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Corona-Maßnahmen

Corona-Politik: Frust in der Branche ist riesig

IMAGO
Mühsam und überaus frustrierend: Der Kampf gegen die Corona-Pandemie
Mühsam und überaus frustrierend: Der Kampf gegen die Corona-Pandemie

Im zweiten Corona-Herbst-Winter treffen die Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens die Branche erneut hart. Entsprechend groß ist der Frust und der Ärger über die Politik, erste rechtliche Schritte werden geprüft. Es gibt aber auch Zuversicht.

Mit am heftigsten von den neuen Corona-Maßnahmen ist das Gastgewerbe in Bayern und Sachsen betroffen. Denn in den Hotspots (Inzidenz über 1000) in Bayern kommt es zu Schließungen im gesamten Gastgewerbe, dazu gibt es eine landesweite Sperrstunde für die Gastronomie ab 22 Uhr sowie die Schließung der Nachtgastronomie im ganzen Freistaat.
„Entweder ein harter Lockdown für alle oder Konzeptlösungen.“
Angela Inselkammer, Präsidentin Dehoga Bayern

Entsprechend aufgebracht ist die Branche: Die durch Ministerpräsident Markus Söder bekannt gegebenen Verschärfungen für Bayern sind für den Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Bayern absolut nicht nachvollziehbar und stoßen auf Fassungslosigkeit bei den gastgewerblichen Betrieben in Bayern, so der Verband in einer aktuellen Mitteilung. „Die bekannt gewordenen Entscheidungen sind für uns unvorstellbar,“ sagt Dehoga Bayern-Präsidentin Angela Inselkammer. „Entweder ein harter Lockdown für alle oder Konzeptlösungen. Wir können absolut nicht nachvollziehen, warum das Gastgewerbe nun wieder die Sonderopferrolle zugewiesen bekommt,“ so Inselkammer.

Auch vor dem finanziellen Kollaps warnt Inselkammer: „Wir erwarten jetzt ein Bayerisches Sofortprogramm in Form von Umsatzentschädigungen sowie sofortige Steuerstundungen für die von der unverschuldeten Schließung betroffenen Betriebe, um kurzfristig Liquidität zu erhalten.“

Auch in Sachsen gibt es nun eine neue Corona-Verordnung - vorerst vom 22. November bis 12. Dezember. Für Gastronomie gilt nun flächendeckend 2G sowie begrenzte Öffnungszeiten von 6 bis 20 Uhr. Außerdem sind nun unter anderem sämtliche Kultur- und Freizeiteinrichtungen, Diskotheken, Clubs und Bars geschlossen. Touristische Reisen sind untersagt. Nur für Geschäftsreisende dürfen Hotels öffnen.  

Für den Dehoga Sachsen sind die Maßnahmen ein absolutes Unding. Die Maßnahmen seien ein Lockdown durch die Hintertür. „Es kann nicht sein, dass Unternehmer, Wirtschaft und Verbände aufgrund einer Minderheit solch drastische Regelungen erfahren“, so Axel Hüpkes, Präsident der Dehoga Sachsen. „Wenn man am Freitag erfährt, dass man am Montag keine Gäste mehr empfangen darf, ist das unternehmerisch nicht umsetzbar.“ Es brauche finanzielle Hilfen – von denen keiner ausgeschlossen wird – und Kurzarbeitergeld in Höhe von 80 Prozent ab dem ersten Bezugsmonat. Sonst werde es ein Gastgewerbe, wie wir es kennen und lieben, bald nicht mehr geben.
„Viele regelkonforme Betriebe klagen schon jetzt über unnötige Diskussionen mit ihren Gästen.“
Axel Klein, Hauptgeschäftsführer Dehoga Sachsen

Doch der Verband schlägt auch kritische Töne an und appeliert an Branche und Gäste: Die Verleumdung des Virus und die unzureichende Impfbereitschaft vieler Sachsen hat uns bis hierhin gebracht. Der Dehoga appelliert weiterhin an die Besucher von Gaststätten und Restaurants, ihre Zutrittsberechtigungen grundsätzlich unaufgefordert vorzuzeigen, so der Verband weiter. „Viele regelkonforme Betriebe klagen schon jetzt über unnötige Diskussionen mit ihren Gästen“, sagt Axel Klein, Hauptgeschäftsführer Dehoga Sachsen. Der Verband fordert alle Unternehmen dazu auf, bestehende Hygienekonzepte und Kontrollpflichten konsequent einzuhalten.

