Neueröffnung: Der Brautradition verpflichtet
Neueröffnung

Der Brautradition verpflichtet

Hannes Kuhnert
Bierprofis: Die Geschäftsführer Oliver Braun (links) und Frank Stetter vor den Kupferkesseln im Brauereigasthaus. Hier dürfen junge Brauer experimentieren oder Gäste ihr eigenes Bier brauen.
Bierprofis: Die Geschäftsführer Oliver Braun (links) und Frank Stetter vor den Kupferkesseln im Brauereigasthaus. Hier dürfen junge Brauer experimentieren oder Gäste ihr eigenes Bier brauen.

Offenburg. Beim Brauwerk Baden ist fast alles neu: Der Name, der Standort, die Brauerei, die Gastronomie, die Strategie und sogar ein Teil der Geschäftsführung. Doch die 170-jährige Brautradition

Offenburg. Beim Brauwerk Baden ist fast alles neu: Der Name, der Standort, die Brauerei, die Gastronomie, die Strategie und sogar ein Teil der Geschäftsführung. Doch die 170-jährige Brautradition lebt weiter. Geschäftsführer Frank Stetter (52) hält es mit dem Liedervers: „Wir wollen das Alte nicht bekämpfen, sondern das Neue gestalten“.

In fünfter Generation



Aufbruchstimmung weht durch den nagelneuen Betrieb, nur leicht getrübt, weil wenige Kilometer entfernt die ausgedienten Kessel aus der alten Brauerei in der Offenburger Zellerstraße von Kränen herausgewuchtet werden und die Abrissbirne in Mauern kracht, die seit Anfang des vergangenen Jahrhunderts die Kronenbrauerei beherbergt hatten und jetzt Platz machen sollen für Wohnhäuser. „Ja, das tut schon ein bisschen weh“, sagt Stetter. Und er ist nicht bereit, trotz allem Neuen mit der Tradition zu brechen. 170 Jahre Kronenbrauerei, das bedeute auch Verpflichtung fünf Familiengenerationen gegenüber, deren Spross Stetter selbst ist. Er verantwortet nun die Bereiche Vertrieb, Marketing und Strategie, während Mitgeschäftsführer Oliver Braun (46) seit nunmehr 15 Jahren für Verwaltung, Finanzen und Personal zuständig ist. Mit ihm zusammen und seiner Cousine, Carolin Stetter, wurde das neue Konzept entwickelt.

Wurden über viele Jahrzehnte am alten Standort die regionalen Biermarken „Kronen“ und „Wagner“ gebraut, geschieht das nun im Januar bezogenen Neubau im Industriegebiet Rammersweier auf kompakten 11.500 Quadratmetern nach modernstem Stand der Technik und alles in Edelstahl. Nur die Fassabfüllung wurde vom alten Betrieb übernommen. Rund 12 Mio. Euro stecken im Neuanfang. Der Produktionsablauf erfolgt in einer ausgeklügelten Wertschöpfungskette. Dreimal die Woche wird dreimal täglich gebraut, der Jahresausstoß liegt bei geschätzten 30.000 Hektolitern. „Wir haben uns auf unser Premiumbier zurückgeschrumpft“, so Stetter mit Blick auf ehemalige Ausstoßzahlen, als man noch Discounter belieferte. Jetzt rückt die Qualität der Produkte wieder in der Vordergrund.

„Wir müssen die Menschen wieder an das Bier heranführen“, sagt der Geschäftsführer und ist bereit, sich dafür auch mit Geduld zu wappnen. Sein Brauwerk soll sich als Brauerei des Erlebens in der Region behaupten und unverzichtbar machen. Das Brauwerk Baden wird die neue Unternehmensmarke und bestimmt das neue Marketing. Als Produktmarken bestehen die traditionellen Kronen- und Wagner-Biersorten weiter und im Frühjahr kommt das neue „Brauwerk Craft“ auf den Markt. Eine handwerkliche Trendmarke mit eigenem, würzigen Charakter.

Offene Schauküche



Stetter will seine Brauerei zum Erlebnis machen. „Man soll das Bier dort genießen, wo es gebraut wird, man muss es schmecken, riechen, hören, spüren können“ schwärmt er. Dafür hat er im Erdgeschoss des Brauwerks eine Gastronomie mit 120 Plätzen an soliden Massivholztischen angegliedert. Die gläsernen Seitenwände lassen sich zum Biergarten hin öffnen, in der transparenten Schauküche regieren regionale Produkte. Dafür hat er im Geschoss darüber eine gemütliche Bierbar eingerichtet, in der auch mal ein angesagtes Craft Beer aus anderen Ländern stehen darf. Vor den Türen des Wirtshauses ackern noch die Bagger, um einen Biergarten mit Terrassen anzulegen, ein Atrium für Frühlings- und Oktoberfeste, Theater, Lesungen, Kleinkunst und Klassik. Darüber hinaus öffnet sich das Brauwerk für Besichtigungen durch Klassen und Kegelclubs, für Eigenveranstaltungen wie Brauseminare, Kochlehrgänge und Verkostungen. Der Stamm der Mitarbeiter wurde um etwa 15 Personen auf knapp 60 aufgestockt.

Hannes Kuhnert

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