Gastbeitrag: Das Gesetz von Ebbe und Flut
Gastbeitrag

Das Gesetz von Ebbe und Flut

Unternehmen
Winfried Völcker: „Erfolg hat man nicht, man muss ihm entgegengehen“
Winfried Völcker: „Erfolg hat man nicht, man muss ihm entgegengehen“

Von Winfried D. E. Völcker, Geschäftsführer Völcker Hospitality, Bad Schwartau.

Keine Kunden, keine Gewinne, keine Zukunft! Klingt so banal, dass man sich fast nicht traut, es auszusprechen. Indessen geht der Branchenboom in die zigfache Verlängerung. Ein Elfmeter jagt den anderen. Kaum ein Haus, das von der touristischen Flutwelle nicht gefüllt wird.

C. Dewitt Coffman, Cornell-Professor und Autor des Klassikers „Marketing for a Full House“ frohlockt indessen in der Cloud. Alle haben seine Bibel für erfolgreiches Hospitality-Marketing gelesen und ernten nun die Früchte. Warum also an die Zukunft denken? Mit Marketing für ein volles Haus ist doch eh jeder auf den Gezeitenwechsel vorbereitet. Oder? Coffman hat mir 1973 in Cornell die Augen geöffnet und die fünf, damals quasi brandneuen „Werkzeuge“ Product, People, Price, Place und Promotion intensiv und dauerhaft ans Herz gelegt. Als junger Director of F&B Operations in fünf amerikanischen Hilton-Hotels setzte ich alles tatkräftig um. Seitdem habe ich die Marketing-Gene im Blut.

Hotelmarketing 5.0 ist einfach, es hat nämlich nur eine einzige Aufgabe: Hotels und auch Restaurants mit „Product Excellence“ durch „People Excellence“ zu auskömmlichen Preisen („Price Excellence“) und einer kundenbindenden Geschichte mit passendem Kommunikationsmix („Promotion Excellence“) 365 Tage im Jahr zu füllen. Dazu braucht es „Place Excellence“, also die passenden Vertriebsinstrumente – digital und auf der Höhe der Zeit. Wer was anderes erzählt, hat keine Ahnung!

„All das würden wir ja tun, aber der Fachkräftemangel...“. Mal ehrlich, ist es nur der Fachkräftemangel? Oder sind es auch Führungskräftemängel? Ist der Chef Teil des Problems, statt Teil der Lösung? Glauben wir an die Kraft des Hotelmarketing 5.0, müsste „People Excellence“ dann nicht unser Denken und Handeln bestimmen? Sind Personaler in Wahrheit nicht Inhouse-Marketing-Manager und Mitarbeiter die Botschafter unserer Produkte, Angebote und Dienstleistungen? Sie sind es, die das Versprechen des Managements erfüllen, nicht die Marke auf dem Dach. Umsätze werden von Menschen mit Menschen an der Front gemacht. Menschen schaffen Wertschöpfung – wer denn sonst?

Erfolg hat man nicht, man muss ihm entgegengehen: Ein Betriebskonzept erarbeiten, attraktiv, interessant und relevant. Den Wandel anführen. Produkte, Angebote und Services kundengerecht machen. Nur bieten, was der Gast wirklich will. Das Wissen vom Lehrling bis zum Meister nutzen. Laufend neue Ideen um- und Technologien einsetzen. Schnell kopiert ist besser, als nie gemacht.

Ständige Konkurrenzbeobachtungen gehören dazu – rund ums Essen, Trinken, Schlafen. Wer sind die Gäste? Wer arbeitet dort? Mitarbeiter wie Freunde behandeln, fair und respektvoll. Klare, messbare Ziele setzen. Täglich Check & Balance, Trial & Error. Mutig, beherzt und tapfer handeln. Einen Chef, eine Zentrale als Mentor und Coach, nicht als Vormund. All das aus gutem Grund: Der Flut folgt die Ebbe. Gezeitenwechsel ist ein Naturgesetz.

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