„Die Testpflichten und erneuten Einschränkungen für die Gastronomie und der aus lokalen Verordnungen entstehende Flickenteppich sind Gift für unsere Branche“, bringt es Leaders Club-Präsident Michael Kuriat auf den Punkt. „Das wirft uns massiv zurück. Wir brauchen endlich klare, nachvollziehbare Regelungen, mit denen die Gastronomen, unsere Gäste und vor allem die Mitarbeiter planen können.“ Sorge bereitet dem Leaders Club vor allem die erwartete Abwanderung der mühsam zurückgewonnenen Kräfte in Küche und Service, die angesichts der unübersichtlichen Situation die Hospitality-Branche weniger denn je als sicheres Arbeitsumfeld wahrnehmen.

"Wir rasseln sukzessive in eine zu späte Lockdown-Entscheidung, was für die Hotellerie und Gastronomie sicher besser wäre", sagt hingegen Dirk Iserlohe, Aufsichtsratsvorsitzender der Hotelkette Dorint. Stattdessen gebe es eine Stornierungswelle, mit der die Unternehmen selbst zurechtkommen müssen. Er fordert einen bundesweiten Lockdown für alledamit es die dann fälligen Entschädigungen auch in voller Höhe gebe.

Mit Zuversicht ins neue Jahr

Bei all den herausfordernden Entwicklungen gibt auch optimistische Gastgeber: "Die aktuellen Beschlüsse zeigen die Hilflosigkeit der Politik mit der Pandemie umzugehen. Das die Hotellerie und Gastronomie wieder darunter leiden wird zeichnet sich ja schon ab (Sachsen & Bayern). Somit bereiten wir uns jetzt schon auf die Maßnahmen vor und überlegen wie wir die Zeiten wieder nutzen können, denn so schlimm die Lage auch ist, blicken wir zuversichtlich nach vorne auf ein erfolgreiches Jahr 2022 und nutzen die Zeiten um gut vorbereitet in das neue Jahr zu starten", sagt Bastian Heiser, Geschäftsführer Hotel Villa Raab in Alsfeld.
„Wir sind operativ gut auf die sich entwickelnde Situation eingestellt und schenken dem Thema keine erhöhte Aufmerksamkeit mehr, da die derzeitige Entwicklung absehbar war.“
Bodo Janssen, Geschäftsführer Upstalsboom Kultur & Entwicklung GmbH

Eine entspannte Reaktion kommt auch von Upstalsboom. „Wir sind operativ gut auf die sich entwickelnde Situation eingestellt und schenken dem Thema keine erhöhte Aufmerksamkeit mehr, da die derzeitige Entwicklung absehbar war.  Im Schnitt sind gut 90 Prozent unserer Mitarbeiter geimpft und mit der anstehenden Verordnung werden wir bei uns flächendeckend 2G umsetzen. Gut 95 Prozent unserer Gäste der letzten Monate waren geimpft oder genesen, so dass wir aus dieser Entscheidung heraus keine signifikanten Interventionen erwarten", sagt Bodo Janssen, Geschäftsführer Upstalsboom Kultur & Entwicklung GmbH.

Janssen weiter: "Die Entwicklung der Dezemberbuchungen lässt ein bisschen nach, vereinzelt gibt es Stornierungen. Der Umgang mit Corona gehört mittlerweile zum Alltag und so befassen wir uns derzeit sehr aktiv mit zukunftsweisenden Weiterentwicklungen." Dazu gehöre etwa die Erhöhung der Mindestlöhne auf 12 Euro und eine generelle Lohnerhöhung für alle Mitarbeiter um 5 Prozent ab dem 1. Januar 2022 sowie die Einführung der Gemeinwohlbilanz in allen Unternehmen der Upstalsboom-Gruppe. 

Wirte prüfen rechtliche Schritte

Einen anderen Weg geht die italienische Gastrokette L’Osteria (siehe Extra-Artikel). Das Unternehmen plant ein Vorgehen im Wege des einstweiligen Rechtsschutzes und die Einreichung eines Normenkontrollantrages. Die Gruppe reagiert damit auf die Beschlüsse rund um Sperrstunden oder 2G-plus-Pflichten für die Gastronomie in den einzelnen Bundesländern.

"Im Interesse unserer Mitarbeitenden, Partner und letztendlich für die gesamte Gastronomie-Branche sehe ich leider keine andere Möglichkeit, als mit Rechtsmitteln gegen die neuen Sperrstunden und 2G-plus-Verordnungen vorzugehen. Wir steuern auf den dritten Winter der Pandemie zu und dass wir überhaupt in diese Lage kommen, ist mir absolut unerklärlich", so Mirko Silz, CEO der FR L’Osteria SE und Mitinitiator des Gastgeberkreises.

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