Coronakrise

Spahn fordert Absage aller Groß-Events

IMAGO / Political-Moments
Fordert umgehend schärfere Corona-Maßnahmen: Der geschäftsführende Gesundheitsminister Jens Spahn.
Fordert umgehend schärfere Corona-Maßnahmen: Der geschäftsführende Gesundheitsminister Jens Spahn.

Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) fordert in der gemeinsamen Pressekonferenz mit RKI-Chef Lothar Wieler drastische Kontaktbeschränkungen, die Absage aller Großveranstaltungen und zwingend die Einführung von 2G-Plus, um die 4. Corona-Welle noch zu brechen. Und das sofort. Mit großer Sorge wird die neue südafrikanische Virus-Variante gesehen.

"Wir brauchen in der derzeitigen Lage eine massive Reduktion der Kontakte – und zwar sofort! Das ist der beste Schutz für alle", mahnt Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts, in der Pressekonferenz. Die 7-Tages-Inzidenz erreicht bundesweit mit einem Wert von 438,2 einen neuen Höchststand. Jens Spahn und Lothar Wieler appellieren mit Nachdruck an die Ministerpräsidentenkonferenz (MPK), schnell Maßnahmen zu ergreifen und nicht wieder so viel Zeit untätig verstreichen zu lassen.

„Wir müssen jetzt die vierte Welle stoppen!“
Jens Spahn, geschäftsführender Bundesgesundheitsminister


"Es braucht in dieser Lage 2G-Plus, es braucht mehr Kontaktbeschränkungen und eine Absage aller Großveranstaltungen", fordert Jens Spahn. Die MPK hätte zuletzt drei Wochen zu spät gehandelt. Die Impfpflicht-Diskussion bringe kurzfristig nichts. Viel wichtiger wären deshalb sofortige drastische Maßnahmen, um die Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren. Es würde beispielsweise nicht in die Zeit passen, dass einige Kommunen ihre Weihnachtsmärkte abgesagt hätten und andere eben nicht. "Die Lage ist ernst!", so Spahn. „Wir müssen jetzt die vierte Welle stoppen!“

Tanker fährt gegen die Kaimauer

Der Gesundheitsminister bemüht einen Vergleich: Den Tanker, der auf die Kaimauer zufahre, wurde bislang nicht gebremst. „Er fährt immer schneller mit voller Fahrt", so Spahn. Wenn jetzt nichts unternommen werde, würden die Maßnahmen später umso drastischer ausfallen. Es brauche in dieser nationalen Notlage das Zusammenstehen aller Verantwortlichen, so der geschäftsführende Gesundheitsminister.
„Welche Todeszahl würde uns überzeugen, dass wir uns impfen lassen?“
Lothar Wieler, RKI-Chef

Klare Worte fand auch erneut der RKI-Chef Wieler: Mehr als 100.000 Menschen hätten ihr Leben durch Corona bereits verloren. "Welche Todeszahl würde uns überzeugen, dass wir uns impfen lassen? Was muss noch geschehen, damit wir alle Maßnahmen einleiten, damit wir die 4. Welle brechen?", fragte Wieler. "Wir müssen die Kontakte soweit wie möglich reduzieren." Nur so könne die vierte Welle gestoppt werden. 

Innerhalb von 7 Tagen seien 2.000 neue Corona-Patienten neu in Kliniken aufgenommen worden, 85 % der behandelten Corona-Patienten benötigen eine Beatmung! 18,9 Prozent der Intensivbetten seien mit Corona-Patienten belegt, dies entspräche knapp jedem fünften Bett, was andere nicht mehr zur Verfügung stehe. Schon jetzt werden viele geplante Operationen aufgeschoben, Patienten bekämen nicht die Behandlung, die sie benötigten. Wenn die vierte Welle nicht gebremst wird, wird die Versorung in ganz Deutschland eingeschränkt, mahnte Wieler erneut.

Südafrikanische Variante breitet Sorgen

Auch die neue südafrikanische Virusvariante bereitet Wieler und Spahn sorgen. Sie weise eine hohe Zahl an Mutationen auf. Von einigen wisse man noch nicht, was sie biologisch bedeuten, so Wieler. Und man wisse noch nicht, ob die derzeitigen Impfstoffe dagegen helfen. "Wir sind sehr besorgt", so der RKI-Chef. Man hoffe, dass die Ausbreitung dieser Variante durch Reisebeschränkungen eingedämmt werde. Bislang sei die Variante in Europa noch nicht nachgewiesen worden, so die positive Botschaft.



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