Coronakrise

Gastgewerbe-Vertreter warnen vor Komplettschließungen

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Nicht schon wieder: Ein weiterer Lockdown würde außer wirtschaftlichem Schaden auch große mentale Probleme bei Hoteliers, Gastronomen und ihren Mitarbeitern hervorrufen,
Nicht schon wieder: Ein weiterer Lockdown würde außer wirtschaftlichem Schaden auch große mentale Probleme bei Hoteliers, Gastronomen und ihren Mitarbeitern hervorrufen,

Die Ergebnisse der gestrigen Ministerpräsidentenkonferenz sehen Landesverbände des Dehoga kritisch.

  
"Wenig nachvollziehen können wir die pauschalen Konsequenzen der gesetzten Grenzwerte der Hospitalisierungsraten", so Präsidentin Angela Inselkammer.

"Flächendeckendes 2G-plus im Gastgewerbe wäre nicht verhältnismäßig und bedeutet auch durch die derzeit fehlenden Testkapazitäten einen defacto-Lockdown für viele Betriebe." Landesgeschäftsführer Thomas Geppert ergänzt: "Geimpfte dürfen nicht weiter in ihren Grundrechten eingeschränkt werden, sie sind Teil der Lösung und nicht des Problems."

Positiv bewertet wird die Verlängerung der Überbrückungshilfe III Plus. „Die Verlängerung der Wirtschaftshilfen war wichtig, da die aktuellen Entwicklungen zu massiven Umsatzeinbrüchen führen und die Betriebe unverschuldet wieder an die Existenzgrenze geraten", so Landesgeschäftsführer Thomas Geppert.

Absolut kein Verständnis haben wir hingegen, wenn von Komplettschließung die Rede ist. "Ein erneuter Lockdown des Gastgewerbes kommt für uns nicht in Frage", so Inselkammer. "Pauschale Schließungen oder Teilschließungen von Betrieben sind nutz- und wirkungslos, das zeigt die Erfahrung der vergangenen Zeit", betont die Präsidentin. "Wir behalten uns vor dies auch gerichtlich auf Verhältnismäßigkeit zu prüfen", sagt daher auch Landesgeschäftsführer Geppert.

Haakon Herbst: 2g-plus zwingt Betriebe in die Knie

Der Dehoga NRW interpretiert die Beschlüsse Ergebnisse des Bund-Länder-Treffens sowie die neuen Regelungen des Infektionsschutzgesetzes kritisch. Lobt allerdings den "Verzicht auf einen Lockdown". Die Abkehr von 3G gefällt dem Verband hingegen nicht.

"Dass es zu keinem Lockdown mehr kommen darf, ist eine wichtige Entscheidung. Allerdings wäre eine 3G-Regelung, wie sie jetzt im öffentlichen Nahverkehr und im Reisefernverkehr gelten wird, auch für das Gastgewerbe weiterhin angemessen, weil Restaurants und Hotels beispielsweise nachweislich nie Infektionsherde waren", sagt Haakon Herbst, Regionalpräsident im Dehoga Nordrhein-Westfalen.

Künftig gilt bei Veranstaltungen im Freizeitbereich, zu dem das Gastgewerbe offensichtlich gezählt wird, eine flächendeckende 2G-Regelung, wenn die 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz zwischen 3 und 6 liegt, was in NRW momentan bei einer Inzidenz von knapp über 4 der Fall ist.

Vor weiteren, schärferen Maßnahmen zu einem späteren Zeitpunkt warnt der Hotel- und Gaststättenverband: "Der Lockdown darf auch nach dem nächsten Bund-Länder-Treffen Anfang Dezember nicht kommen. Genauso wenig wie andere Beschränkungen wie die Wiedereinführung von Mindestabständen oder 2G-plus beim Restaurantbesuch. Das würde einen Quasi-Lockdown bedeuten und viele Betriebe, die es bis jetzt wirtschaftlich gerade so eben geschafft haben, in die Knie zwingen", so Herbst.

Mit Blick auf den Geschäftsreisetourismus und Veranstaltungen wünscht sich der Dehoga eine längere Übergangszeit von 3G zu 2G: "Viele Geschäftsreisen und Veranstaltungen sind unter 3G-Vorzeichen geplant worden. Weil sie nicht ohne Weiteres auf 2G umgestellt werden können, wird es weitere Stornierungen "hageln".

Der Dehoga NRW begrüßt die Ankündigungen von Bund und Ländern, ihre Impfanstrengungen auszuweiten, niederschwelliger zu machen und wie vom Gastgewerbe gefordert Bürgertests erneut kostenlos zur Verfügung zu stellen. "Je erfolgreicher die Impfkampagne wieder anläuft und durch freiwillige flächendeckende Tests flankiert wird, desto größer die Chance, diese Pandemie zu beenden. Unser Ziel bleibt, möglichst schnell wieder allen uneingeschränkt Gastgeber sein zu können", so Herbst abschließend.
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