Coronapandemie: ÖHV-Präsidentin Reitterer: „2...
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ÖHV-Präsidentin Reitterer: „2G war eine Frage der Zeit“

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Sieht die Regelung positiv: ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer.
Sieht die Regelung positiv: ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer.

Angesichts der steigenden Coronazahlen treten in immer mehr Regionen verschärfte Maßnahmen in Kraft. In Österreich gilt schon landesweit die 2G-Regel. Rolf Westermann fragt die Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Michaela Reitterer, wie das Vorgehen dort ankommt.

 

Frau Reitterer, seit 8. November gilt 2G in Österreich. Nur noch Geimpfte und Genesene haben Zutritt etwa zu größeren Veranstaltungen oder in die Gastronomie. Wie sieht die Regelung in den Hotels genau aus?

Reitterer: 2G für Gäste war ja nur mehr eine Frage der Zeit angesichts des Anstiegs der Infektionen, die ÖHV informiert ihre Mitglieder in Newslettern mehrmals die Woche über den Stand der Dinge und ihre gesetzlichen Verpflichtungen. Wir sind also schon sehr gut vorbereitet. Wir haben unsere Sicherheits- und Hygienekonzepte seit Beginn der Pandemie laufend aktualisiert und ausgebaut, wodurch wir Cluster in der Hotellerie unterbinden konnten. Für eine Übergangsfrist von 4 Wochen gilt die Erstimpfung in Kombination mit einem gültigen PCR-Test als Eintrittsnachweis: Wer noch nicht geimpft ist, aber bereits die Reise gebucht hat, kann also in jedem Fall seine Reise antreten – den ersten Stich natürlich vorausgesetzt. Das lässt sich lösen. Für Kinder bis 12 braucht es keinen Eintrittsnachweis, für Minderjährige über 12 wird an einer Lösung gearbeitet, die sollte bald kommen.

Wie kommt die Regelung bei den Unternehmen an?

Reitterer: Der allergrößte Teil sieht, dass die Regelung sie ein Mindestmaß an Planbarkeit ermöglicht. Was wäre die Alternative: ein weiterer Anstieg der Infektionszahlen. Die Auslastung der Intensivstationen in den Krankenhäusern würde steigen und die der Hotellerie im Gegenzug sinken. Wir haben das ja direkt infolge der Rotfärbung der Corona-Landkarte bemerkt. Dabei sind die Hotels erwiesenermaßen sicher: Die österreichische Gesundheitsagentur AGES ordnet nur 1 Prozent der Infektionen der Hotellerie und Gastronomie zusammen zu, und der kleinste Teil davon entfällt auf die Beherbergung. Es gibt ja zehnmal so viele Gastronomiebetriebe wie Hotels. Der Großteil des Infektionsrisikos passiert in Schulen und privaten Haushalten – wo Touristen in der Regel nicht hinkommen. Mit 2G dämmen wir diesen Anstieg zusätzlich ein und können Geimpfte und Genesene beherbergen. Noch einmal in Alternativen gedacht: Ohne 2G hätten wir Stornos von Gästen, die geimpft sind und keine Lust haben, auf Ungeimpfte zu treffen – und dazu ein ernstzunehmendes Risiko eines Lockdowns wie im Vorjahr. Da ist die derzeitige Lösung definitiv die weit bessere Variante, und zwar aus gesundheitlicher wie auch wirtschaftlicher Sicht. Wir haben ja nicht nur eine Pandemie, die wird ja von einer weltweiten Wirtschaftskrise mit den allerstärksten Auswirkungen auf den Tourismus begleitet. Da geht es um viele Existenzen.

 

„Ohne 2G hätten wir Stornos von Gästen, die geimpft sind und keine Lust haben, auf Ungeimpfte zu treffen – und dazu ein ernstzunehmendes Risiko eines Lockdowns wie im Vorjahr.“
Michaela Reitterer, ÖHV-Präsidentin.

Fürchten Sie, dass viele potenzielle Gäste zuhause bleiben?

Reitterer: Wir sehen, dass zwischen 80 und 90 Prozent der Gäste geimpft sind. Das wird noch steigen. Zu den 10 Prozent ungeimpften werden noch einige dazukommen, die vorsichtshalber nicht verreisen. Es wird nicht leicht, aber im Vergleich zum Vorjahr überschaubar. Das darf sich nicht wiederholen. Mit 2G und den hohen Hygienestandards in unseren Hotels senken wir das Risiko, dass das passiert, natürlich enorm.

 

Darf in Österreich der Impfstatus der Mitarbeiter abgefragt werden?

Reitterer: Daran kommen wir nicht vorbei, weil wir ja eine Schutzpflicht gegenüber allen Beschäftigten und Gästen haben. Mitarbeiter, die sich noch nicht impfen lassen konnten, müssen sich ununterbrochen testen lassen. Bei den Mitarbeitern kratzen wir in der ÖHV bundeweit an der 80 Prozent-Marke und der Anteil der Geimpften steigt weiter.

 

Wie setzen Sie die Regel konkret in ihrem Wiener Boutiquehotel um?

Reitterer: Superstreng entlang den gesetzlichen Vorgaben. Team und Gäste tragen das aus Überzeugung mit. Ich sage ja immer, wäre Österreich ein Hotel, hätten wir die Pandemie schon besiegt.

 

Nutzen Sie zusätzlich noch Coronatests?

Reitterer: Ja, persönlich in regelmäßigen Abständen. Die Impfung sorgt ja vor allem für einen milden Verlauf. Wir fordern auch eine flächendeckende Sicherstellung der Versorgung mit PCR-Tests. Auch da haben wir jetzt endlich die Zusage der Politik, dass das kommt. Das ist ganz entscheidend. Für die Bekämpfung der Pandemie und um die Arbeitsplätze im Tourismus und in den vor- und nachgelagerten Branchen zu sichern.

 

Wie sehen Sie die Aussichten der Branche für den Winter?

Reitterer: Vorsichtig optimistisch: Greifen die Maßnahmen – und danach sieht es nach dem aktuellen Anstieg der Impfungen schon vor Inkrafttreten der 2G-Regelung aus – werden die Zahlen wieder sinken. Wichtig wäre, dass auch die Auslastung der Intensivstationen wieder sinkt. Die Stadthotellerie mit einem hohen Anteil internationaler Gäste wird weiter hart an der Grenze der Wirtschaftlichkeit arbeiten. Wir werfen also sicher nicht die Flinte ins Korn. Wir krempeln die Ärmel hoch und machen das Beste aus der Situation.

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