Gastbeitrag : Das Leben im east cosmos
Gastbeitrag

Das Leben im east cosmos

Gastro Consulting SKM
Christoph Strenger: Seine east-Gruppe in Hamburg setzt Zeichen
Christoph Strenger: Seine east-Gruppe in Hamburg setzt Zeichen

Christoph Strenger schreibt darüber, wie es war, als er vor 15 Jahren in Hamburg ein völlig neues Hotel- und Gastronomiekonzept startete.

Die Geschichte des east begann im Jahr 2001. Zu dieser Zeit lernte ich meinen heutigen Geschäftspartner Thomas Kreye kennen, der bereits Jahre vorher ein Grundstück in der Simon-von-Utrecht-Straße, einer Parallelstraße der Reeperbahn, erworben hatte. Darauf befand sich noch die Ruine der alten St.Pauli Eisenwerke. Seine Vision war es damals, an genau dieser Stelle ein Hotel und eine Gastronomie zu errichten.

Die Idee des Standorts faszinierte und begeisterte mich sofort, und wir fingen an, nach Inspirationen für ein derartiges Projekt, das größte in meiner bisherigen Gastronomie-Laufbahn, zu suchen. Das Internet steckte noch in den Kinderschuhen, Instagram, Facebook und Google Maps gab es noch nicht, und so packten wir unsere Koffer und reisten um die Welt nach London, New York, Miami, Singapur und Las Vegas, um uns außergewöhnliche Konzepte anzuschauen, die wir für unser Projekt in Hamburg nutzen könnten.

Ich träumte davon, ein Designhotel mit einer Gastronomie zu etablieren, die hauptsächlich von Hamburgern besucht werden sollte. Zu meinem großen konzeptionellen Vorbild gehörte Ian Schrager, weltbekannter Hotelier, Gastronom und Gründer des Studio 54 und Hudson in New York, des Designhotels Delano in Miami und des Mondrian in Los Angeles. Schrager hatte bereits Jahre zuvor damit begonnen Lifestyle-Konzepte zu entwickeln, deren Restaurants hauptsächlich von Locals besucht wurden. Zu der Zeit war es in Deutschland noch unüblich, in einem Hotel essen zu gehen.

Buddha Bar Paris als Inspiration

Die zweite wichtige Inspiration für das east war die berühmte Buddha Bar in Paris, eine mehrstöckige Gastronomie in einem historischen Gebäude mit Kellergewölben und mehreren Ebenen, ähnlich wie unsere Immobilie auf St. Pauli. So wuchs die Idee, eine Gastronomie auf zwei Etagen mit verschiedenen Bereichen, Bars und Lounges zu entwickeln. Für die konkrete Umsetzung holte ich meinen langjährigen Freund, den Chicagoer Designer Jordan Mozer ins Team. Er entwickelte zahlreiche Zeichnungen in seinem unverwechselbaren Stil und langsam kamen die architektonischen Eigenschaften hervor, die noch heute im east zu sehen sind. Jordan Mozer ist hauptverantwortlich für den einzigartigen Look des east, der sich in den Hotelzimmern in Form von Stühlen, Betten, Lampen und weiteren Designelementen wiederfindet und diese so unverwechselbar macht.

Besonders dankbar bin ich noch heute für seine Idee, den Innenhof Dedon Island auf dasselbe Level abzusenken, wie das Restaurant: nämlich auf die tiefste Ebene des Gebäudes.

Eine komplette Etage wurde baulich entfernt und die kleinen Fenster in acht Meter hohe Glastüren umgebaut, die so den Zugang zum Innenhof ermöglichten und die Restaurantfläche mit Licht fluteten. Diese Baumaßnahmen waren am Ende ausschlaggebend für die Helligkeit, Transparenz und die beeindruckende Größe und Tiefe des Restaurants.

Die Auslastung liegt bei über 90 Prozent

Im Jahr 2004 eröffneten wir also ein für Deutschland völlig neues Hotel- und Gastronomiekonzept, das bis heute Gäste aus aller Welt begeistert. Ich bin nach wie vor stolz, dass der Grundgedanke „Location für Locals“ von vor 20 Jahren immer noch so erfolgreich funktioniert und viele Hamburger bis heute Fans und Gäste des east sind. Doch richtig „fertig“ wird das east wohl nie.

Die Branche ist stets im Wandel. Unsere Gäste werden reifer und anspruchsvoller, wirtschaftliche Ziele ändern sich, und man muss reagieren, um erfolgreich zu sein und für potenzielle Gäste attraktiv zu bleiben. So haben wir uns vor einigen Jahren dazu entschlossen, neben der Modernisierung der bestehenden 129 Hotelzimmer und des Bankettbereichs, auch den east Sporting Club sowie den Nachtclub uppereast in 43 neue, moderne Hotelzimmer umzuwandeln. Mit nun 172 Zimmern und einer durchschnittlichen Auslastung von über 90 Prozent gehört das east zu einem der erfolgreichsten Hotels Hamburgs.

Wir kämpfen jeden Tag um gute Mitarbeiter

Im Laufe der Jahre ist das east auch außerhalb seiner Gemäuer zum sogenannten east cosmos gewachsen. Zur east-Gruppe zählen heute das coast by east und die coast enoteca an den Marco-Polo-Terrassen in der HafenCity, das clouds – Heaven’s Bar & Kitchen, die Dachterrasse clouds – Heaven’s Nest und die Konferenzetage clouds Events in den Tanzenden Türmen auf der Reeperbahn sowie die Störtebeker Elbphilharmonie. Zusätzlich betreiben wir im Yachthafen Port Adriano auf Mallorca das coast by east und die Sansibar Wine.

Die Erweiterung des east cosmos hat keine Priorität. Wenn sich aber die Möglichkeiten für Projekte an besonderen Standorten mit tollen Partnerschaften ergeben, wird zumindest darüber nachgedacht...

Im Vergleich zu den letzten Jahren, ist es für die Gastronomie in der heutigen Zeit jedoch leider nicht einfach, denn es fehlt überall an gutem Personal. Mitarbeiter mit Ausdauer, Belastbarkeit und Spaß an ihrer Arbeit müssen mit immer größerem Aufwand gefunden werden. Da es nahezu jedem gastronomischen Betrieb ähnlich ergeht, müssen wir um unsere guten Mitarbeiter jeden Tag kämpfen. 2004 sind wir mit rund 100 Leuten gestartet, heute kümmern sich knapp 400 Angestellte, Auszubildende und Manager um das Wohl unserer Gäste.

Alles in allem sind wir zutiefst dankbar, glücklich und zufrieden mit dem, was wir in den vergangenen 15 Jahren geschaffen haben. Wir sind jeden Tag mit Spaß bei der Arbeit – und das ist das größte Glück, das ich mir vorstellen kann.

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