagen gegenüber der Branche gab. Der Unternehmer kann nicht nachvollziehen, warum ausgerechnet das Gastgewerbe mit derart strikten Einschränkungen belegt wird. "In großen Werken sind die Leute doch auch dicht beieinander, aber das ist weiter erlaubt."

Angst vor dritter Zwangspause für die Mitarbeiter

Mayer macht sich wegen der erneuten Verschärfung der Krise vor allem um zwei Aspekte Sorgen. Zum einen hat er Angst, dass noch mehr gute Mitarbeiter dem Gastgewerbe den Rücken kehren, wenn auch diesen Winter die Hotellerie als Arbeitsplatz nahezu wegfällt. "Wir haben ja ohnehin schon einen massiven Fachkräfte- und Mitarbeitermangel in der Branche in ganz Europa. Und das wird immer schlimmer, wenn wir den Mitarbeitern keinerlei Planungssicherheit geben können", weiß er. Dann könne man die aufgestaute Nachfrage nach Urlaub und Ausgehen gar nicht mehr bedienen, wenn das zwar wieder erlaubt sei, aber eben die Mitarbeiter zum Hochfahren fehlen. "Die Folge ist: Der Besuch im Hotel oder Restaurant wird schwieriger und teurer werden", prognostiziert er. "Denn es gibt dann weniger Kapazitäten."

Laut einer Blitzumfrage des Dehoga Mitte November, an der sich fast 7000 gastgewerbliche Betriebe beteiligten, haben Hotels und Restaurants vom 1. bis 15. November 28,2 Prozent weniger um als im gleichen Zeitraum des Vorkrisenjahres 2019. "Das für die Branche so wichtige Weihnachtsgeschäft droht komplett wegzubrechen, wir erleben erneut eine Absagewelle", stellte Verbandspräsident Guido Zöllick fest. „Mit Blick auf steigende Infektionszahlen und die damit einhergehenden strengeren Zugangsregeln nehmen die Verunsicherung und die Existenzsorgen der Betriebe wieder zu.“

Dehoga-Umfrage meldet bereits Absagen

Gerade der Veranstaltungsbereich ist demnach stark betroffen, aber auch die Hotellerie fürchtet um die Winterurlauber. 80,6 Prozent der befragten Hotels beklagen coronabedingte Stornierungen von Übernachtungen – sowohl von Geschäftsreisenden als auch von Touristen. Besonders viele Absagen registrierten Betriebe in den Bundesländern Sachsen, Bayern und Thüringen. Das liegt auch daran, dass die 2G-Regelung in Sachsen bereits seit 8. November gilt.

Von den Gästen wurde als Hauptgrund für den Verzicht auf Übernachtungen und Veranstaltungen laut 77,9 Prozent der Betriebe die aktuelle Infektionslage genannt. Aber auch die strengeren Zugangsregeln kosten Gäste und damit Umsätze. 46,3 Prozent der Betriebe meldeten, dass ihre Gäste unter Verweis auf die 2G-Regelung storniert hätten.

stats